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Wer in Bergün fotografiert, wird gebüsst

Das dürfte einzigartig sein: Ab heute tritt in Bergün ein gemeindeweites Fotografierverbot in Kraft. Der Grund: Fotos der pittoresken Landschaft können Menschen unglücklich machen, die gerade nicht in Bergün sein können.

Philipp
Wyss
30.05.17 - 10:46 Uhr
Politik
Schilder machen auf das Fotografieverbot aufmerksam.
Schilder machen auf das Fotografieverbot aufmerksam.
PRESSEBILD

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Ferienfotos in den sozialen Medien die Betrachter unglücklich machen, weil sie selbst gerade nicht vor Ort sein können. Das möchte die Gemeinde Bergün verhindern. Laut einer Mitteilung liegt der Gemeinde das Glück aller Menschen am Herzen.

Aus diesem Grund hat die Gemeindeversammlung am Montagabend ein gemeindeweites Fotografierverbot beschlossen. «Die Gemeinde Bergün/Bravuogn ist wunderschön. Wir möchten die Menschen ausserhalb der Gemeinde mit über Social Media geteilten Fotos unserer pittoresken Landschaft nicht unglücklich machen und laden sie herzlich ein, Bergün selbst zu besuchen und zu erleben», sagt Peter Nicolay, Gemeindepräsident von Bergün/Bravuogn.

Die Stimmberechtigten haben das neue Gesetz mit 46:2 Stimmen angenommen. «Ich freue mich sehr, dass den Einwohnern Bergüns das Glück aller Menschen am Herzen liegt. Das macht mich stolz», sagt Nicolay weiter. Juristisch sieht der Gemeindepräsident keinerlei Probleme, wie er auf Anfrage von Radio Südostschweiz sagt.

Die Gemeinde geht aber noch einen Schritt weiter: Wer gegen das Verbot verstösst, kann mit einer Busse in Höhe von fünf Franken gebüsst werden. Das Bussgeld fliesst vollumfänglich in den Alpenschutz.

Die Hintergründe der Geschichte:

Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch». Mehr Infos

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Das mag ja als Scherz in der Fastnachtszeit lustig sein, aber niemand kann das Fotografieren einer Ortschaft oder Landschaft verbieten. Kommt dazu, dass man damit nicht Andere unglücklich macht weil sie nicht in diesem Dorf leben sondern seine wichtigste Werberessource damit verbieten will. Einfach nur dumm!

Aus Strategiegründen kommunizieren sie erst nächsten Monat, dass man den Begriff "Bergün" auch nicht mehr öffentlich schreiben darf. Aus dem Gemeindezerzeichnis gelöscht wird Bergün ab 1.1.18. Das nenn ich mal konsequenten Heimatschutz. "Cleveri Cheibe die Walliser"...

Ich habe die Gemeinde soeben unter Androhung einer Strafanzeige aufgefordert, dieses gesetzes- und verfassungswidrige Verbot, das willkürlich unsere bürgerlichen Freiheitsrechte einschränkt, mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Leistet die Gemeinde Bergün dem nicht Folge, werde ich Strafanzeige einreichen!

Und wenn dann ab 1. Januar 2018 die Gemeinden Bergün und Filusur fusioniert sind, dann gibt es endlich keine Fotos vom Landwasser-Viadukt mehr.

Es ist in Bergün sehr schwierig als Gast an einen Stammtisch zu sitzen,..... ach ja, ich habe ja noch den Fotoapparat umgehängt.

Schon lange nicht mehr solchen Schwachsinn gehört.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass mit Verbotstafeln verschandelte Landschaft und sinnfreie Bussen mehr unglücklich machen als schöne Fotos von Orten, wo man gerade nicht ist.
Mit Schilda und Seldwyla gehört nun Bergün auch zu den Narrenstädten.

Na ja, da kann man geteilter Meinung sein, was diesbezüglich Sinn macht. Ich jedoch, der sich noch nie quasi touristisch in Bergün aufhielt, kann sich trotzdem vorstellen, dass mit dieser einzigartigen Aktion der berühmte Schuss hinten hinaus gehen dürfte, und inskünftig z.B. die Übernachtungen zurückgehen werden, wenn Hinz und Kunz seinen Lieben zu Hause keine selbstgestalteten Ferienerinnerungen präsentieren kann; welche expliziten Gründe stecken hinter diesem Ansinnen. welches Ziel soll so erreicht werden?

Peinliche und billige Aktion!
Falls dies ein PR-Gag war muss ich sagen dass diese Aktion nur peinlich ist. Andere Ort machen mit guten und originellen Sachen Werbung. Das man in Bergün mit negativen Sachen wie Verbote Schlagzeilen machen muss zeugt nicht gerade von professionalität! Sollte es kein Gag sein dann werden die Bergüner schon noch auf die Welt kommen... Gästerückgang ist garantiert und mit diesem ein Köpferollen!

Ich nehme an, es wurden dank dieser gelungenen Werbeaktion noch nie so viele Bilder der Bergüner Landschaft in den Medien (gratis) publiziert.
Dass das Bussgeld in den Alpenschutz fliesst, ist sehr zu begrüssen, ist doch die Landschaftsverschandelung durch die zahlreich aufgestellten Fotografieverbotsschilder nicht vernachlässigbar ;-)

Man kann das als verkappter Marketing-Gag verstehen (so was wie "versteckte Kamera", etwas ähnliches wie ein blöder 1. April Scherz). Oder aber auch ein ganz sicheres und probates Mittel, den letzten zahlenden Tourist aus den Randregionen vertreiben zu können. Der neue GR-Ferien-Präsi Schmid sollte seinen Antrittsbesuch gleich in Bergün buchen. Und diesen Leuten aus Politik und Touristik gleich den Rost runter putzen. Ich hätte da Null Hemmungen...

Das heisst, muss ich mir einen anderen ort suchen. Wen ich schon Ferien mache möchte ich auch Fotos machen können von der schönen Landschaft.

"Wissenschaftlich erwiesen", dass man nichts mehr Schönes sehen soll? Das impliziert, dass es in Bergün Schönes gibt und nicht nur Medien (sondern jedeperson) nichts mehr Schönes bringen darf.
Das kann ja nur ein Witz sein bzw. eine weitere "Strategie" von Touristikern, an deren statt ich endlich, endlich INHALTE ersehne.

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