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Die Umwelt auch für Sehbehinderte gestalten

Auch Blinde und Sehbehinderte sollen sich im öffentlichen Raum gefahrenfrei bewegen können. Ein Merkblatt der Fachstelle hindernisfreies Bauen zeigt, worauf bei der Gestaltung von Strassen, Wegen und Plätzen geachtet werden soll.

Wohnen
Südostschweiz
Montag, 30. März 2015, 10:21 Uhr Wohnen
Umwelt Sehbehinderte
Archiv SO

Urs Mugwyler / Bauberater bei der Fachstelle hindernisfreies Bauen GR Felsenaustrasse 25, 7000 Chur

Menschen mit einer Gehbehinderung, insbesondere diejenigen, welche auf einen Rollstuhl angewiesen sind, werden in der Öffentlichkeit schnell wahrgenommen. Die Problematik von baulichen Hindernissen, die das Gehen erschweren, ist somit meist offensichtlich und auch bekannt. Schwieriger ist die Situation für sehbehinderte Menschen. Wenn sie nicht mit dem weissen Stock und/oder mit dem Blindenhund unterwegs sind, sieht man ihnen die Behinderung respektive ihre Einschränkung nicht sofort an. Dies gilt auch für ältere Menschen, für welche die Abnahme der Sehkraft im natürlichen Rahmen verläuft. Hindernisse für Sehbehinderte unterscheiden sich zu denjenigen von Gehbehinderten und verleiten, sie nicht als solche zu erkennen oder zu akzeptieren. Das Sehen ist der bedeutsamste Sinn, über den der Mensch verfügt. Man geht davon aus, dass ungefähr 70 Prozent aller Informationen über das Sehen aufgenommen werden. Umso dramatischer ist die Beeinträchtigung dieses Sinnesorgans. Informationen, welche durch die Sehbehinderungen nicht mehr verfügbar sind, müssen in der Folge auf anderen Wegen gewonnen werden, um sich ein möglichst genaues Bild von der Umwelt machen zu können. An vorderster Stelle steht dabei, neben dem Gehör, der Tastsinn. Er erlaubt es, mit Hilfsmitteln oder im direkten Kontakt mit Oberflächen wichtige Informationen aufzunehmen.

Hindernisse sichtbar machen 
Um selbstständig seinen Weg finden zu können, benötigt der Sehbehinderte klar ersichtliche Objekte und ist auf kleine Absätze und taktile Strukturen in Belägen und Oberflächen angewiesen. Sensoren und Touchscreens sind heute allgegenwärtig und für Sehende sehr angenehm. Für einen Sehbehinderten jedoch stellen sie unter Umständen ein unüberwindbares Hindernis dar. Gerade moderne Lifte bieten oft nur Sensoren als Bedienelemente, was besonders nachteilig ist, weil gerade behinderte und ältere Menschen auf Lifte angewiesen sind. Bei jeglicher Art von Bedienelementen ist es somit wichtig, dass Tastaturen als solche erkenn- und ertastbar sind. Auch Ausstattungselemente wie z.B. Bäume, Plakatwände oder Veloständer und Verkehrstafeln können gefährliche Hindernisse sein, wenn sie nicht rechtzeitig wahrgenommen werden können, oder innerhalb des Gehbereichs ertastbar sind. So gilt es einerseits Hindernisse wie Glastüren und -elemente sichtbar zu machen, Tafeln und Reklamen normgerecht zu installieren, damit sich Sehbehinderte nicht verletzen können, oder Elemente wie z.B. Briefkästen nicht einfach in Wegbereiche ragen zu lassen. Andererseits geht es aber auch darum, Gehbereiche und Wegführungen mit ertastbaren Strukturen, wie z.B. Bodenmarkierungen bei Haltestellen, und durchdachten Leitliniensystemen zu versehen, welche es einem Sehbehinderten ermöglichen, sich relativ selbstständig im Ort zu orientieren.

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