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Die beste Entscheidung meines Lebens

Mister Schweiz Sandro Cavegn ist seinen Eltern immer noch dankbar, dass sie damals in eine Genossenschaftssiedlung in Rapperswil gezügelt sind – und schätzt es bis heute, dass es im teuren Wohnungsmarkt solche Oasen gibt.

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 31. März 2015, 13:07 Uhr Wohnen
Genossenschaftssiedlung
zVg

Sandro Cavegn / Mister Schweiz

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals als vierjähriger Bub mit meinen Eltern von Chur nach Rapperswil fuhr. Die Reise war für mich mit Spannung und Wehmut verbunden. Mein Vater arbeitete bei den SBB und hatte einen neuen Job in Aussicht, für den ein Umzug nach Rapperswil unumgänglich war. An diesem Samstagnachmittag waren wir also zu Besuch in der Eisenbahnerbaugenossenschaft. Mir fiel als Erstes die Wiese vor den riesigen Wohnblöcken auf: gross wie zwei Fussballfelder und mit Fussballtoren und Pingpongtisch ausgerüstet. Später kam sogar noch ein Basketballfeld hinzu. Alles, was ein Kind sich wünschen kann! Kaum zur Besichtigung angekommen, begann ich, mit den anderen Kindern der Siedlung zu spielen. Ich wollte bleiben, sofort und für immer.

Ein Paradies für Kinder 
An den Umzug kann ich mich nicht genau erinnern. Ich weiss nur, dass ich am Anfang Schwierigkeiten hatte, mich mit den anderen Kindern zu unterhalten. Ich sprach nur Romanisch und musste mich mit Händen und Füssen verständigen. Zum Glück legten meine Eltern den Umzugstermin genau auf den Kindergartenstart. So lernte ich schnell Deutsch. Und in der Siedlung war es nicht schwer, Kontakt zu den anderen Kindern zu knüpfen. Man musste nur auf den grossen Spielplatz rausgehen, und schon bildete sich eine Kinderhorde. Wir rannten herum, spielten «Räuber und Poli » und «Wir kommen aus dem Morgenland » oder veranstalteten ein Fussballturnier. Wir wuchsen zusammen auf, fast wie eine grosse Familie. Auf unseren Spielplatz waren wir stolz. So stolz, dass wir anderen Kinder nie den Zutritt zu unserem Areal gewährten – nur denjenigen, die in der Genossenschaft wohnten.

Gemeinschaft grossgeschrieben
Ich wünsche mir, dass meine Kinder dereinst in einem ebenso sorgenfreien und verspielten Umfeld aufwachsen können wie ich. Ich lebe immer noch in der Baugenossenschaft, die es mir und anderen ermöglicht, hier zu bezahlbaren Mietzinsen zu wohnen. Ich bin der Genossenschaft sehr dankbar dafür. Aber nicht nur wegen der finanziellen Vorteile für meine Familie und mich, auch weil die Gemeinschaft und Freundschaft unter den Leuten immer sehr grossgeschrieben wurde. Heute, wo alles immer teurer wird, ist es wichtig, dass es noch solche Oasen gibt. Ich danke meinen Eltern, dass sie damals hierhin gezogen sind. Es war die beste Entscheidung für mein persönliches Leben.

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