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Bundesgesetz Individualbesteuerung - moderne Gesellschaft

Individualbesteuerung – ein Gesetz für heute und morgen
Am Sonntag, 8. März, stimmen wir über das Bundesgesetz zur Individualbesteuerung ab, dieses verlangt, dass künftig alle erwachsenen Personen individuell und unabhängig vom Zivilstand besteuert werden. Ich werde diesem Gesetz überzeugt zustimmen.
Was im Rest von Europa selbstverständlich ist, führt hier zu heftigen Diskussionen. Mich stört dabei, dass dabei das Geld und nicht der Grundsatz im Zentrum steht. Wir kommen als Individuen zur Welt, wachsen als solche auf und gehen individuell durchs Leben, bis zum Zeitpunkt, zu welchem wir heiraten. Und wollen wir an einem Steuersystem aus der Nachkriegszeit festhalten, welches unsere Wirklichkeit längst nicht mehr abbildet? Im Vergleich zu damals gehen heute die meisten Schweizerinnen und Schweizer einer Erwerbsarbeit ausserhalb von Familienbetrieben nach, Frauenkarrieren sind selbstverständlicher, Familienformen diverser, die Scheidungsrate höher und wir leben in einer individualisierten - nicht zu verwechseln mit egoistischen – Gesellschaft.
Eine Diskussion um Franken führte ich letzthin mit einem Kollegen, der es als sehr ungerecht empfindet, dass ein Ehepaar, in welchem beide Partner je CHF 75'000 verdienen, künftig einige tausend Franken weniger Steuern bezahlen würde, als ein Paar, in welchem eine Person - meist der Mann - CHF 150'000 verdient und die Frau keinen Lohn hat. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass wenn das Einkommen des Paares in beiden Fällen dasselbe sei, auch die gleichen Steuern anfallen sollten.
Für mich zeigt das obige Beispiel zwei Pluspunkte der Individualbesteuerug: erstens, die Gerechtigkeit, dass jede Person versteuert, was sie verdient, ohne Heiratsstrafe und Zweitverdienerabzug. Und zweitens, dass mit einem Modell «Zweimal 75'000» der Anreiz steigt, dass beide Partner gleichwertig einer Erwerbsarbeit nachgehen, Weiterbildung und Karriere im Auge behalten, während der Berufs- und Ruhestandsphase finanziell gleichberechtigt und unabhängig(er) sind und weniger Frauen im Alter in der Armutsfalle sitzen (Stichworte Lohn- und Pension Gap). Gleichzeitig wird belohnt, wenn wir alle Kinder, Eltern und soziale Aufgaben betreuen, wenn Väter und Mütter ihre Kinder beim Aufwachsen begleiten und geniessen.
Das Bundesgesetz für Individualbesteuerung passt zu unserem heutigen Leben, zu einer modernen Gesellschaft, welche ich mir für meine Kinder und unsere Zukunft wünsche – deshalb mein überzeugtes Ja zur Individualbesteuerung.

Barbara Haller Rupf
27.02.26 - 10:35 Uhr
Leserbrief
Ort:
Felsberg
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