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Die Finanzierung einer Immobilie mittels Crowdfunding birgt interessante Chancen

In den USA ist Crowdfunding auch bei der Finanzierung von Immobilien ein gängiges Instrument. In der Schweiz steckt diese neue Form, sich an Immobilien zu beteiligen, noch in den Anfängen. Trotz Unklarheiten und offenen Fragen birgt diese Finanzierungsart neue Möglichkeiten.

Wohnen
Südostschweiz
Freitag, 04. November 2016, 11:37 Uhr wohnen
Die Finanzierung einer Immobilie mittels Crowdfunding birgt interessante Chancen
Bild Archiv SO

Remo Fetz / Geschäftsleiter Montana AG Liegenschaften in Chur und Vizepräsident Svit Graubünden

Crowdfunding – das Geldsammeln per Onlineplattform –hat sich bei Jungunternehmern und Künstlern bereits seit einigen Jahren als Finanzierungsinstrument etabliert. Nun interessiert sich auch die Immobilienwelt dafür. Und so funktioniert es: Unternehmer stellen ihr Projekt auf einer Onlineplattform vor und interessierte Privatpersonen können sich dann mit einem beliebigen oder bereits im Voraus festgelegten Betrag daran beteiligen. In den USA sowie auch in einigen Ländern Europas wurden so schon mehrere Millionen Kapital beschafft.
Nun zieht auch die Schweiz nach, und es gibt im Immobilienbereich bereits eine Handvoll Objekte, welche über Crowdfunding finanziert wurden/werden – und zwar via crowdhouse.ch, eine neue Schweizer Online-Plattform.

Misserfolge nicht ausgeschlossen
Die Idee hinter crowdhouse.ch: Jeder kann etwas Eigenes besitzen – ab einer Mindestanlage von 25 000 Franken kann man im Grundbuch eingetragener Miteigentümer eines Mehrfamilienhauses werden. Damit partizipiert man nicht nur an der ausgeschütteten Mietzinsrendite, sondern auch an der Wertentwicklung der Immobilie – die Rendite liegt gemäss crowdhouse.ch bei fünf bis sechs Prozent. Um diese zu optimieren, wird ein Teil des Kaufpreises (maximal 65 Prozent) durch eine Hypothek mitfinanziert. Die Differenz (= die Eigenmittel) wird von den Miteigentümern aufgebracht. Die Liegenschaften werden jeweils von einem unabhängigen Schätzer geprüft.
Misserfolge können, wie bei einem Immobilien-Alleininvestment auch, nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko ist jedoch gemäss crowdhouse.ch überschaubar, da jeder Anleger nur für seinen Anteil haftet. Experten stehen vor allem der relativ hohen Mindesteinlage von 25 000 Franken eher skeptisch gegenüber. Weitere Fragezeichen sehen sie bei den hohen in Aussicht gestellten Nettorenditen sowie bei der Nachhaltigkeit solcher Anlagen, da die Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern aufgrund der Negativzinsen und des damit verbundenen Anlagenotstands zurzeit sehr hoch ist.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Auch das Zusammenspiel von sich fremden Personen mit verschiedenen Anlagestrategien könnte Konfliktpotenzial bergen. So ist bereits die Koordination der Anliegen, Interessen und Einstellungen von Eigentümern mit herkömmlichen Mit- oder Stockwerkeigentum nicht immer einfach, und es stellt sich die Frage, wie bei so vielen Miteigentümern ohne direkten Objektbezug (z. B. bei Sanierungen etc.) vorgegangen wird.

Rechtliche Regelungen als Hindernis?
Fachleute glauben nichtsdestotrotz, dass das Immobilien-Crowdfunding auch in der Schweiz erfolgreich sein wird. Eine Hürde scheint es davor jedoch noch nehmen zu müssen: Das schweizerische Aufsichtsrecht kennt zurzeit noch keine spezifischen Bestimmungen zum Thema Crowdfunding. Verschiedene Parteien fordern, dass Crowdfunding-Plattformen einer Aufsicht unterstellt werden – ähnlich wie andere Geldinstitute. Die rechtliche Regelung sollte allerdings auch nicht allzu eng ausfallen – damit Platz für innovative Ideen bleibt. Und dann steht dem grossen Durchbruch des Immobilien-Crowdfundings nichts mehr im Wege …

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