Olympia ohne Werbung – was für eine Wohltat!
Die Werbung im Sport ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Ärgernis erster Güte geworden. Es ist beinahe normal geworden, dass SportlerInnen - wegen ihrer Abhängigkeit von Sponsoren - als wandelnde Reklamewände missbraucht werden. Das Menschlich-Sportliche, der faire Wettkampf und der Ort, wo dieses stattfindet, wird immer mehr von Business vereinnahmt. Sport-Austragungsorte, wo wir schon beinahe die SportlerInnen unter den zahllosen, blinkenden, oft überdimensionierten und sich über den ganzen Spielfeldrand hinweg bewegenden Reklamen suchen müssen, sind die Regel und nicht die Ausnahme. Menschen werden scheinbar immer unwichtiger, die maximale Manipulation, der Markt und Wettkampf um, das Buhlen um KonsumentInnen nimmt überhand. Was für eine bedenkliche, entwürdigende Entwicklung!
Darum ist es umso aussergewöhnlicher und auffälliger, wenn die Olympiade in Mailand-Cortina vor Ort oder bei stundenlangen Live-Übertragungen bzw. Aufzeichnungen ohne jegliche Fremd-Reklame - abgesehen von den Reklame-Unterbrüchen - und beim Interview mit den AthletInnen ohne die Peinlichkeit einer krampfhaft in einer Hand gehaltene Getränkebüchse möglich ist. Leider werden solche Veranstaltungen - wie zum Beispiel auch noch beim Schwingsport- immer seltener, da offensichtlich die Einflussnahme der Sponsoren immer grösser und immer schamloser wird.
Solche Anlässe werden aber vielleicht dadurch auch immer auffälliger, wir können eine gewisse „Reinheit“ in der sich würdig zur Geltung kommenden SportlerInnen-Persönlichkeit oder die Einfachheit von Nationalfarben und -emblemen und schöne, nicht-verunzierten Dresses wahrnehmen und geniessen.
In meinen Augen ist diese Entwicklung Ausdruck einer gesellschaftlichen Degeneration in Richtung einer würdefreien Vereinnahmung von SpitzensportlerInnen, darunter auch WeltmeisterInnen (!) – ein Ärgernis erster Güte - oder auch ein Aufruf uns zu besinnen, was wir wirklich wichtig finden und wollen. Es wäre auch gut, wenn sich WeltmeisterInnen und OlympiasiegerInnen mit ihren Charakterstärken sich diesem unwürdigen Treiben bewusst und differenziert, öffentlich entgegenstellen.
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