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Die Alpenpioniere holen alles aus den Hanfnüssli

Alpenpionier ist der schweizweit grösste Hanf-Lebensmittel-Produzent. Das junge Bio-Unternehmen ist für den Bio-Grischun-Preis nominiert.

Ursina
Straub
Donnerstag, 31. Januar 2019, 04:30 Uhr Bio-Grischun-Preis
Emanuel Schütt Mitbegründer Alpenpionier.
YANIK BÜRKLI

Dass viel in den knapp vier Millimeter grossen Hanfsamen steckt, war Emanuel Schütt schnell klar. Von einem Freund hatte er Hanföl aus Slowenien erhalten mit dem Hinweis, dieses sei dort für die kalte Küche überaus populär. Also begann er zu recherchieren und erkannte, dass die Mini-Früchte der Hanfpflanze kleine Kraftpakete sind: Sie enthalten ungesättigte Fett- und essenzielle Aminosäuren, kombiniert mit einer guten Portion Ballaststoffen und Eiweiss.

Schütt, gelernter Gärtner und Experte Intensivpflege, war bald begeistert von der pflanzlichen Proteinquelle. Und seine beiden Mitstreiter der ersten Stunde, Carlo Weber und Adrian Hirt, beides Lebensmitteltechnologen, waren es auch. Die drei Alpenpionier-Köpfe wollen eine der ältesten Nutzpflanzen zurück auf den Teller bringen. Nutzhanf wurde auch in Graubünden bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts kultiviert, allerdings vor allem der Fasern wegen.

Ausser Frage stand für die Alpenpioniere, dass der Hanf biologisch angebaut werden soll. «Aber wir wollen auch jung, frisch und modern sein und eine Geschichte zu den Produkten erzählen», sagt Schütt. Deshalb gehören auch Markenbotschafter zu den Mitbegründern des jungen Unternehmens: der Profi-Snowboarder Nicolas Müller, die Spitzenköchin Rebecca Clopath und die ehemalige Skiakrobatin Mia Engi.

Anbaufläche verfünffacht

40 Tonnen biologische Hanfnüsse von 46 Hektaren Land haben die Alpenpioniere im vergangenen Herbst geerntet. Und damit die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Rund die Hälfte der Hanffelder liegt gemäss Schütt in Graubünden, etwa in Maienfeld, Bonaduz und Tschiertschen, im Domleschg und Schams sowie im Albulatal, Puschlav und Unterengadin. Der Lebensmittelhanf enthält kaum THC, wirkt also nicht berauschend. Wozu der Hanf angebaut wird, steht erklärend neben jedem Feld auf einer Tafel. Zudem erhält die Kantonspolizei jeweils im Frühling eine Karte mit allen Anbaustandorten.

Landwirte offen für Hanf

Es sei relativ einfach gewesen, Landwirte für den Anbau zu gewinnen, erzählt Schütt. Er habe vor zwei Jahren einfach Bündner Bio-Ackerbauern angerufen. «Die Reaktionen waren erstaunlich positiv», berichtet er. Rund dreissig neue Landwirte sind im vergangenen Jahr dazu gekommen. Und heuer wollen die Alpenpioniere die Anbaufläche noch einmal vergrössern: auf 50 bis 60 Hektaren.

Für Experimentierfreudige und Gesundheitsbewusste

Aus den potenten Nüssen werden Lebensmittel produziert. Oder wie Schütt sagt: «Gesundheit, die schmeckt»: kalt gepresstes Hanföl, geröstete und gesalzene Knabbernüsse, Hanfpasta und Hanfpulver für übers Müesli oder in den Smoothie. Noch in diesem Jahr werden auch ein Sportriegel und ein Hanfbier lanciert. Beide sind, wie alle Alpenpionier-Produkte, Bio-Suisse-zertifiziert. Sie seien schweizweit die grössten Produzenten von Hanf-Lebensmitteln, betont Schütt.

Verkauft wird über den Alpenpionier-Online-Shop und bei rund 100 Wiederverkäufern. Das sind mitnichten nur Biomärkte, sondern auch Apotheken und Feinkostläden. Die Käuferschaft ist breit. Denn die Markenbotschafter sprechen unterschiedliche Kundengruppen an. Da ist zum einen die Silver Society, die gesundheitsbewusste und aktive ältere Generation. Dann die kulinarisch Interessierten, die gerne an den Kochtöpfen experimentieren. Und schliesslich die sportlichen Jungspunde, die gesunden Superfood schätzen.

Die ganze Pflanze verarbeiten

Obschon man mit dem nachwachsenden Rohstoff praktisch alles herstellen kann, will sich Alpenpionier vorerst auf Lebensmittel und einige wenige aus Hanf hergestellte Kosmetika beschränken. Die Fühler strecken die Pioniere aber dennoch aus, denn letztlich soll die ganze Pflanze samt und sonders bis zur letzten Faser verarbeitet werden. «Aus Hanf lässt sich von Arzneimitteln über Dämmmaterial bis zu Papier und Kleidern praktisch alles produzieren», bemerkt Schütt. «Und als Lebensmittel ist der lokale Hanf verglichen mit der importierten Soja eine echte Alternative.»

Bio-Grischun-Preis wird zum 15. Mal verliehen
Mit dem Bio-Grischun-Preis werden alljährlich Personen oder Institutionen ausgezeichnet, die sich im biologischen Landbau in Graubünden verdient gemacht haben. Eine siebenköpfige Jury wählt die Preisträgerin oder den Preisträger aus. Dieses Jahr wird die Auszeichnung zum 15. Mal vergeben. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 14. Februar, am Plantahof in Landquart statt. Das Preisgeld entspricht jeweils der Jahreszahl, somit beträgt es heuer 2019 Franken. Für den Bio-Grischun-Preis nominiert sind neben dem Alpenpionier in Tschiertschen auch die Bieraria Tschlin in Martina sowie die KAG-Bio-Produzen- tengruppe im Prättigau. (us)

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