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Besteuerung des Eigenmietwerts – Sinn oder Unsinn?

Die Besteuerung des Eigenmietwerts für Eigenheimbesitzer gibt seit langer Zeit Anlass zu Diskussionen. Gedacht als steuerlicher Ausgleich zwischen Mieternund Eigenheimbesitzern steht diese Form der Steuerbelastung vermehrt in der Kritik. Einmal mehr laufen Bemühungen, den Eigenmietwert abzuschaffen.

Wohnen
Südostschweiz
Freitag, 01. März 2019, 10:36 Uhr wohnen.suedostschweiz
edacht als steuerlicher Ausgleich zwischen Mietern und Eigenheimbesitzern steht diese Form der Steuerbelastung vermehrt in der Kritik.
Hausschlüssel
ARCHIV SOMEDIA

Andreas Scholz /  Scholz Immobilien Consulting ist Franchisepartner der von Poll Immobilien Schweiz AG

Einig sind sich die Parteien nur über einen Punkt betreffend des Eigenmietwerts – er ist eine fiktive Angelegenheit. Hausbesitzer versteuern damit jene Mieteinnahmen, die sie erzielen könnten, wenn sie die Immobilie vermieten würden. Sie bezahlen also Steuern, für ein Einkommen, dass sie gar nicht im Portemonnaie haben.

Das klingt zuerst einmal absurd. Beim genaueren Betrachten zeigt sich: Der Eigenmietwert will einen Steuerausgleich zwischen Mietern und Eigenheimbesitzern schaffen. Denn wer Wohneigentum besitzt, wohnt in der Regel günstiger, als wenn er dasselbe Objekt mieten würde.

Es ist attraktiv, Schulden zu haben
Im Gegenzug können Hausbesitzer Hypothekarschulden und Unterhaltskosten von den Steuern abziehen. Auch alle Reparaturen und Renovationen dürfen abgezogen werden. Nur wertvermehrende Ausgaben, zum Beispiel der Bau eines Pools oder eines Wintergartens, gehören nicht in diese Kategorie. Das macht es für  Eigenheimbesitzer attraktiv, ihre Hypothekarschulden auf dem Haus nicht abzuzahlen, sondern Schulden bei der Bank zu haben.

Hauseigentümer für die Abschaffung
Der Eigenmietwert ist umstritten. Viele Hauseigentümer empfinden ihn als unfair. Schon mehrfach gab es Vorstösse, diesen abzuschaffen. Die Chancen dafür sind heute so intakt wie noch nie.

Die Hypothekarschulden in der Schweiz sind mittlerweile so gross, dass die Banken Bereitschaft signalisiert haben, einer Abschaffung zuzustimmen. Offen ist allerdings, wie gleichzeitig die Abzugsmöglichkeiten wegfallen und wie künftig Zweitwohnungen versteuert werden müssen. Dies hat unterschiedliche finanzielle Folgen für Eigenheimbesitzer. Nur den Eigenmietwert abzuschaffen, findet aber im Parlament sicher keine Mehrheit, auch der Mieterverband ist dagegen.

Wer profitiert von der Abschaffung?
Das heutige Steuermodell mit dem Eigenmietwert macht es reizvoll, Hypotheken nicht abzuzahlen. Wird der Eigenmietwert zusammen mit den Abzugsmöglichkeiten abgeschafft, werden hohe Schulden unattraktiv.

Von einer Abschaffung des Eigenmietwerts würden in diesem Fall langjährige Hausbesitzer mit niedrigen Hypotheken überdurchschnittlich profitieren. Sie müssten weniger Steuern zahlen. Für Neuerwerber von Wohneigentum könnte das Wegfallen der Abzugsmöglichkeiten aber eine finanzielle Hürde darstellen.

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