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Klimagerecht bauen – worauf soll man achten?

Klimagerecht bauen – worauf soll man achten?

Noch beeinflusst der Bauprozess die CO2-Bilanz negativ. Was ist machbar um diese Bilanz aufzubessern?

Wohnen
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Der Bauprozess als bedeutender Verursacher von CO2. Neues Denken ist gefragt.
Manfred Antranias Zimmer / Pixabay

von Michael Casutt, Projektleiter Energieeffizienz beim Amt für Energie und Verkehr Graubünden

Architektur kann nicht mit Mathematik definiert werden: zu viele Variabeln, zu viele Unbekannte und zu viel Geschichte. Und doch kommen Architekten nicht um harte Fakten herum, wenn sie den Klimaschutz ernst nehmen wollen. 
Die Erstellung und der Betrieb von Liegenschaften verursacht rund vierzig Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses. Mit dem Ziel einer Klimaneutralität bis ins Jahr 2050 muss sich auch die Baubranche neu orientieren.

Neue Lösungen gefordert 

Etwa fünfzig bis siebzig Prozent der Emissionen im Leben eines Gebäudes entstehen beim Bau. Klimaneutrales Bauen ist heute nicht möglich, denn jedes Haus braucht ein Fundament und Fenster: 
Weder Beton noch Glas können ohne Emissionen produziert werden. Für eine Reduktion der Treibhausgase braucht es den Willen der Bauherrschaft, Planungs-Know-how sowie Lösungen von Herstellern. Eine zentrale Rolle bei diesem CO2-Entzug spielen die Architekten. Es ist eine grosse Herausforderung, den Überblick zu behalten, dies trotz oftmals widersprüchlichen Entscheidungen, basierend auf unterschiedlichen Interessen der Beteiligten. 

Die CO2-Bilanz beim Bauen aufbessern

Den Betrieb einer Liegenschaft CO2-frei zu garantieren ist realisierbar, indem der Energieverbrauch zum einen gering ist, und zum andern mit erneuerbarer Energie gedeckt wird. Diese Erkenntnis wird bereits heute gesetzlich verlangt. 
Wie viel graue Treibhausgase bei der Gebäudeerstellung verpuffen, wird dem Markt überlassen. Im Zentrum steht künftig auch die CO2-Bilanz beim Bau. Eine solche Bilanzierung ist vergleichbar mit Abnehmen, nur werden an-stelle von Kalorien, Kohlenstoffe gezählt. Viele Stellschrauben können diese Bilanz beeinflussen. 

Was wirkt negativ auf die CO2-Bilanz?

Einen grossen Einfluss hat dabei die Suffizienz, die Genügsamkeit. Braucht es wirklich einen Neubau? Muss die Wohnung wirklich drei Bäder haben? So wenig Haus wie möglich zu erstellen, verbessert die Bilanz, auch wenn das zu Interessenskonflikten führen kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Standortfrage. Der grösste Klimatreiber ist der Verkehr. Es macht wenig Sinn ein Minergie-P-zertifiziertes Gebäude an einem abgelegenen Ort zu bauen und im Betrieb mehrere Fahrzeuge für eine komfortable Nutzung im Einsatz zu haben, welche das beim Bau eingesparte CO2 wieder neutralisieren. 
Der grösste Posten in der Bilanz ist die Tragstruktur. Es ist unumstritten, dass die Statik eines Gebäudes höchste Priorität hat. Jedoch kann die dazu notwendige Tragstruktur optimiert ausgeführt werden. Will heissen: komplizierte Abfangungen zur Abführung der Kräfte, aufwendige Auskragungen sowie riesige Spannweiten verlangen nach mehr und belastbarerem Baumaterial. Das führt zu einer markant negativen Belastung der Bilanz.
Die beschriebenen Beispiele sind nur drei Punkte, welche einen grossen Einfluss auf die CO2-Bilanz bei der Herstellung von Gebäuden haben.

Informationen via Livestream:
Interessante Referate zu diesem Thema werden anlässlich des Energie-Apéros vom 26. Mai 2021 aus der Aula der Fachhochschule Graubünden in Chur geboten.

Eine Anmeldung bis zum 25. Mai ist notwendig. Siehe www.energieapero-gr.ch
Weitere Informationen: Michael Casutt, Amt für Energie und Verkehr Graubünden, Chur
Telefon 081 257 36 30

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