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GRF-CEO: «Neubuchungen stagnieren für den Rest der Saison»

Martin Vincenz, CEO von Graubünden Ferien, stellt fest, dass sich viele Touristiker trotz der schwierigen Situation wegen des Coronavirus pragmatisch geben. Trotzdem werden die Sorgenfalten in der Tourismusbranche grösser.

Patrick
Kuoni
Mittwoch, 04. März 2020, 10:57 Uhr Coronavirus
Neujahrsapéro von Graubünden Ferien, Marsöl
Graubünden-Ferien-CEO Martin Vincenz attestiert den Bündner Touristikern Pragmatismus.
PHILIPP BAER

Wie stark leidet der Tourismus unter den Folgen des Coronavirus (und vor allem den Massnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden)?

Martin Vincenz: Die weitere Verbreitung des Coronavirus hat direkte Auswirkungen auf den Tourismus. Zum einen hat der Verzicht auf Grossveranstaltungen Einfluss auf die touristische Wertschöpfung. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass weniger Reisen unternommen werden. Wir verfolgen die Situation genau und stehen mit Schweiz Tourismus sowie unseren Destinationen in Kontakt. Schweiz Tourismus rechnet für dieses Jahr bereits mit einem Rückgang der Logiernächte um zwei Prozent. In den Monaten Februar und März 2020 ist bestimmt mit Einbussen im Vergleich zum Vorjahr auch in Graubünden zu rechnen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage wieder bald entspannt und auf den Sommer hin Normalität einkehrt. Individuell kann das Tourismusangebot weiterhin genutzt werden, die Bedingungen sind bestens. Es bestehen keine Reisebeschränkungen in Graubünden. Wie man gut auf die Situation reagieren kann, zeigt beispielsweise Engadin St. Moritz mit seinen 42 Tipps auf den 42 Kilometern von Maloja bis S-chanf anstelle des Ski Marathons.

Sind die strikten Massnahmen für Graubünden Ferien verständlich?

Aufgrund der aktuellen Situation und der Ausbreitung des Coronavirus stuft der Bundesrat die Situation in der Schweiz als besondere Lage gemäss Epidemiengesetz ein. Bei den Absagen von Grossveranstaltungen geht es darum, grössere Ansammlungen von Menschen wegen der Übertragungsgefahr zu vermeiden. Dies ist nachvollziehbar. Je komplizierter und vielfältiger die Weisungen sind, desto eher wird das Reiseerlebnis für Gäste erschwert.

Was für eine Stimmung ist unter den Touristikern spürbar?

Ungewissheit, Zurückhaltung und Anspannung auf der einen Seite, aber auch Gelassenheit, Optimismus und Normalität auf der anderen Seite. Von Wut, Enttäuschung oder Verzweiflung spricht unter den Touristikern niemand. Die Touristiker gehen bisher sehr pragmatisch mit dem Thema um. Die Branche ist sich Ausnahmesituationen gewohnt. Vereinzelt herrscht in den Destinationen auch Unverständnis gegenüber den Anordnungen. Absagen von Skirennen im Freien machen beispielsweise keinen Sinn. Nach aussen hin sind die Destinationen jedoch stets darauf bedacht, Leistungspartner und Gäste aus erster Hand und möglichst rasch von den Weisungen von Bund und Kanton zu informieren.

Wie ist das Gästeverhalten aktuell?

Bei den Gästen aus der Schweiz ist die Stimmung nach wie vor sehr gut. Es ist zwar eine gewisse Sensibilität gegenüber dem Thema Coronavirus spürbar, viele nehmen die Tatsache aber mit Humor und machen sich keine grossen Sorgen. Was aber gesagt werden kann, ist, dass die Gäste aus dem Ausland im Vergleich «unruhiger» sind und auch Stornierungen erfolgen. Die meisten Stornierungen haben jedoch mit Absagen von Veranstaltungen zu tun – vor allem von Firmenevents. Weitere Absagen in naher Zukunft würden in den Destinationen natürlich sehr bedauert werden.

Welche Regionen leiden besonders unter den Folgen des Coronavirus?

Je nachdem wie viele Anlässe (darunter fallen auch Kongresse und Firmenevents) eine Region geplant hatte und entsprechend absagen musste. Regionen mit hohem internationalen Geschäftsanteil haben zudem weitere Einbussen. In Chur beispielsweise gehen 55 Prozent der Logiernächte auf Businessgäste zurück. Auch in der Destination Flims Laax Falera beispielsweise ist am stärksten der Geschäftsbeziehungs-Bereich betroffen: Firmenveranstaltungen werden dort derzeit grösstenteils verschoben oder komplett abgesagt. Individuell Reisende sind noch zurückhaltender mit Stornierungen, allerdings stagnieren die Neubuchungen für den Rest der Saison.

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Ja, die Globalisierung hat nicht nur Vorteile und bringt Wachstum, sondern auch das Gegenteil. Eben, "die Bäume wachsen nicht in den Himmel". Das sollen die ewiggestrigen "Wachstumsfetischisten" zur Kenntnis nehmen. Aber das Jammern auf hohen Niveau gehört natürlich zum Geschäft und der Druck wird zur Weiterführung der Gewinnmaximierung auf die MitarbeiterInnen abgewälzt