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«Direkt uffa!» oder gar nicht

Dass die Brambrüeschbahn den Churerinnen und Churern am Herzen liegt, ist unbestritten. Aber wollen sie auch für 24 Millionen Franken die noch junge aktuelle Bahn abreissen und durch eine neue ersetzen? Das Ja-Komitee ist davon überzeugt.

Oliver
Fischer
Freitag, 12. April 2019, 11:27 Uhr Neue Brambrüeschbahn

Die neue Brambrüeschbahn ist alternativlos. «Entweder ist man für Brambrüesch, oder man ist dagegen», das sagt Reto Küng, Verwaltungsrat der Bergbahn Chur Dreibündenstein AG. Die Abstimmungskampagne «Direkt uffa! ... weil wir unseren Hausberg für Chur erhalten wollen!» soll laut und sichtbar sein und die Churerinnen und Churer überzeugen, weiterhin «Ja» zu sagen, zu ihrem Hausberg.

Die Brambrüeschbahn ist für die Churer Bevölkerung zwar eine Herzensangelegenheit, aber auch eine, die ins Geld geht. Die Stadt muss Jahr für Jahr Geld einschiessen und ohne ein 7,5-Millionen-Darlehen von Thomas Domenig wäre die heute betriebene Bahn vor zwölf Jahren wohl gar nicht erst gebaut worden. Von Domenig kam darum zuletzt auch die lauteste Kritik am neuen Projekt. Eine «Bergbahn ins Niemandsland» nannte er das Projekt, weil es in Brambrüesch ja gar kein genügendes touristisches Angebot gebe, zu dem es die Menschen ziehen könnte.

Von solchen Aussagen lässt sich der Verwaltungsrat der BCD aber nicht beirren. Dabei würden Kritiker immer nur an klassische Infrastrukturen, sprich Gondel- und Sessellifte danken. «Wir sind aber eine Ganzjahresdestination und da braucht und gibt es ganz viele weitere Angebote und Infrastrukturen», betont die BCD.

15 Köpfe für die neue Bahn

Am Donnerstagmorgen haben die Bergbahnen ihre Kampagne vorgestellt und den Abstimmungskampf für den 19. Mai lanciert: Die Bergbahn steht in ihrem Begehren alles andere als alleine da. Nicht weniger als 15 bekannte Churer Persönlichkeiten stellen sich hin und sagen «Ja» zu einer neuen Brambrüeschbahn. Darunter sind etwa Musiker und Gastronom Simri Buchli, zahlreiche Churer Gemeinde- und Grossräte von SP bis FDP oder Chur-Tourismus-Direktorin Leonie Liesch.

Dass der Abstimmungsausgang alles andere als klar sein dürfte, zeigt allein schon den Titel, den der BCD-Verwaltungsrat über das Fazit der Pressekonferenz setzte: «Schicksalsabstimmung». Damit ist auch gleich klar, es geht für die BCD um sehr viel. «Wer nichts wagt, der nichts gewinnt», sagt Leibundgut als er die 15 Köpfe hinter dem Unterstützungskomitee vorstellt. Das sei die Gemeinsamkeit, die all diese Persönlichkeiten verbinde.

Nichts kostet nur keine Bahn

Ja, die Brambrüeschbahn kostet. Pro Jahr eine gute Million – und das letztlich ganz egal, welche Bahn von Chur nach Brambrüesch fährt. «Keine Million zahlt man nur, wenn man gar nicht nach Brambrüesch fährt», sagt Leibundgut. Wenn man also schon eine Millionen Franken pro Jahr ausgibt, dann doch für die bestmögliche Variante. Und diese bestmögliche Variante ist aus Sicht des Verwaltungsrats ganz klar, die nun zur Abstimmung stehende neue Direktverbindung von Chur über eine Mittelstation Fülian nach Brambrüesch.

Die Bahn ermögliche eine viel bessere touristische Nutzung auf dem Berg und das im Winter und im Sommer, erklären die BCD. Durch die bessere Erschliessung werde das Gebiet zudem attraktiver für Investoren und neue Ideen und Projekte. Das gelte ausserdem auch ganz besonders in der Stadt Chur auf dem Areal der heutigen Stadthalle, die früher oder später in die Obere Au ziehen werde. «Durch den Wegzug der Stadthalle und mit der Verschiebung der Talstation für die neue Bahn, wird auf dem Areal Stadthalle eine uneingeschränkte Nutzung möglich», sagt Verwaltungsrat Thomas Mettler.

Plan B existiert (nicht)

«Es ist eine Schicksalsabstimmung» – Das betont Reto Küng abschliessend noch einmal. Denn: es gibt zwar in der Theorie einen Plan B – den Ersatz der oberen Bahn – aber sowohl der Chur Stadtrat, der Gemeinderat und der Verwaltungsrat der BCD haben sich bereits gegen diesen Plan ausgesprochen. Die Begründung für die ablehnende Haltung: die Kosten wären genau gleich, das Entwicklungspotenzial am Berg gering und das Stadthalle Areal könnte nur eingeschränkt neu genutzt werden. Die Konsequenz wäre der Abbruch der Anlage und das Ende der Brambrüeschbahn.

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Uncoolheit und Unverschämtness.
SO schreibt:
"Die neue Brambrüeschbahn ist alternativlos. «Entweder ist man für Brambrüesch, oder man ist dagegen», das sagt Reto Küng"
Ich schreibe:
Ich bin gegen Reto Küng (seit Jahren).
Und ich bin gegen unsere "Alternativlose Gesellschaft".
Dass jetzt sogar gedroht wird "Entweder Megaprojekt oder gar keine Brambrüeschbahn", haut einem den Nuggi endgültig raus.
Behauptungen wie:
"die Kosten wären genau gleich", sprich: der Giganto-Neubau kostet gleichviel wie der Ersatz der kleinen herzigen Sesselbahn von Känzeli nach Brambrüesch, sehe ich als unglaubhafte, unglaubwürdige und unglaubliche Verhohnepiepelung.
Offenbar geht es nur darum, das Stadthallenareal maximal für Grossbauprojekte Profit-vermarkten zu können durch das Wegschieben der Talstation, darin könnte man den eigentlichen Grund sehen.
Und dass die Chur-Tourismus-Direkteuse Leonie Liesch im Pro-Komitee hockt, macht es für mich erst recht nicht sympathisch:
https://www.suedostschweiz.ch/polizeimeldungen/2019-03-24/getunte-toeff…