40 Millionen in Brambrüesch – Leistet sich Chur den teuersten Schildbürgerstreich der Alpen?
Am 8. März wird die Churer Stimmbevölkerung Zeuge eines ökonomischen Absurditätenkabinetts: Wir sollen über 40 Millionen Franken Steuergelder in ein Projekt investieren, das künftig im «Best Case» 150’000 Ersteintritte erzielen will.
Um die Dimension dieses Wahnsinns zu verstehen, hilft ein Blick in die Surselva: Dort erwarben die Gemeinden Flims-Laax-Falera kürzlich für rund 94 Millionen Franken die gesamte Transport-Infrastruktur der Weissen Arena Gruppe – inklusive Gastronomie. Die Weisse Arena Gruppe erzielt 1,1 Millionen Ersteintritte – zehnmal mehr als Brambrüesch heute. Und für dieses Volumen sollen wir Churer 40 Millionen Franken aufbringen für 30 Kilometer Skipiste und einige wenige Biketrails?
Man muss sich fragen, mit welcher Dreistigkeit unsere Amtsträger diese Vorlage überhaupt zur Abstimmung bringen. Die strategische Ausrichtung ist ein Offenbarungseid: 40 Millionen fliessen primär in den Bikesport – eine volatile Randsportart –, während der Wintersport auf dem Hausberg buchstäblich verhungert. Keinen müden Franken investiert man in die maroden Transportanlagen am Berg. Krönung des Ganzen: Die Strecke Chur–Känzeli, erst 2006 für Millionen saniert und noch 30 Jahre betriebsfähig, soll bereits wieder ersetzt werden. Hier stellt sich die fundamentale Vertrauensfrage: Wurde 2006 eine krasse Fehlinvestition getätigt, oder betreibt die heutige Politik mutwillige Kapitalvernichtung?
Ein Blick in den Geschäftsbericht 2024/25 der Bergbahnen Chur-Dreibündenstein AG entlarvt das Narrativ der Verantwortlichen endgültig. Trotz Klimawandel generiert der Winter pro Betriebstag noch immer deutlich mehr Ersteintritte als der Sommer (51’541 Eintritte bei 100 Betriebstagen im Winter gegenüber 55’116 Eintritten bei über 130 Betriebstagen im Sommer). Dass die Verantwortlichen dennoch einseitig auf den Sommer fokussieren, wirkt wie ein gezieltes Ablenkungsmanöver vom massiven Sanierungsstau am Berg. Welche fatalen Folgekosten hier für die Steuerzahler im Schatten lauern, wird geflissentlich verschwiegen.
Wer sich bereits 2019 so massiv bei den Kosten verschätzt hat, hat jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Wir stimmen hier nicht über die Zukunft unseres Berges ab, sondern über die Verlängerung einer strukturellen Insolvenz. Vernunft bedeutet: ein klares Nein zur Brambrüeschbahn am 8. März in die Urne zu legen.
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