Ein Fünfergremium im Stadtrat in Chur?
Ich finde die Argumente für ein Fünfergremium im Stadtrat nicht überzeugend.
Da sollen die vier Gemeinden, die mit Chur fusioniert und zusammen bloss 2000 Einwohner haben, eine Stimme im Stadtrat erhalten, wo doch ein Grossteil der Churer Stadtbevölkerung im sowohl Stadt- als auch Gemeinderat chronisch untervertreten ist; mit Ausnahme von drei Gemeinderäten wohnen nämlich alle Mitglieder der Stadtregierung in ein paar wenigen Quartieren oberhalb der Bahnlinie. Wie da ein Fünfergremium die Gesellschaft in ihrer Breite besser abbilden und die Bevölkerung stärker in der Regierung vertreten sein würde, ist mir schleierhaft, da Chur ja nicht in Wahlbezirke aufgeteilt ist.
Mit einem Fünfergremium soll mehr Vielfalt und Expertise zusammenkommen und die interne Mehrheitsbildung dadurch dynamischer und fakten-, expertisebasierter werden. Seit wann spielt Fachkenntnis bei der Wahl eine Rolle? Man weiss oft ja nicht mal zum Voraus, welches Department jemand erhalten wird. Das nötige technische Wissen bringen die Vorsteher und Mitarbeiter der verschiedenen Ämter. Da ist es natürlich nicht hilfreich, wenn man diese durch Mikromanagement vergrault und Schlüsselpersonen davonlaufen.
Mit einem Fünfergremium bestünde die Möglichkeit der Einbindung mehrerer politischer Parteien. Stimmt! Das heisst aber auch, dass im Stadtrat immer eine bürgerliche Mehrheit herrschen würde.
Da soll die Arbeitsbelastung in einem politischen Amt auch mit einer Familie im Rücken bewältigbar sein. Ein solches Amt ist nun mal kein 9-5 Job! Ein 80-Prozent-Pensum, um Kosten zu sparen, ergibt deshalb auch keinen Sinn. Die Churer Exekutive soll dadurch für Frauen attraktiver werden. Aber vielleicht könnte auch der Ehemann nur 80% arbeiten.
Das Stellvertretersystem war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil kein Gemeinderat die nötige Zeit hat. Vorsteher von Ämtern, die z.T. viel mehr Erfahrung haben als die Stadträte, wären dafür geeigneter.
Nachdem das Volk 2016 den Lohn gedeckelt hat, genehmigte sich der Stadtrat eine Erhöhung von 10%, weil durch die Gebietsreform Mehraufgaben entstanden seien. Dann wäre es nur logisch, dass wenn man den Stadtrat aufstockt, die Gehälter reduziert werden. Und dann sind da noch die Ruhegehälter, auf die ein Stadtratsmitglied bis zu seinem 65/64 Lebensjahr Anspruch hat…
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