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Die meisten «Sesseli» bleiben leer

Nach den Lockerungen ist der Besucherandrang bei den regionalen Bergbahnen, auf den Schiffen und im Kino noch verhalten.

Urs
Zweifel
Montag, 08. Juni 2020, 21:49 Uhr Letzte Lockerungen
Kaum Gäste: Diese Katze kann im Atzmännig ungestört umherstreunen.
Bild Urs Schnider

Der corona-bedingte Shutdown dauerte für sie am längsten: Nach fast drei Monaten Stillstand durften am vergangenen Wochenende nun auch die regionalen Badis, Bergbahnen, Kinos, Kleinbühnen, Schiffe, Theater und der Kinderzoo wieder den Betrieb aufnehmen. Die Wiedereröffnung verlief allerdings nicht überall gleich erfolgreich. Da und dort hielt sich der Publikumsaufmarsch noch in Grenzen, wie eine Umfrage in der Region zeigt.

Das lag laut Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig AG, vor allem am regnerischen Wetter, welches am Wochenende vorgeherrscht hatte. 

«Während des Lockdown schien während vielen Wochen meist die Sonne, aber ausgerechnet zum Neustart war es grau und nass.»

Trotz der etwas besseren Witterung am Samstag, seien die Leute nur spärlich in den Freizeitpark gekommen. So sei auch die geöffnete Rodelbahn nicht gross genutzt worden.

Nicht nur die Ausflügler, auch die Wanderer blieben mehrheitlich aus. An Spitzentagen befördere die Sesselbahn bis zu 3000 Personen, am Samstag hätten sie gerade mal um die 100 Fahrgäste gezählt, erklärt Meier. Entsprechend einfach sei es gewesen, die Schutzmassnahmen einzuhalten.

Nur rund 50 Fahrgäste

Nicht besser als den Sportbahnen im Atzmännig erging es zum Saisonstart jenen in Amden. «Der Samstag war zwar noch überraschend gut», sagt Thomas Exposito, Geschäftsführer von Amden & Weesen Tourismus. Vom Betriebsleiter der Sportbahnen wisse er, dass am Samstag rund 50 Personen mit der Sesselbahn Mattstock transportiert worden seien.

Der Sonntag fiel dann aber ganz ins Wasser. Bis Mittag ist die Bahn gemäss Exposito noch gelaufen. Am Nachmittag wurde der Betrieb dann eingestellt. Kein einziger Fahrgast wollte bei diesem Regenwetter Richtung Mattstock. Wenigstens konnte das Bahnpersonal die beiden Tage für Schulungen rund um die Corona-Schutzmassnahmen nutzen.

Letzter Längskurs fällt aus

Wie den Bergbahnen machte das Wetter auch der Schifffahrt auf dem Walensee einen Strich durch die Rechnung. Markus Scherrer, Betriebsleiter der Schiffsbetrieb Walensee AG, lässt verlauten:

«Nur geschätzte 200 bis 300 Passagiere waren auf unseren Schiffen unterwegs»,

Am Samstag seien noch erstaunlich viele Wanderer und Ausflügler unterwegs gewesen, am Sonntag dann aber nur noch ein paar Dutzend. Die letzte Längsfahrt habe man wegen fehlender Passagiere sogar ausfallen lassen.

Die Schiffe der Schiffsbetrieb Walensee AG verkehren auf der Linie Murg–Au–Quinten–Murg gemäss Sommerfahrplan und auf dem Kurs Weesen–Walenstadt–Weesen vorerst am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Ab 4. Juli dann täglich. Wegen der Corona-Pandemie dürfen je Längsfahrt höchstens halb so viele Passagiere befördert werden wie üblich. Anders verhält es sich bei der Querverbindung von und nach Murg. Weil es sich hier um eine ÖV-Linie handelt, ist die Platzzahl nicht eingeschränkt. Es gelten die gleichen Schutzkonzepte wie bei Bahn und Bus.

Anpassungen im Fahrplan

Noch keine Aussagen zum Passagieraufkommen kann die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) machen. Deren Schiffe sind erst seit gestern wieder auf dem See unterwegs. Die ZSG hat gemäss Mediensprecherin Elena Stadelmann immer damit gerechnet, dass die Lockerungen erst ab 8. Juni in Kraft treten würden. Auch hätten sie den Schiffsbetrieb erst am Montag aufgenommen, «weil wir seit diesem Jahr mit einem komplett neuen Fahrplan unterwegs sind und die Schutzmassnahmen die Rahmenbedingungen verändert haben», so Stadelmann.

Alle Schiffe würden nun wie gewohnt auf Ober- und Zürichsee verkehren. Weil auf den Schiffen wegen der Corona-Auflagen weniger Fahrgäste aufgenommen werden könnten, brauche es weniger Saisonmitarbeiter. Dies führe zu Anpassungen im Fahrplan für den Juli und August. Für diese Monate gelte nun derselbe Fahrplan wie im Mai, Juni und September.

Auch die Tiere freuen sich

Recht positiv fällt die Bilanz zur Eröffnung im Kinderzoo in Rapperswil aus. Der Direktor Franco Knie sagt:

«Der Andrang war nicht übermässig, am Samstag und Sonntag hatten wir aber doch einige hundert Personen im Zoo.»

Sie hätten sich sehr gefreut, den Zoo wieder öffnen zu können. Den Besuchern sei es offenbar gleich ergangen. Die ersten seien am Samstag schon um 8.30 Uhr angestanden, eine halbe Stunde vor Einlass.

Die gute Stimmung hat sich laut Knie auch auf die Tiere übertragen. Dank den Besuchern laufe wieder mehr im Kinderzoo, die Tiere seien dadurch wieder aktiver. Dies zeige sich etwa bei den Giraffen, denen die Besucher dank einer Plattform auf Augenhöhe begegnen könnten.

Knie ist für den weiteren Verlauf der Saison zuversichtlich. Das Schutzkonzept habe in den ersten Tagen gut funktioniert. Die Kinderzoo-Besucher würden sich gut daran halten. Knie rechnet trotz der Einschränkungen auch für diese Saison mit einem ungebrochenen Publikumsinteresse.

Mehr Publikum erwartet

Davon wünscht sich Hansjörg Beck, Leiter der Kinoevent GmbH in Rapperswil, noch etwas mehr. Die Kino-event GmbH betreibt das Schlosskino und die Kinobar Leuzinger. Während das Schlosskino erst in rund zwei Wochen öffnet, liefen in der Kinobar bereits am Wochenende wieder Filme. «Wir hätten gerne noch einige Besucher mehr empfangen», sagt Beck. Wegen des schlechten Wetters hatte er mit einem grösseren Interesse gerechnet. Insgesamt seien sie aber zufrieden und der Start stimme «vorsichtig optimistisch». Zahlen will Beck keine nennen. Er sagt lediglich, dass sie bei Weitem nicht an die Kapazitätsgrenzen gestossen seien. Die Kinobar Leuzinger bietet 290 Plätze.

Für Beck ist abgesehen von den Besucherzahlen auch wichtig, dass sich die Abläufe mit den Schutzmassnahmen nun beim Personal und den Besuchern gut einspielen und sich die Kinogänger sicher fühlen. Er sagt:

«Im grossen Kino besteht keine Gefahr, dass man sich zu nahe kommt.»

Vollunterricht läuft problemlos an
Gestern sind nach vier Wochen Halbklassenunterricht auch die St. Galler Volksschulen wieder in den Normalbetrieb zurückgekehrt. «Auf den Pausenplätzen ging es wieder lauter zu und her», erklärt Ruedi Eicher, Schulleiter Kindergarten/Primarschule in Schänis. Ansonsten mache die Lehrerschaft nun wieder die gleiche Arbeit wie vor Mitte März. «Die Freude, dass wir wieder normal unterrichten können, ist gross.» Und die Kinder könnten wieder ihre sozialen Kontakte pflegen. Manche hätten sich wegen Homeschooling und verschiedener Gruppeneinteilung bei den Halbklassen wochenlang nicht mehr gesehen. Die Umstellung auf den Vollunterricht sei problemlos abgelaufen. Die Schüler und Lehrer hielten sich gut an die Hygiene- und Abstandsregeln. Während der Halbklassen-Phase hätten sie sich schon daran gewöhnen können. (uz)

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