×

Samnaun als Sorgenkind

Das Sturmtief «Burglind» sorgt für erhöhte Lawinengefahr, Murgänge und infolgedessen zu Strassensperrungen und Blockaden. Dadurch sind mehrere Schweizer Orte nicht erreichbar - betroffen sind auch Bündner Orte.

Victoria
Sutter
05.01.18 - 15:43 Uhr
Ereignisse
Das Sturmtief Burglind sorgt für Lawinengefahr: Mehrere Schweizer Orte sind deshalb aktuell von der Aussenwelt abgeschnitten - auch in Graubünden.
Das Sturmtief Burglind sorgt für Lawinengefahr: Mehrere Schweizer Orte sind deshalb aktuell von der Aussenwelt abgeschnitten - auch in Graubünden.
CÉDRIC BRÜHWILER
Die grosse Lawinengefahr und der Regen führen dazu, das heute viele Strassen gesperrt oder blockiert sind.
 
In Graubünden ist Safien nicht erreichbar, die Engadinerstrasse von Martina bis zur Landesgrenze, die Ofenbergstrasse zwischen Zernez und Tschierv sind geschlossen. Der Zugang ins Oberengadin zwischen Brail und Zernez ist unterbrochen. Das Münstertal sowie Samnaun sind von der Schweizer Seite her nicht erreichbar. 
Der Zugang nach St. Antönien hingegen ist mittlerweile wieder frei.
 
«Es herrscht noch grosse Lawinengefahr»
 
Christine Pielmeier vom Institut für Schnee- und Lawinenforschungs SLF erzählt, dass es in der vergangenen Nacht noch einige spontane Lawinen gegeben hat. Auch wenn die Spitze dieser spontanen Lawinenaktivität nun wohl vorbei sei, bleibe die Situation nach wie vor kritisch.
 
Daher sei es auch für Schneesportler gefährlich: Weitere Lawinen sind möglich, zudem könnten die Sportler selber Lawinen auslösen. In den Glarner und Bündner Bergen herrsche noch grosse Lawinengefahr.
 
Aufs Wochenende sollte sich die Lage beruhigen, dennoch ist Vorsicht geboten, wenn Schneesport ausgeübt wird.
 
Im Interview mit RSO-Moderator Dario Linder erklärt Pielmeier, wo die Gefahrenstellen für Lawinen derzeit liegen.

Übersicht der Strassensperrungen:

Die meisten Strassen wurden bereits am Donnerstag im Verlauf des Tages gesperrt, wie beispielsweise die Strecke nach Samnaun oder der Ofenpass.

Gewisse Strassen im Unterengadin, der Abschnitt zwischen Sils und Maloja sowie diverse Strassen rund um Disentis - insbesondere der Streckenabschnitt von Disentis bis Sumvitg - wurden am Donnerstagabend ebenfalls gesperrt. Das erklärt Roman Rüegg von der Bündner Kantonspolizei gegenüber «Radio Südostschweiz».

Die offenen Strassen sind vor allem in höheren Lagen schneebedeckt. Aufgrund der grossen Lawinengefahr werde die Strassensituation fortlaufend neu beurteilt. Am Freitagmorgen sagte Rüegg, man müsse mit weiteren Strassensperrungen rechnen.

Samnaun als Sorgenkind

Am Mittag beteuert Gion Dosch, Chef der Strassenerhaltung beim Tiefbauamt Graubünden: «Die Lage hat sich im Vergleich zu den letzten Tagen massiv entspannt». Die grossen Schneemassen konnten durch spontane Lawinenabgänge wie auch mit Sprengungen entladen werden, derzeit finden die letzten Arbeiten statt. Ziel ist es, die Strassen baldmöglichst wieder zu öffnen. Können die Aufräumarbeiten beendet werden, könnten die Strassen im Engadin im Laufe des Nachmittages wieder freigegeben werden, ebenso der Ofenpass.

Samnaun hingegen sei noch ein Sorgenkind, so Dosch. Dort hat es grössere Abgänge gegeben, die Aufräumarbeiten sind noch im vollen Gang. Erst wenn diese abgeschlossen seien, könne man eine Lagebeurteilung machen. Doch vorerst bleibt Samnaun auf unbestimmte Zeit unzugänglich.

Wenige glimpfliche Unfälle

Ein Auffahrunfall und kleinere Kollisionen: Auf den Bündner Strassen kam es am Donnerstag zu wenigen Unfällen. Diese gingen glimpflich aus: Es gab praktisch keine Verletzte und wenn, seien es nur leichte Verletzungen, sagt Rüegg weiter.

Wie die Kantonspolizei Graubünden am Freitagmittag mitteilt, ist die Lage derzeit stabil mit Aussicht auf Verbesserung. Daher würden die jeweiligen Strassenverhältnisse mithilfe der Lawinenexperten kontinuierlich neu beurteilt, um allenfalls Strassen wieder zu öffnen. Im Gegensatz zu anderen Strassen in der Schweiz sind die Bündner Strassen alle aus Sicherheitsgründen gesperrt, der Kantonspolizei sind keine kaputten Strassen bekannt.

Man bleibe gespannt, wie sich die Situation weiterentwickelt und steht dabei im engen Kontakt mit Spezialisten, vor allem mit dem SLF in Davos.

Auf strassen.gr.ch gibt es die Übersicht zur aktuellen Strassensituation.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.

Das Unterengadin ist vom Oberengadin aus durchaus erreichbar. Es gibt in Graubünden nämlich eine Eisenbahn, die Rhätische Bahn heisst. Mit ihr kann man übrigens auch als Bahnpassagier von Landquart nach Scuol reisen; dazu braucht man nicht zwingend ein Auto.

Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Ereignisse MEHR