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Wahlkampf aus dem Glashaus

Unweit des Festivalgeländes des Open Airs Lumnezia wurde ein Wahlplakat der Verda Graubünden zerstört. Die Grünen verurteilen die «demokratiefeindliche Aktion» und appellieren an einen fairen Wahlkampf. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Bernhard
Aebersold
Dienstag, 30. Juli 2019, 04:30 Uhr Verda-Plakat verunstaltet

«Man kann von einer Botschaft halten, was man will, aber die mutwillige Zerstörung eines Banners geht zu weit», sagt der Sekretär der Verda - Grüne Graubünden, Nicolas Zogg gegenüber «suedostschweiz.ch». In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde ein Banner der Grünen mit dem Slogan «Mazzetta statt Martullo» unweit des Festivalgeländes des Open Airs Lumnezia in seine Einzelteile zerlegt.

Wer hinter der Aktion steckt, weiss Zogg nicht. Dass es sich lediglich um einige angeheiterte Halbstarke handelt, glaubt er aber nicht. «Auch ein Betrunkener braucht ein Motiv, um einen Banner derart zu zerstören. Nur weil jemandem die Botschaft nicht passe, legitimiert dies noch lange nicht, ein solch undemokratisches Verhalten an den Tag zu legen», resümiert Zogg und fordert einen offenen und fairen Wahlkampf.

Aus dem Glashaus...

Ein Blick zurück ins Archiv von «suedostschweiz.ch» offenbart allerdings, dass gerade die Grünen in Graubünden einen – sagen wir mal – zwiespältigen Umgang mit Wahlplakaten anderer Parteien pflegte:

Mit Klebern verunstaltete die Verda in vergangenen Wahlkämpfen die Sujets anderer Parteien. Man «stehe voll und ganz hinter der Aktion», hiess es damals vonseiten der Verda. Der heutige Sekretär der Verda, Nicolas Zogg, engagierte sich damals noch nicht bei der Partei. Aus heutiger Sicht beurteilt er die damalige Aktion aber als «nicht okay». «Die mutwillige Verunstaltung und Beschädigung geht zu weit. Es gibt einen Graubereich, wo man mit anderen Plakaten spielen kann, aber eigentlich ist es ein No-Go», sagt Zogg.

In einer funktionierenden Demokratie muss es möglich sein, seine politische Meinung innerhalb der bestehenden rechtlichen Schranken kund zu tun. Dazu gehören auch Wahlplakate. Deren Zerstörung war und ist nicht okay, egal welche Partei betroffen ist. (bae)

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Nach wie vor ist das Demokratieverständnis gegenüber anders Denkenden oder wie in diesem Fall gegenüber einer Partei die mit ihren inzwischen unbestrittenen Argumenten für das Klima kämpft in Graubünden klein. Die Behauptung, das sich die Verda und deren Verantwortliche an der eigenen Nase nehmen müssen, weil sie selber Plakate von Rechtsparteien verunstaltet haben, ist eine böse Unterstellung. Nein gerade Sympathisanten der Rechtsparteien beschädigen oder reissen Plakate, die berechtigte, demokratische Anliegen beinhalten, ab, wie z.B. der Abstimmung der Initiative zur Sonderjagd oder Olympia - Nein.