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Aus der Traum vom privaten Eigenheim: Neue Modelle sind gefragt

Aus der Traum vom privaten Eigenheim: Neue Modelle sind gefragt

Die Preise von Wohneigentum in der Schweiz steigen weiter an. Jüngste Studien zeigen, dass sich nicht einmal mehr jeder zehnte Haushalt ein Eigenheim leisten kann.

Wohnen
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Fast wie ein Eigenheim, aber ohne finanzielle Risiken: Attika-Wohnung im Minergie-Mehrfamilienhaus einer Bau-und Wohngenossenschaft in St. Gallen.
Fast wie ein Eigenheim, aber ohne finanzielle Risiken: Attika-Wohnung im Minergie-Mehrfamilienhaus einer Bau-und Wohngenossenschaft in St. Gallen.
zVg

von Rahel Perrot, Mitarbeiterin Kommunikation bei Wohnbaugenossenschaften Schweiz, dem Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger

Nach wie vor ist ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung der Traum vieler Schweizerinnen und Schweizer. Wohneigentum steht für Sicherheit – in Krisenzeiten die wichtigste Währung. Laut der Eidgenössischen Kommis-sion für Wohnungswesen EKW hat die Coronapandemie die Nachfrage nach Wohneigentum und grösseren Wohnungen weiter steigen lassen.

Die Folge: Ende letzten Jahres haben die Eigentumspreise neue Höchstwerte erreicht. Der Schweizerische Wohnimmobilienpreisindex (Impi) des Bundesamts für Statistik stieg im 3. Quartal 2021 um 2,4 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr sogar um fast 7 Prozent. Die Raiffeisenbank meldet in ihrer aktuellen Studie «Immobilien Schweiz» gar neue Rekordwerte und den höchsten Anstieg der Einfamilienhauspreise seit Lancierung ihres Transaktionspreisindexes im Jahr 2015.

Unerschwingliches Wohneigentum

Für den Durchschnittshaushalt ist Wohneigentum kaum mehr bezahlbar. Wer in der Schweiz Wohneigentum kaufen will, muss mindestens 20 Prozent Eigenkapital mitbringen. Seit einigen Jahren darf nur noch maximal die Hälfte davon aus dem Pensionskassenguthaben entnommen werden. Um mehr Menschen den Kauf von Wohneigentum zu ermöglichen, will die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates diese Regelung nun wieder aufheben: In einer Motion fordert sie, dass die Guthaben der 2. Säule wieder vollständig für den Erwerb eines Eigenheims genutzt werden können. 
Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen mag, birgt jedoch negative Konsequenzen: Die Privatverschuldung erhöht sich und die finanziellen Risiken für die Versicherten steigen. Zudem würde die neue alte Praxis die Nachfrage und die Preise von Wohneigentum weiter in die Höhe treiben. 
Nicht zuletzt würde sich eine höhere Eigentumsrate auch auf der ökologischen Ebene auswirken: Gemäss Bundesamt für Statistik brauchen Eigentümerinnen und Eigentümer durchschnittlich 53 m² Wohnfläche – deutlich mehr als Mieterinnen und Mieter (41 m²) oder Genossenschaftsbewohnerinnen und Genossenschaftsbewohner (35 m²). Das Modell des privaten Einfamilienhauses verbraucht nicht nur mehr Fläche und Ressourcen, sondern führt auch zu einer höheren Mobilität und zu einer stärkeren Zersiedelung. 

Kollektives Eigentum als Alternative

Der Traum vom Eigenheim muss neu gedacht werden. Eine Alternative, die den Wunsch nach Eigentum für viele möglich macht, ist das genossenschaftliche Wohnen. Es verbindet die Vorteile von Miete und Wohneigentum. Die Genossenschaftsmitglieder kaufen ihre Wohnung zwar nicht, sind aber durch ihr Anteilscheinkapital Miteigentümer der Genossenschaft und haben Mitspracherechte und ein Wohnrecht. Das genossenschaftliche Miteigentum bietet den Gestaltungsspielraum und die Sicherheit von Eigentum auf eine sozial und ökologisch nachhaltige Art. Die Mitgliedschaft in einer Wohnbaugenossenschaft würde breiten Bevölkerungsschichten erlauben, zu geringen finanziellen Risiken von den Vorteilen von Eigentum zu profitieren. 
Allerdings ist die Nachfrage nach Genossenschaftswohnungen jetzt schon höher als das Angebot: Der Marktanteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus beträgt schweizweit nicht einmal fünf Prozent. Gefragt sind gezielte Massnahmen, um mehr gemeinnützigen Wohnungsbau zu ermöglichen. Dies zum Beispiel mit der Abgabe von Grundstücken im Baurecht an gemeinnützige Bauträger, mit Zonen oder Anteilen für gemeinnützigen Wohnungsbau oder mit finanziellen Starthilfen für junge Genossenschaften.

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