Barbezahlung im Postauto
Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass ich als 26-Jährige offenbar mehr Toleranz und Verständnis für ältere Menschen sowie für Menschen mit Beeinträchtigungen aufbringe als Sie, Frau Hassler. Sie argumentieren mit schnelleren Abläufen, mehr Sicherheit für das Personal und Kosteneffizienz – nehmen dabei jedoch in Kauf, dass bestimmten Menschen die selbstständige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erschwert oder faktisch verunmöglicht wird.
Der Verweis auf Schulungen oder darauf, sich „lieb gewordene Gewohnheiten abzugewöhnen“, wirkt meines Erachtens vor allem eines: zynisch. In meinem Umfeld zeigt sich deutlich, dass es für manche Menschen schlicht nicht möglich ist, die neuen Bezahlsysteme zu nutzen – unabhängig von allfälligen Schulungen oder gutem Willen. Diese Realität zu ignorieren, zeugt nicht von Fortschritt, sondern von mangelnder Sensibilität für die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen.
In unserer Gesellschaft sollte es selbstverständlich sein, dass alle Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Die Möglichkeit, sich selbstbestimmt von A nach B zu bewegen, ist für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil von Würde und gesellschaftlicher Teilhabe – insbesondere für ältere oder beeinträchtigte Menschen.
Wollen wir somit von echtem Fortschritt sprechen, sollten wir sicherstellen, dass der Fortschritt niemanden zurücklässt.
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