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Das Kopftuch und die weibliche Selbstbestimmung

Jetzt haben wir es schwarz auf weiss: Wir Bündnerinnen und Bündner sind intolerante Hinterwäldler, weil wir muslimischen Frauen nicht erlauben, bei der Arbeit ein Kopftuch zu tragen. Zu diesem Schluss kommt zumindest, wer den Bericht und den Kommentar von Pierina Hassler zum Thema «Das Kopftuch in der Arbeitswelt» vom vergangenen Montag liest. Dabei hat die SP doch kürzlich an ihrer Delegiertenversammlung beschlossen, dass es sich beim Kopftuch um ein Symbol der weiblichen Selbstbestimmung handelt und dass die Partei sich dafür einsetzen wird, dass Lehrerinnen in der Schweiz Kopftuch tragen dürfen. Bereits bei der Abstimmung zum Burkaverbot vor fünf Jahren haben sich viele Genossinnen mächtig dafür ins Zeug gelegt, dass muslimische Frauen in der Schweiz vollverschleiert herumlaufen dürfen. Konsequent weitergedacht: Zeugt es nicht von mangelnder kultureller Sensibilität, wenn wir in der Schweiz minderjährigen muslimischen Frauen verbieten, einen 50jährigen Mann zu heiraten oder sich die Genitalien verstümmeln zu lassen?

Gut möglich, dass die beiden im Artikel beschriebenen Frauen das Kopftuch freiwillig und gerne tragen. Aber in patriarchalisch geprägten muslimischen Familien – und solche gibt es auch in der Schweiz – werden Frauen ihren Ehemännern kaum widersprechen, wenn sie aufgefordert werden, ein Kopftuch zu tragen. Zumal SP und Grüne einen parlamentarischen Vorstoss, der häusliche Gewalt als Ausschaffungsgrund definieren wollte, geschlossen abgelehnt haben. Und denken wir an die tausenden von iranischen Frauen, die im Kampf gegen das Kopftuch ihr Leben verloren haben oder dafür verhaftet, gefoltert und vergewaltigt wurden. Für sie müssen die Forderungen der SP wie blanker Hohn klingen.

Kurt Brändli
24.03.26 - 22:22 Uhr
Leserbrief
Ort:
Malans GR
Zum Artikel:
Das Kopftuch in der Arbeitswelt, Ausgabe GR, 23.03.2026
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Kopftuch während der Arbeit, spezielle Pronomen für non-binäre Personen, kulturelle Aneignung (Bravo! Jetzt gibt es keine Karl May-Festivals mehr, aber Lang Lang darf immer noch Beethoven spielen!), gendern... Weltweit führt Wokismus zur Stärkung der extremen Rechten. Wenn die Linken in der Schweiz sich weiterhin so verzetteln und keine Prioritäten setzen, der SVP eine Steilvorlage nach der anderen liefern, werden sie wie z.B. in Deutschland rapide an Einfluss rapide verlieren und Thema wie Klima und Inklusion werden zu Unwörtern.
Was den religiösen Extremismus betrifft, so höre man sich mal an, was der Kriegsminister der US von sich lässt und er ist nicht ein Einzelfall. Und wir haben Angst vor Muselmanen? Wenn man dann noch Waffen von diesem Schurkenstaat kauft, muss man schon ziemlich dämlich und prinzipienlos sein. Wie heisst es doch? Fool me once, shame on you; fool me twice, shame on me!

Klarstellung 1: Bei der Abstimmung zum Burkaverbot im Jahr 2021 unterstützte die SVP diese mit einem Ja. Ebenfalls dafür waren die EDU, während die EVP Stimmfreigabe beschloss. Gegen die Initiative stellten sich die FDP, die Grünen, die GLP und die SP.
Klarstellung 2: Die SP ist gegen Genitalverstümmelung, befürwortet eine harte strafrechtliche Verfolgung und setzt zusätzlich auf Prävention sowie den Schutz von Frauen und Mädchen.

Ich persönlich bin für ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum und befürworte eine klare Trennung von Kirche und Staat.