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Implenia-Aus in Graubünden

Implenia-Aus in Graubünden

Der Schweizer Baukonzern Implenia macht fast alle seine Bündner Standorte dicht. Betroffen sind etwa 150 Angestellte, die nun um ihre Arbeit bangen müssen.

Südostschweiz
vor 1 Woche in
Wirtschaft
Tiefbau Strassenbau
Keine Zukunft in Graubünden: Implenia schliesst den Tief- und Strassenbau im Kanton. SYMBOLBILD
PHILIPP BAER

Implenia plant, bis Ende Jahr die Standorte Davos, Zernez, St. Moritz und Sils ganz zu schliessen, wie der Konzern am Dienstagabend mitteilte. Der Standort Chur wird teilweise geschlossen. Implenia zieht sich an seinen fünf Bündner Standorten aus dem Strassen-, Tief- und Hochbau zurück.

Der Baukonzern sei bestrebt, für die rund 150 betroffenen Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung innerhalb von Implenia oder Anschlusslösungen bei einem neuen Arbeitgeber zu finden, hiess es. Wo Entlassungen unvermeidbar seien, werde ein Sozialplan zum Tragen kommen. Betroffen sind Bauarbeiter, Lageristen, Büroangestellte und Werkhofmitarbeiter. Die Angestellten wurden über die Pläne informiert. Der Konzern hat ein Konsultationsverfahren gestartet.

Als Grund für den Rückzug nennt Implenia die Eigenheiten des Bündner Geschäftes, welches stark lokal und saisonal geprägt sei und meist aus sehr kleinen Projekten bestehe. Zudem herrsche Aufgrund von Überkapazitäten starker Konkurrenzdruck. 
Am Standort Chur bleibt der Baukonzern laut Mitteilung im Hochbau als Gesamtleister und Schlüsselfertigbauer tätig, etwa als General- oder Totalunternehmer.

Gewerkschaften fordern Verzicht auf Entlassungen

Die Gewerkschaften Syna und Unia verurteilten den Schritt. Trotz guter, wenn nicht rekordhoher Auftragslage stelle die Führung von Implenia Schweiz die Gewinnmaximierung über den Erhalt von Arbeitsplätzen, schrieben sie am Dienstagabend in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Gewerkschaften fordern Implenia auf, auf Entlassungen zu verzichten. Die Firma solle die Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden über die kurzfristigen Renditeziele der Aktionäre stellen. Zudem verlangen die Gewerkschaften eine Verlängerung der Konsultationsfrist bis mindestens Mitte Juni. (sda/so)

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Was bedeutet die Schliessung der Bündner "Tief- und Strassenbau"-Abteilung der Implenia Schweiz AG?
Die 150 Angestellten sollen offenbar von anderen Baufirmen in GR übernommen werden. Und das Strassenbaubudget des Kantons 2021 bis '24 von 783 Millionen bleibt sich auch gleich.
Andererseits müsste aus Umwelt-/Gesundheits-Gründen wohl praktisch ALLES gestoppt werden (und Rückbau, Renaturierung nötig sein):
Siehe Kommentare:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2021-04-25/die-st-luzi-brueck…
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2021-05-01/corona-eigenverant…
Und siehe aktuelles Interview (hier ein Teil davon):
Der Philosoph Wolfram Eilenberger glaubt, dass wir keine Lösungen für die Probleme des Planeten haben. Um zu wissen, was kommt, müssten wir nur das Ruhrgebiet betrachten.
ZEIT ONLINE: Worüber denken Sie gerade nach, Wolfram Eilenberger?
Wolfram Eilenberger: Ich denke nicht über die konkrete Covid-Wirklichkeit nach, sondern in der Folge von Covid über die Zukunft unserer Lebensform. Ich bewege mich dabei auf den Spuren der Philosophin Simone Weil und ihrer Begriffe von Entwurzelung und Verwurzelung, die sie in den frühen 40er Jahren entwickelt hat. Der Ort, mit dem ich mich jetzt für ein neues Buch besonders beschäftige, ist das Ruhrgebiet, denn diese Region verstehe ich als ein Emblem unserer eigenen Lage der Entwurzelung: Wir begreifen heute, dass unsere Lebensform nicht fortsetzbar ist und an ein Ende kommt, ohne dass wir wüssten, was an deren Stelle treten kann. Das Ruhrgebiet musste ein solches Abbruchsbewusstsein schon vor 40 Jahren entwickeln.
ZEIT ONLINE: Das Ruhrgebiet steht für den fossil befeuerten Nachkriegskapitalismus. Was hat das mit Covid zu tun?
Eilenberger: Die Covid-Situation bedeutet in meinen Augen nur eine Verschärfung unserer gegenwärtigen Situation, dass wir aus ökologischen Gründen in Einbrüchen und Umbrüchen leben, die unsere Gewohnheiten tief verändern werden. Die Pandemie ist wie ein Testlauf, eine Einübung des Umdenkens. Wir erleben die Corona-Krise auch als Erfahrung eines harten Eingriffs in unsere Freiheitsrechte, gerade darin ist sie eine Art Vorbote für Einschränkungen und einen Verzicht, die nötig sein werden. Das Medium des Rechts, das Urteil des Verfassungsgerichts vor wenigen Tagen zeigt es, wird hier eine wesentliche Rolle spielen – und ein bisher leitendes Freiheitsverständnis wohl zur Ablösung bringen. Das Ruhrgebiet als Emblem des Aufbruchs und des Abbruchs des fossilen Kapitalismus führt uns vor Augen, mit welcher Wucht vormals selbstverständliche Grundlagen einer Lebensform fraglich und brüchig werden können.