Alte Drohkulissen - neue Debatte
Herr Nationalrat Jon Pult warnt mit einer Schlagwortkaskade vor «Chaos» durch die 10-Millionen-Initiative. Solche Szenarien und Prognosen haben in der Schweiz eine Tradition - sie bewahrheiten sich zuverlässig nicht im Ansatz. Sie wurden bereits beim EWR, bei Schengen-Dublin und bei der Einführung der Personenfreizügigkeit bemüht.
Selbst Stimmen aus dem linken Lager kritisieren diese Art der Debatte als populistische Angstmacherei ohne konkrete Lösungen (Rudolf Strahm, NZZ, 7. April. 2026). Genau darin liegt das Problem: Es wird über mögliche Schockszenarien gesprochen – nicht aber über die realen Entwicklungen im Inland.
Denn die zentrale Frage lautet: Wie viel Wachstum ist für ein kleines Land langfristig tragbar?
Wachstum zeigt sich nicht nur im Bruttoinlandprodukt, sondern im Druck auf Wohnraum, Infrastruktur und Umwelt. Wenn der Wohlstand pro Kopf stagniert und die Belastungen steigen, stellt sich die Frage nach der Qualität dieses Wachstums.
Auch das Argument des Fachkräftemangels greift zu kurz. Wer Bedarf dauerhaft durch Zuwanderung deckt und gleichzeitig neue Nachfrage erzeugt, löst das Problem nicht – er verlängert es.
Nicht Migration ist das Problem – sondern Wachstum ohne Qualität und ohne Grenzen.
Die Initiative stellt eine legitime Frage: Wo liegen die Tragfähigkeitsgrenzen unseres Landes – und wie werden sie demokratisch gesichert?
Chaos entsteht nicht dadurch, dass man Grenzen diskutiert. Chaos entsteht dort, wo man sie ignoriert – und anstelle von Lösungen Schlagworte setzt – bis das System an seine eigenen Grenzen stösst.
Politik sollte nicht allein parteipolitisch und in Quartalen denken, sondern staatspolitisch in Generationen. Wer heute alles laufen lässt, entscheidet über die Lebensqualität und den Gestaltungsspielraum unserer Nachkommen.
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CHAOS ist Wohnungsnot und…
CHAOS ist Wohnungsnot und Verkehrsfluten.
NACHHALTIGKEIT ist das Schlagwort von Grünen/SP.
Ergo: Konsequenterweise müsste Jon Pult JA sagen zur SVP-Initiative 14. Juni 2026.
Zumal von allen anderen Parteien ich überhaupt keine Therapie für das Problem "Ewiges Wachstum" sehe, über das die Onkologie Bescheid wüsste.