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Mit Algorithmen den Schwarzfahrern auf der Spur

Mit der ÖV-App «Fairtiq» können innert kürzester Zeit gültige Tickets für den gesamten öffentlichen Verkehr gelöst werden. Um Schwarzfahrern auf die Schliche zu kommen, setzt Fairtiq auf Algorithmen, die Betrugsmuster erkennen.

Bernhard
Aebersold
Donnerstag, 01. August 2019, 04:30 Uhr Ohne Ticket in den Bus?
Kein Münz dabei? Kein Problem! Mit der Fairtiq-App kann das Ticket bequem mit dem Smartphone gekauft werden.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Ein Klick auf die App, ein Swipe nach rechts und man hat ein gültiges Ticket für den gesamten Schweizer öffentlichen Verkehr auf dem Smartphone. Mit der kostenlosen «Fairtiq»-App können Fahrgäste in Sekundenschnelle ein gültiges Billet lösen. Mit dem «Fingerwisch» nach rechts wird ab der aktuellen Position ein gültiges Ticket gelöst und an der Zielhaltestelle reicht ein erneuter Swipe nach links, um die Reise zu beenden. Danach berechnet die App anhand der Ortung den günstigst möglichen Ticketpreis für die soeben zurückgelegte Strecke und bucht den Betrag vom hinterlegten Zahlungsmittel ab. Einen schnelleren und unkomplizierteren Weg in der Schweiz ein Fahrticket zu lösen, gibt es kaum. 

GA für Schwarzfahrer?

Diese Schnelligkeit im Kaufprozess hat unter Umständen aber auch seine Schattenseiten. Schwarzfahrer könnten mit dem Lösen eines Tickets zuwarten, bis ein Kontrolleur in den Bus einsteigt und erst in diesem Moment ein Ticket lösen. In Anbetracht dessen, dass in der Schweiz lediglich zwei bis drei Prozent aller ÖV-Fahrten kontrolliert werden, klingt das nach einer lukrativen Mobilitätslösung.

«Da die Zeit der Entwertung beim Aktivieren der App festgehalten wird, kann dieses Problem in Schach gehalten werden», sagt Fairtiq-Mediensprecher Andrin Huber gegenüber «suedostschweiz.ch». Zusätzlich sehe der Kontrolleur auch, wer an der Bushaltestelle zusteige. Er könne mit dem Abgleich der Entwertungszeit feststellen, wer soeben ein Ticket gelöst habe. «Die Kontrolleure sind auf solche Schlaumeiereien geschult und stellen in diesen Fällen eine Busse aus», ergänzt Huber.

Kontrolle ohne Kontrolleur

Im Kampf gegen Schwarzfahrer geht Fairtiq gar noch einen Schritt weiter. Mittels Algorithmen wird das Verhalten der App-Nutzer analysiert und geprüft, ob es auf einen Missbrauch hinweist. «Während bei herkömmlichen Kontrollen nur die üblichen zwei bis drei Prozent aller Fahrten kontrolliert werden, wird bei uns grundsätzlich jede Fahrt kontrolliert», sagt Andrin Huber, Mediensprecher von Fairtiq.

Ein Beispiel: Ich fahre von A nach C und löse vor der Abfahrt mit Fairtiq ein gültiges Ticket. Bereits beim Passieren der Haltestelle B rechne ich nicht mehr damit, kontrolliert zu werden und stoppe die Fahrt bei Haltestelle B. Ich bezahle in der Folge den Preis von A nach B, fahre aber tatsächlich schwarz bis zur Haltestelle C. Durch den Ortungsdienst und das Maschinenlernen erkennt das System nun, dass ich ein missbräuchliches Verhalten an den Tag lege. «Wenn wir ein solches Verhalten feststellen, wird der Nutzer im Wiederholungsfall von der App gesperrt», sagt Andrin Huber von Fairtiq.

Von den rund 70'000 aktiven Nutzern sei dies bei «ein paar wenig Dutzend» bereits der Fall. 

Keine Probleme in Graubünden

Bei der RhB stellt das Schwarzfahren (ob mit oder ohne Fairtiq) kein grosses Problem dar, auch weil viele Touristenzüge ohnehin reservationspflichtig seien und nur ganz wenige Fahrgäste schwarzfahren. Auch bei Chur Bus funktionieren die Kontrollen von Fairtiq-Nutzern mittels der Entwertungszeit problemlos. «Das frühzeitige Beenden einer Busfahrt lohnt sich in Chur ohnehin nicht, da auf dem Stadtnetz meist derselbe Preis verrechnet wird», sagt Andrea Wuchner, Mediensprecherin von Chur Bus.

Ob man sein Ticket mit oder ohne Fairtiq löst, ist grundsätzlich egal. Dass man eines hat, ist entscheidender und auf jeden Fall auch stress- und sorgenfreier. (bae)

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