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Eine Siedlung mit einem umfassenden Energiekonzept setzt Massstäbe

Mit ihrem vernetzten Energiekonzept ist sie auch ein Pionierprojekt der «Smart City» St. Gallen. Als «Smart City» bezeichnet man einen Siedlungsraum, in dem Produkte, Dienstleistungen, Technologien, Prozesse und Infrastrukturen eingesetzt werden, die durch Nachhaltigkeit auszeichnen.

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 31. Juli 2018, 13:27 Uhr Wohnen
Eine Siedlung mit einem umfassenden Energiekonzept setzt Massstäbe
Bild Michele Limina

Michael Staub / freier Journalist in Kriens. Der vorliegende Text ist die Kurzversion eines Beitrags aus der Zeitschrift «Wohnen», Organ des Verbands Wohnbaugenossenschaften Schweiz

Drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 69 Wohnungen umfasst die neue Überbauung Sturzenegg, am Westrand der Stadt St. Gallen. Hinter den blau-ockerfarbenen Eternitfassaden findet sich attraktiver Wohnraum.
Dank des Prinzips der Kostenmiete sind die Mieten vergleichsweise günstig. Beim Projekt der Wohnbaugenossenschaft (WBG) St. Gallen handelt es sich um die grösste genossenschaftliche Neubausiedlung seit den 1990er-Jahren.

Siedlung mit positiver Energiebilanz 
Bemerkenswert ist die Überbauung auch wegen ihres umfassenden Energiekonzepts. Sie ist nach Minergie-A zertifiziert. Damit entspricht sie dem Plusenergiestandard, der eine positive Energiebilanz für den Betrieb vorgibt.
Für die Heizwärmeversorgung und Warmwasseraufbereitung dienen zwei gasbetriebene Mikro-Blockheizkraftwerke. Diese Aggregate produzieren gleichzeitig Wärme und Strom und decken siebzig Prozent des jährlichen Energiebedarfs der Siedlung. Für die Abdeckung von Spitzenlasten dient ein Gasbrennwertkessel.

Energierückgewinnung muss sein
Strom wird nicht nur im Keller, sondern auch auf den Dächern produziert. Die Photovoltaikanlage mit einer Fläche von rund 700 Quadratmetern liefert einen Jahresertrag von ungefähr 103'000 Kilowattstunden. Der Grossteil wird vor Ort verbraucht: Wer in der Sturzenegg eine Wohnung mietet, wird automatisch Mitglied der Eigenverbrauchsgemeinschaft. Mit dem geplanten Batteriespeicher soll der Eigenverbrauch weiter steigen. Aussergewöhnlich ist der Aufwand für die thermische Energierückgewinnung: Jede Wohnung ist mit einer Duschrinne mit integriertem Wärmetauscher ausgerüstet. Auch die Wohnungslüftung verfügt über eine Wärmerückgewinnung.

Stadtwerke als wichtige Partner
Was motivierte die WBG St. Gallen für diese vorbildhafte Energiestrategie? «Es geht nicht nur um Strom und Wärme, man muss sich als Bauherrschaft auch in das energetische Gesamtsystem eines Quartiers oder einer Stadt einfügen», sagt WBG-Geschäftsführer Jacques-Michel Conrad. Ein zentraler Partner für die Umsetzung dieses Anspruchs sind die St. Galler Stadtwerke (SGSW). Sie waren beim Neubauprojekt von Anfang an involviert und betreiben PV-Anlage und Energiezentrale als Contractor.

Vergleiche im digitalen Treppenhaus
Die Sturzenegg wurde als erstes smartes Quartier der Stadt St. Gallen konzipiert und realisiert. Durch die Nutzung zahlreicher Kommunikationskanäle ist beispielsweise die Fernauslesung der Strom-, Gas- und Wasserzähler möglich. So kann nicht nur das siedlungseigene Energiemanagementsystem mit Daten beliefert werden, sondern auch die Quartier-App. Diese Anwendung bildet den eigenen Energiebezug ab und ermöglicht den Vergleich mit anonymisierten Durchschnittsdaten der Nachbarn. Zudem bietet sie Funktionen wie Marktplatz, News oder Pinwand an. So wird der Austausch mit den Nachbarn gleichsam im «digitalen Treppenhaus» weitergeführt.

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