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Brambrüeschbahn: Ein Cocktail der Unsicherheiten

Chur stehet am 8. März vor einer absurden Abstimmung: 40 Millionen Franken für eine Brambrüeschbahn, die noch vor Baubeginn aus der Zeit fällt.
Klimaexperten sind sich einig: Die Schneefallgrenze steigt. Der aktuelle Winter zeigt die Folgen deutlich: Exakt 18  Zentimeter – so niedrig war die Schneehöhe am Montag auf 1770  Metern über Meer in Graubünden. In 72  Messjahren gab es nur einen Winter mit weniger Schnee, wie man in der "Südostschweiz" nachlesen kann. Brambreüsch, 1600 Meter über Meer, liegt damit ausserhalb der Komfortzone und das macht sich bemerkbar. Die Wintersaision 2025/26 konnte erst Mitte Januar eröffnet werden. Die Saison 2023 musste verlustreich frühzeitig beendet werden. Rückblickend auf die letzten 20 Jahre kein Einzelfall: Auf Brambrüesch ist Schneemangel kein Betriebsrisiko mehr – er ist Realität.

Besonders aufschlussreich für alle Churerinnen un Churer ist ein Blick auf die Bedingungen der städtischen Abstimmung von 2019. Damals wurde die Unterstützung der Brambrüeschbahn an die klare Auflage geknüpft, zwei Millionen Franken privates Eigenkapital zu beschaffen. Heute, rund sieben Jahre später, bleibt diese Vorgabe unerfüllt. Private Investoren machen einen grossen Bogen um das Projekt – sei es bei der Bahn, am Berg oder beim Panoramarestaurant in Fülian. Wenn selbst der Markt die Finger von dieser neuen Bergbahn lässt, ist die Antwort klar: Niemand investiert freiwillig in ein sinkendes Schiff.
Zynisch bleibt die kommende Kredit-Volksabstimmung auch im politischen Kontext: Während für 1600 städtische Mitarbeitende aus Spargründen der Teuerungsausgleich für 2026 gestrichen wird, winkt die Politik dieses unnütze Hochrisikoprojekt durch, das auf Nostalgie statt Nachhaltigkeit setzt. Die Konsequenzen für Chur sind absehbar: Während am Berg Steuergelder verbrannt werden, fehlen bei zentralen städtischen Projekten im Bereich Bildung, Sport und Kultur die Mittel. Kann das die Zukunft von Chur sein?
Am 8. März geht es in Chur nicht um eine Seilbahn, sondern um Prioritäten. 40 Millionen Franken fliessen in ein Projekt mit veralteter Infrastruktur am Berg, fehlenden Investoren, ohne Berücksichtigung des Klimawandels. Profitieren wird von dieser Bahn einzig einige vermögende Ferienhausbesitzer, die ihre Steuern und touristischen Abgaben in Richtung Lenzerheide berappen. Während dringend notwendige städtische Investitionen auf Jahre blockiert werden, setzt die Politik ein klares Zeichen: Nostalgie und Spekulation zählen mehr.

Paul Müller
06.02.26 - 14:07 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
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