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Wo soll das Berufsfeld Pflege hin?

Liebe Leserinnen und Leser

Zuerst, danke vielmals "Südostschweiz" für nichts! Ich meine dies nicht als Kritik oder als bösen Hintergedanke, man sieht ganz einfach was momentan aktuell ist und was "vielleicht" im Verborgenen bleiben soll!? Ist das Arbeitsfeld Pflege so ein Thema? Vor zwei Wochen etwa gab es die Nachricht, dass in Bundesbern die Initiative über die Pflege nicht so angewendet werden kann, wie vereinbart. Warum? Fangen wir aber von Anfang an: Die Pflegeinitiative ist zustande gekommen, als man gesehen hat, und zwar während und nach der Coronapandemie, dass die Pflege als grösstes beanspruchtes Berufsfeld an den Anschlag kommt... Alle waren dann happy, dass die Initiative angenommen wurde. Pflegegewerkschaften, die Initianten selbst und die Pflegenden. Ich erinnere mich nicht mehr, wie viel Geld man zur Verfügung gestellt hat, aber ich denke es waren in etwa 3,5 Milliarden. Ich erinnere mich auch noch, dass das Erste, was man gemacht hat, die Pflegeoffensive war, heisst, so viele neue Kandidaten und Kandidatinnen zu rekrutieren und die Pflegelehren so schmackhaft wie möglich zu machen, extrem viel Werbung überall. Und dann? Was ist passiert? Naja, da kommen wir zum Jahr 2025 bis jetzt. Man hat ja gemerkt: das verschlingt viel zu viel Geld für etwas, was heute nicht mehr aktuell ist. Heute ist ja aktuell die Sicherheit: Heisst der Armee noch mehr Geld geben, für die Cybersicherheit des Bundes oder ganz einfach für die Sicherheit des Landes, im inneren aber auch im äusseren. Ist ja klar, dass das Berufsfeld Pflege jetzt nicht mehr anzieht. Schande sag ich da nur! Und ich will diesen Leserbrief mit einer ganz einfachen Frage beenden: Wollt Ihr noch gepflegt werden im Alter? Bald, meine lieben Leserinnen und Leser, wird es keine Pflegenden mehr geben, weil die Ansprüche zu hoch und die Finanzen zu niedrig sind und ganz einfach, weil die physischen und psychischen Komponenten nicht mehr zeitgemäss sind, um diesen Beruf gut, adäquat und mit Freude auszuüben. Wenn wir in der Pflege schon jetzt am Anschlag sind, wie wird es in fünf Jahren sein, wenn "vielleicht" viele Babyboomer pflegebedürftig sein werden? Over and out.

Paolo Passerini
20.02.26 - 21:48 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Momentan keinen, da es nicht Aktuell ist!?
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Bravo, Paolo Passerini, Ihren Leserbrief finde ich hochaktuell.
Angesichts Wohnungsnot, Hausärztemangel und zunehmend im Krankenwesennotstand sehe ich derlei auch bei Sterbehilfe und Palliative Care auf uns zukommen.
Mein Vorschlag "Gesundheitstourismus auch für Einheimische" (bahnbrechende Lebensstiländerung) scheint leider niemanden zu interessieren; trotz aufweckender Prognose-Daten etwa von Florian Homm:

Journalist Werner Vontobel:
Die Nachteile des «Weiter-So» zeigen sich immer deutlicher
Was sind ein paar Prozente mehr BIP oder Lohn im Vergleich zu mehr Stau, längeren Arbeitswegen, 1500 Franken mehr Monatsmiete, dem Verlust von Nachbarschaft, mehr Pneuabrieb in der Atemluft etc.? Lohnt sich das?