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Wer pflegt uns morgen?

Wer pflegt uns morgen, wenn wir uns von Europa abschotten?
Die gleichen politischen Kräfte, die unsere Beziehung zur EU aufs Spiel setzen, stellen sich auch gegen dringend nötige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Pflege, wie die Debatte im Nationalrat zum zweiten Teil der Pflegeinitiative gezeigt hat.
Wollen wir wirklich eine Initiative annehmen, die unser Gesundheitswesen- und alle anderen Wirtschaftszweige wie den Tourismus- zusätzlich unter Druck setzt und gleichzeitig unsere Beziehungen zur EU gefährdet? Zudem in dieser instabilen geopolitischen Lage?
Schon heute müssen Betten in Pflegeheimen geschlossen werden, Wartezeiten für Operationen steigen, und die Spitex sieht sich gezwungen, Leistungen einzuschränken.
Die Personenfreizügigkeit ist ein Teil der bilateralen Beziehungen und müsste gemäss Initiativtext schon in wenigen Jahren gekündigt werden. Damit setzen wir die Rekrutierung von dringend benötigten Arbeitskräften aufs Spiel.
Die Schweiz hat immer vom Austausch profitiert. Gerade in dezentralen Regionen ist das Problem nicht, dass es zu viele Menschen gibt, sondern zu wenig Arbeitskräfte.
Die Antwort auf den Pflegenotstand ist nicht Abschottung, sondern Ausbildung, zeitgemässe Arbeitsbedingungen und verlässliche Partnerschaften mit unseren Nachbarn.
Wer morgen noch gut gepflegt werden will, sagt Nein zur «Keine 10 Millionen- Schweiz» Initiative der SVP.
Renate Rutishauser
Diplomierte Pflegefachfrau HF
Vorstandsmitglied nationaler Pflegedachverband
alliance care
Grossrätin SP Domleschg

Renate Rutishauser
30.04.26 - 13:37 Uhr
Leserbrief
Ort:
Tumegl/Tomils
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Sehr geehrte Diplomierte Pflegefachfrau HF, Vorstandsmitglied nationaler Pflegedachverband
alliance care, Grossrätin SP Domleschg, Renate Rutishauser
Ich finde, da das Thema weltbewegend ist: "Wer pflegt uns morgen?", müssten alle Aspekte auf den Tisch.
Beispiele:
1) Wohnungsnot: Was nützt mir "Pflege", wenn ich keinen Wohnraum habe oder nur ungesunden Wohnraum (Immissionen) in der Verdichtung (man protestiert gegen Massentierhaltung, wer protestiert gegen Massenmenschhaltung), wenn ich also eh nicht gesundheitserhaltend oder -aufpäppelnd leben darf?
2) Viele Beschäftigte im Gesundheits-/Pflegebereich gaben ihren Beruf auf wegen schlechter Arbeitsbedingungen, zu langer/unregelmässiger Arbeitszeiten und zu schlechter Bezahlung. Warum wird das im Inland (Schweiz) nicht ZUERST "behandelt und geheilt"?
3) Wenn ich mich recht erinnere, sagte Regierungsratskandidatin Valérie Favre Accola (an der Behinderten-Veranstaltung 22.4.2026 im Calvensaal der SVA Chur, ein Abend der von Somedia-Journalistin Pierina Hassler moderiert wurde, über den Anlass berichtete Südostschweiz aber weder vor noch nach der Veranstaltung, obwohl das Kernaufgabe des Lokaljournalismus wäre, das wurde der Leserschaft absichtlich VERSCHWIEGEN, obwohl sicher viele Menschen es interessiert hätte, dort teilzunehmen, Anregungen zu erfahren und vielleicht Fragen zu stellen an die Regierungsratskandidaten, denn es ging ums Thema "Zukunft für Behinderte im Kanton Graubünden"), dass es in der Schweiz derzeit 13000 Arbeitslose im Gesundheitswesen gibt.
Unabhängig von der genauen Anzahl: Warum werden diese nicht eingestellt, statt die Schleusen zum Ausland weiter zu öffnen?
4) Warum werden, falls überhaupt die Grenzen offenbleiben sollten, sie nicht wenigstens für jene geschlossen, die NICHT im Gesundheitswesen arbeiten?
Denn der Angstmacherei-Hebel 14.6.2026: "Stimmt NEIN, ansonst seid ihr hilflos bei Krankheit/Alter" wird ja verwendet, um die Schleusen für ALLE Ausländer offen zu halten, wobei meines Wissens etwa 90 Prozent der Einreisenden überhaupt nicht im Gesundheitsbereich arbeiten würden.
5) Warum erklären Sie als Fachfrau dem Volk nicht, dass logisch gilt: "Ewiges Wachstum ist letal, fragen Sie die Onkologie", Sie jedoch empfehlen das Gegenteil für den 14.6.2026?
6) Nochmal apropos Angstmacherei-Hebel: Dem Volk wird eingeredet, es brauche weitere, unlimited, Massen von Ausländern (auch solchen, die gar nicht im Gesundheitsbereich arbeiten würden), was hingegen sagen Sie zur Gegenthese, dass Pflegebetroffenen egal ob Personal da wäre oder nicht, so oder so von Robotern "betreut" werden, weil diese billiger sind, da bei uns doch das Geld entscheidet?
7) Warum ist Nachhaltigkeit für die SP ein beliebtes Schlagwort, bloss ausgerechnet bei den Menschenmassen nicht. Warum leugnet die SP, dass die Menschenmassen einen negativen Einfluss auf Wohnungsnot, Verkehrsfluten Strassen/Schiene, Umweltimmissionen haben. Es ist faktisch und mathematisch und logisch doch klar.

Sehr geehrter Herr Reuss
Gern gehe ich auf ihre Fragen und Bemerkungen ein:
1) Die Wohnungsnot ist wahr, die muss angegangen werden. Im Oberengadin blockieren endlose Zweitwohnungen die Existenz bezahlbaren Wohnraums beispielsweise für Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Anderswo werden Renditeobjekte- in der Regel Eigentumswohnungen- gebaut, ebenfalls keine Option für eine Pflegefachperson. Der Wohnungsmarkt sollte staatlich geregelt werden,
2) auch damit haben Sie zumindest teilweise recht. Ich habe das Thema oben auch erwähnt. Gerade die SVP verhindert, dass das Gesetz über diie Arbeitsbedingungen in der Pflege wirkungsvoll umgesetzt wird. Aber wenn wir ehrlich sind, werden wir es mit allen Massnahmen, die es gibt, nicht auf die Mitarbeitenden mit einem ausländischen Pass verzichten können, jedenfalls nicht in nützlicher Frist mit der aktuellen Demografie. Allein im Münstertal ist die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner bereits im Pensionsalter.
3) https://ind.obsan.admin.ch/pflemo - im Obsan Pflegemonitoring finden Sie alle relevanten Daten. Es wird kaum arbeitslose Pflegefachpersonen geben. Vermutlich handelt es sich bei den genannten Zahlen um Personen ohne spezifische Qualifikation. Wobei gerade bei Abstimmungen oft falsche Zahlen kursieren. Im Gesundheitswesen arbeiten nicht nur Pflegefachpersonen. Hingegen fehlen schon jetzt 11000- 15000 Pflegende, wobei die Zahlen laufend ansteigen. Auch dies können Sie im Monitoring nachlesen.
4) So funktioniert es nicht. Wer in die Schweiz kommt, um hier zu arbeiten, benötigt erstmal einen Arbeitsvertrag. Einfach so kann man sich hier nicht niederlassen. Ausserdem werden - gerade auch in Graubünden- händeringend Mitarbeitende im Tourismus,, der Gastronomie, dem Bau etc. gesucht.
5) Ich empfehle überhaupt kein ewiges Wachstum. Die Demografie wandelt sich. Statt einer Alterspyramide zeigt sich die Verteilung der Bevölkerung eher in Form einer Urne. Wenn die geburtenstarken Boomer- die bald einmal den Grossteil der Pflegebedürftigen ausmachen werden- einmal nicht mehr sind, wird sich die Lage wieder verändern. Und natürlich liegt es an der Politik, genügend Fachpersonen auszubilden, sowohl Pflegefachpersonen, aber auch Ärztinnen und Ärzte und die Arbeitsbedingungen so auszugestalten, dass diese ihrem Beruf treu bleiben können.
6)Dass dem Volk so etwas eingeredet würde, ist mir neu. Wie oben erwähnt benötigt man zunächst einen Arbeitsvertrag, das heisst, der Bedarf muss gegeben sein. Ausserdem gilt bei Stellenbesetzungen der Inländervorteil. Bei gewissen Stellen muss der Arbeitgeber nachweisen, dass er keine inländische Person dafür gefunden hat, eher er sie mit einer ausländischen besetzen darf. Roboter und andere Technologien können tatsächlich grosse Unterstützung bieten, beispielsweise bei der Dokumentation, dem Richten von Medikamenten, der Überwachung und der Lagerung etc. Diese müssen unbedingt gefördert werden. Keine Option ist es hingegen, die unmittelbare Pflege am Patienten an einen Roboter zu delegieren. Stellen Sie sich einmal vor, wie es für Sie wäre, wenn Sie aufgrund einer onkologischen Erkrankung (s.o.) im Spital liegen und über ihre Ängste sprechen möchten, es Veränderungen in ihrem Gesundheitszustand gibt, die ein Roboter, und sei er noch so gut programmiert, nicht zu erkennen in der Lage ist.
7)In Graubünden gibt es keine Menschenmassen. Es gibt zu wenig Menschen, habe ich geschrieben.

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