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Auf Raketenalarm folgten die längsten 40 Minuten des Lebens

Raketenalarm am Samstagmorgen auf Hawaii. Angst und Verwirrung herrscht. Mittendrin im Geschehen befinden sich Nadine Brunner und Jasmin Zahner.

Paul
Hösli
16.01.18 - 05:49 Uhr
Ereignisse
Nadine Brunner (links) und Jasmin Zahner bekommen auf Hawaii eine Raketenwarnung auf ihr i-Phone gesendet.
Nadine Brunner (links) und Jasmin Zahner bekommen auf Hawaii eine Raketenwarnung auf ihr i-Phone gesendet.
SASI SUBRAMANIAM

«Bedrohung durch ballistische Rakete Richtung Hawaii. Sofort Schutzraum aufsuchen. Dies ist keine Übung.» So lautet die Meldung, die sämtliche I-Phone-Nutzer – und seltsamerweise nur diese – um 8.07 in Hawaii auf ihr Mobiltelefon bekommen haben. «Ich habe schon Panik geschoben», gesteht Nadine Brunner. Die 26-jährige Glarnerin und ihre Kollegin Jasmin Zahner befinden sich im Inselparadies. Die Somedia-Mitarbeiterinnen verbinden im 50. Bundesstaat der USA derzeit Arbeit mit Ferien.

Am vergangenen Freitag begaben sich die beiden von ihrem temporären Wohnort Honolulu aus auf einen Ausflug auf die Nachbarinsel Kauai. «Wir waren erst seit einer halben Stunde wach, als unsere Telefone einen Heidenlärm machten und der Notfallhinweis auf unseren Displays erschienen. Das Handy wollte nicht mehr aufhören zu vibrieren», berichtet Jasmin Zahner. Sie begann zu googeln. «Es war ziemlich militärisch geschrieben. Wir mussten zuerst einstufen, was es bedeutet», so die 31-Jährige. Das Fernsehen habe nichts berichtet, im Internet fand sie keine Informationen, und die amerikanische Notfallnummer 911 sei überlastet gewesen. Brunner griff zum Telefon und rief bei der Rezeption an, um genauere Infos zu erhalten. «Aber niemand konnte uns wirklich helfen. Wir sollen auf unseren Zimmern bleiben und abwarten.»

Die Warnung auf dem Smartphone. SCREENSHOT
Die Warnung auf dem Smartphone. SCREENSHOT

Entwarnung 40 Minuten später

Der Schreck war gross, vor allem bei Brunner. Sie bekam Schüttelfrost und musste sich noch einmal kurz hinlegen. Die Angst wuchs. Die Strassen seien menschenleer gewesen und die Einheimischen hätten einen verwirrten und verängstigten Eindruck gemacht. «Niemand wusste, was nun zu tun ist», so der Eindruck der Stadtglarnerin. Sie habe sich noch gefragt, wo der Schutzraum in ihrem Hotel sei.

Wesentlich gelassener nahm Jasmin Zahner die Situation. «Es war surreal. Wie viele Leute dachte ich immer, so etwas passiert nur anderen Leuten, mir doch nicht.» Die Jonerin habe aber irgendwie gespürt, dass es ein Fehlalarm sein könnte.

40 Minuten später sollte sich ihre Vorahnung bewahrheiten. Die Entwarnung folgte. «Für Hawaii besteht keine Gefahr eines Raketenangriffs. Falscher Alarm.» Die Rezeption bestätigte es. Die Erleichterung bei den beiden war gross, obwohl in der Magengrube noch immer ein mulmiges Gefühl herrschte. «Dies waren wohl die längsten 40 Minuten meines Lebens», gesteht Nadine Brunner. «Kurz danach füllten sich die Strassen wieder mit Menschen, und das Leben ging seinen gewohnten Gang.»

Dennoch ist es jetzt das Gesprächsthema Nummer eins im Inselparadies. «Wenn man nun mit jemandem ins Gespräch kommt, lautet die erste Frage eigentlich immer: Wo warst du, als der Alarm losging?»

Nach dem morgendlichen Schrecken konnten die beiden ihren Aufenthalt auf Kauai, der ältesten der hawaiianischen Inseln und auch Garteninsel genannt, in vollen Zügen geniessen. Mit einem Helikopterrundflug, einem Roadtrip mittels Cabriolet und Entspannen am Strand. «Da wurde mir bewusst: Wenn ich hätte sterben sollen, dann wenigstens im Paradies», sagt Zahner scherzhaft.

Paul Hösli ist Leiter Sport bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Er ist seit 1997 bei der «Südostschweiz», im Jahr 2013 wechselte er intern von der Druckvorstufe in die Redaktion. Zuerst in einem 40-Prozent-Pensum und seit 2016 zu 100 Prozent. Mehr Infos

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Wenn schon Sie das Thema bearbeiten, hätten Sie für Ihre Europa-Leserschaft relevanterweise erwähnen sollen:
1) Die "Steuerung" der Medien in Europa geht in die Richtung, die in den USA schon "weiter" ist – Stichworte: Lügen- und Lücken-Presse. Da helfen Inseratekampagnen wie die auch in der SO seit Monaten geschaltete "Fake News? Nicht in der Schweizer Presse." wenig, insbesondere wenn ich an die NZZ denke, meines Wissens der Tiefpunkt hierzulande.
2) Die preisgekrönte ARTE-Doku von Dirk Pohlmann "Täuschung, die Methode Reagan" ist nur noch in gekürzter Version in Youtube. Warum? Der ZDF-Anmoderator erklärte in der längeren Fassung, dass Reagan (Trumps grosses Vorbild) bei Amtsantritt die US-Militärdoktrin von Verteidigung auf Angriff änderte.
https://www.youtube.com/watch?v=pkEtFmzM2gc#t=0m14s
Erinnert Sie das an die US-Manöver bei Nordkorea (das seit x-Jahren Frieden und Wiedervereinigung will wie 1990 Germany)?
http://www.spiegel.de/einestages/vergessener-held-a-948852.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/kalter-krieg-nato-manoever-fuehrt…
3) Meine Meinung: Wir Europäer selbst eskalieren diese Gefahren durch das "trojanische Pferd" USA in Europa: Dass die USA 2008 die Ukraine in die Nato haben wollten, Merkel Nein sagte, beim Maidan-Putsch aber Europa ebenso alles geschehen liess wie jetzt den laufenden US-Militärstützpunkte-Bau in der Ukraine, beispielsweise Kriegshafen nahe der Krim, das ist, nach der US-Lüge an Gorbatschow 1990 "Die Nato wird keinen Inch nach Osten erweitert werden" und der Auflösung des Warschauer Paktes - der warum nicht die symmetrische-logische Auflösung der US-Nato im Westen folgte? – nicht nur ungerecht (im 2WK starben ein Mehrfaches Russen im Vergleich zu Juden), sondern selbstzerstörerisch für uns: Wir dulden nicht nur, dass die USA Russland weitgehend umzingelten, sondern schauen nun sogar noch (helfend) zu, wie zur Komplettierung die empfindliche Westflanke Russlands nahe Moskau zunehmend US-besetzt wird. Aus der Kuba-Krise lernten wir offenbar ebenso nichts wie aus der gesamten US-Historie.
Medizynisch würde ich das langsam Agonie nennen

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