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Vier Jahre nach dem Bergsturz in Bondo

Heute Montag vor vier Jahren ist es in Bondo im Bergell zu einem tragischen Ereignis gekommen. Grosse Felsmassen stürzten ins Tal und das Dorf wurde teilweise mitgerissen. 

Südostschweiz
23.08.21 - 04:30 Uhr
Ereignisse
Ein Geröllfeld bedeckt die Val Bondasca nach einem Bergsturz am Piz Cengalo im Bergell, ein Jahr nach dem Unglück.
Ein Geröllfeld bedeckt die Val Bondasca nach einem Bergsturz am Piz Cengalo im Bergell, ein Jahr nach dem Unglück.
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Am 23. August vor vier Jahren wurde das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Bregaglia komplett auf den Kopf gestellt. An jenem Mittwoch donnerten oberhalb des idyllischen Bergdorfs Bondo über 3 Millionen Kubikmeter Felsmaterial, das ist etwa das Volumen von 3000 Einfamilienhäusern, vom Piz Cengalo ins Val Bondasca.

Daraufhin folgte ein verheerender Murgang. Mehrere Hunderttausend Kubikmeter Bergsturzmaterial flossen bis ins Dorf und füllten dort das Rückhaltebecken. Dieses konnte das Volumen nicht fassen und ist übergelaufen. Seit dem Bergsturz werden acht Bergwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vermisst. Sie gelten als tot.

Beklemmende Bilder 

Christian Gartmann war zu dieser Zeit verantwortlich für die Kommunaktion. Der Mediensprecher erinnert sich im Interview mit TV Südostschweiz an den Unglückstag zurück. «Ich war zurzeit des Bergsturzes in meinem Büro in St. Moritz. Auf Nachrichtenplattformen habe ich dann von dem Ereignis gelesen. Ziemlich schnell haben mich dann auch Informationen und Bilder erreicht, die beschädigte Häuser zeigten.» Für ihn seien die Bilder ziemlich beklemmend gewesen. 

Gartmann wurde zum Krisenkommunikator einberufen und reiste nach Bondo. Seinen ersten Eindruck setzt er heute noch in Verbindung mit der damaligen Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. «Mein Büro habe ich an ihrem Besprechungstisch eingerichtet. Sie hat sehr zielgerichtet gearbeitet. Nach einer Viertelstunde Einarbeitungszeit gab es einen ersten Rapport, bei welchem ich dann den Leiter des Kantonalen Führungsstabs Graubünden, Martin Bühler, kennenlernte.» Gartmann findet, dass das Duo Bühler und Giacometti sehr gut durch die Krisenorganisation geführt habe.

Die beiden hätten auch viel Freiraum für kreative Ideen gelassen. Gemäss Gartmann sei das auch nötig gewesen. «Es sind viele Probleme auf uns zugekommen, man musste kreativ sein und Lösungen suchen.» Damit meint der Krisenkommunikator beispielsweise Ideen, die gesucht wurden, um die Bevölkerung, die evakuiert werden musste, zu erreichen. «Manche Personen hatten kein Handy oder Portemonnaie dabei. Wir mussten überlegen, wie wir sie erreichen und informieren.» Weitere Aufgaben waren, den Abtransport des Bergsturzmaterials und die Errichtung einer Deponie zu organisieren. «Es gab jeden Tag neue Situationen und so sind wir Schritt für Schritt vorwärtsgegangen.»

Rückkehr nach Bondo

Innert wenigen Wochen konnte laut Gartmann die Situation normalisiert werden. Mitte Oktober wurde das Dörfchen dann wieder geöffnet. Für Gartmann immer noch ein sehr schönes Erlebnis. «Die Gesichter der Personen waren einfach nur noch glücklich. Alle sind sich um den Hals gefallen und haben sich gefreut, wieder in das Dorf zurückzukehren», erinnert sich Gartmann. 

Der Krisenkommunikator von damals verfolgt auch heute noch, vier Jahre nach dem Unglück, was in Bondo passiert. «Natürlich lässt einem das nicht kalt. Ich verfolge über die Medien die Geschehnisse und stehe teilweise noch im direkten Kontakt mit der Gemeinde und mit Giacometti.» Hin und wieder mache er bei der Durchfahrt auch Halt in Bondo und bekomme so bei einem Kaffee im Dorf die wichtigsten Neuigkeiten mit. «Es war eine sehr schwierige Zeit für jede und jeden Involvierten, das vergisst keiner so schnell.»

Angst um Bondo, beziehungsweise dass sich das Ereignis am Piz Cengalo nochmals wiederholt, hat Gartmann nicht. «Generell muss man in Bezug auf das Klima davon ausgehen, dass es mehr Extremwetterereignisse gibt.» Man habe im Bondo aber verschiedene Schutzmassnahmen ergriffen, wie den Bau von Schutzanlagen. Zudem werde die Kantons- und Zufahrtstrasse bei Bondo angehoben. Dies, damit bei einem allfälligen Steinschlag mehr Platz bestehe und das Material unten durchgeschwemmt werde. «Sodass Bondo eigentlich nicht mehr gefährdet sein sollte», führt Gartmann aus.

Der Berg wird ausserdem ähnlich, wie es in Brienz der Fall ist, permanent mit Warnsystemen überwacht. «Ich denke, das gibt den Bewohnenden eine gewisse Sicherheit und Ruhe, sodass Bondo ruhig schlafen kann», betont der ehemalige Krisenkommunikator von Bondo abschliessend.

Was ist wann passiert und wer sagte was? Wir lassen mit Euch den schicksalhaften Tag in Form der damaligen Berichterstattung Revue passieren:

Die ersten Berichte über das Unglück: 

Schnell wurde klar, dass mehrere Personen vermisst werden:

Die Lage blieb nach dem Bergsturz lange unübersichtlich: 

Das Unglück in Bergell bewegte Menschen weltweit:

Langsam «normalisierte» sich das Leben in Bondo wieder:

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