Chalandamarz 2026 – Brauchtum oder Werbefilm?
Mir blutet das Herz – und zwar lichterloh! Schon vor Jahren habe ich gefragt: Wo endet das Brauchtum und wo beginnt der nackte Kommerz? Am Chalandamarz habe ich die schmerzhafte Antwort erhalten.
Ich bin im Engadin geboren und aufgewachsen. Ich habe den Chalandamarz selbst miterlebt – anfangs als Kind widerwillig, später mit stolzer Freude. Es war unser Fest, unsere Identität. Doch seit über zehn Jahren bleibe ich fern. Warum? Weil ich kein „Heimweh-Engadiner“ sein will, der zusehen muss, wie seine Heimat zur Kulisse verkommt. Der Kommerz hat den Chalandamarz fest im Würgegriff.
Wenn ich sehe, dass RTR einen Livestream aus Zuoz produziert und eine Oceana Galmarini Kinder für „Hintergrundstorys“ interviewt, die sichtlich keine Lust haben die Glocke zu tragen oder zu singen, dann frage ich mich: Für wen machen wir das eigentlich? Wir brechen Regeln und schalten schweizweit Werbung, nur um unsere Tradition als „Event“ besser zu verkaufen.
Meine direkte Frage an das Team der "Südostschweiz" und die Talschaft: Warum ist ein Chalandamarz im Geiste des Schellen-Ursli im Jahr 2026 nicht mehr möglich? Ein einfaches Fest für Jung und Alt, für die Familien im Tal, ohne das Blitzlichtgewitter der Touristen und Medien?
Die Antwort ist traurig, aber simpel: Wir reden vom Engadin. Und hier zählt am Ende nur Geld, Geld und nochmals Geld.
Mein Fazit: Danke für das systematische Kaputtmachen einer echten Tradition!
Over and out.
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Meiner Meinung nach wird im…
Meiner Meinung nach wird im Leserbrief etwas verwechselt. Wenn RTR bzw. die SRG über den Chalandamarz berichten, ist kein Kommerz-Gedanken dahinter. Die SRG hat durch die Schweizer Bundesverfassung unter anderem den Auftrag, über Kultur und Besonderheiten zu berichten (Auszug Art. 93 der BV): "Radio und Fernsehen sollen zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung beitragen, auf die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone Rücksicht nehmen, die Ereignisse sachgerecht darstellen und die Vielfalt der Ansichten widerspiegeln.". Da die SRG gebührenfinanziert ist, ist sie nicht auf "Klicks" oder ähnliche Bewertungen angewiesen.