×

Gebäudeautomation: Das Potenzial von Smart Home ist riesig

Lebensqualität bedeutet Smart Living. Das rapide Wachstum im Bereich Smart-Home-Technik deutet darauf hin, dass auch im privaten Bereich luxuriöses und nachhaltiges Wohnen Hand in Hand gehen könnten. Doch ist die Gebäudeautomation in der Lage, ein umweltverträgliches Leben ohne Verzicht auf Wohnkomfort zu ermöglichen?

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 21. Januar 2020, 12:07 Uhr wohnen.suedostschweiz
Nachhaltiges und trotzdem komfortables Wohnen: die Smart-Home-Technik machts möglich
ARCHIV SOMEDIA

von Jan Christmann, Immobilienökonom (IRE/BS) sowie Inhaber der Top Living Immobilien AG, Lizenz­nehmer der Engel & Völkers Wohnen Schweiz AG mit Immobilienshops in Chur, Davos und Flims

Was bedeutet Gebäudeautomation? Unter dem Begriff versteht man ein Netzwerk elektronischer, meist über WLAN verbundener Geräte, das zur Überwachung und Steuerung der Heizungs-, Belüftungs-, Kühlungs- und Lichtanlagen eines Gebäudes dient. Sogar erweiterte Funktionen wie den Sicherheits- und Feuerschutz deckt die Gebäudeautomation ab.

Die meisten von uns sind vermutlich bereits mit der Smart-Home-Technik vertraut, sei es nun in Form ferngesteuerter Thermostate und Lampen, die beim Energiesparen helfen oder intelligenter Sicherheitskameras mit Fernzugriff.

Im gewerblichen Kontext geht die Automation mit smarter Technologie noch einen Schritt weiter. So wird beispielsweise der Energieverbrauch ganzer Firmengelände mit Hilfe von speziellen Sensoren überwacht oder die Belegung von Hotels ermittelt, um den effizienten Einsatz von Beleuchtung und Klimaan­lagen zu gewährleisten.

Vorteile der Gebäudeautomation

Smart-Home-Technologie in Wohnobjekten spricht viele potenzielle Käufer an. Denn sind bereits moderne Geräte vorhanden, muss nicht sofort auf eigene Kosten nachgerüstet werden.

In Gewerbeimmobilien mit mehreren Einheiten, beispielsweise Bürogebäuden oder Mietshäusern, erfreut sich smarte Technik ebenfalls grosser Beliebtheit – schliesslich versprechen intelligente Messgeräte und präzise Überwachung sowohl Energie- als auch Kostenersparnisse. Einige drahtlose Geräte zur Energieüberwachung ermöglichen den Immobilieneigentümern neben der Gesamtablesung durch sogenanntes «Submetering» sogar eine Einzelabrechnung für jeden Mieter. Auf diese Weise sind die Mieter in der Lage, ihren eigenen Energiekonsum aktiv zu prüfen und zu optimieren. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diejenigen Mieter, die Einblick in ihren Verbrauch hatten, insgesamt weniger Energie konsumierten. Dies liegt vermutlich am verstärkten Kontrollgefühl.

Nachhaltige Mustergebäude sind real

In den kommenden Jahren wird die Gebäudeautomation immer neue Bereiche erobern, da viele Unternehmen nach Nachhaltigkeit und Effizienz streben.

Schon jetzt gibt es zahlreiche fantastische Bauten mit entsprechender Ausstattung. Dazu gehört beispielsweise «The Edge», der Amsterdamer Firmensitz von Deloitte. «The Edge» gilt als das intelligenteste Gebäude der Welt. Die dort verbaute Technik ermöglicht eine effiziente Parkplatzvergabe dank Kennzeichen-Erkennung. Haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gebäude betreten, wird ihnen je nach Terminplan und Aufgabenbereich ein passender Arbeitsbereich zugewiesen.

Gleichzeitig wartet der Deloitte-Firmensitz mit dem bis dato höchsten «Breeam-Wert» auf. Breeam ist die führende und am weitesten verbreitete Zertifizierungsmethode für Gebäude: Die Nachhaltigkeitsbewertung liegt bei unglaublichen 98,3 Prozent.

Automation birgt grosses Potenzial

Beim Bau des Capital Tower in Singapur kam derweil spezielles Fensterglas zum Einsatz, das durch einen geringen Emissionsgrad punktet. Volumenstromregler sorgen für optimale Raumluftqualität im Inneren des Turms. Das Unternehmen Glumac mit Sitz in Los Angeles liess in seinem Bürogebäude eine Wärmerückgewinnungsanlage nachrüsten, um Raumluft aufzubereiten und umzuverteilen. Ferner gibt es Kühlsegel, die das Klima effizient regulieren.

Angesichts immer strengerer Bauvorschriften und stets neuer Auflagen bezüglich Nachhaltigkeit, scheint die Gebäudeautomation der Schlüssel zu effizienten und sicheren Immobilien zu sein. Die Entwicklung intelligenter Gebäude ist wohl nur der erste Schritt. Aufbauend auf dieser Technologie könnten schon bald vollautomatisierte Firmengelände und Gebäudekomplexe oder gar ganze Gemeinden mit smarter Technik entstehen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden