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Martin Hug: «Der Frust sitzt tiefer als der Schock»

Am Freitag hat der Bundesrat sämtliche Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern untersagt. Davon betroffen sind auch Skigebiete. Der Grossteil hält sich daran, andere möchten von den Massnahmen nichts wissen. Dieses Verhalten stösst auch bei Martin Hug, Präsident der Bergbahnen Graubünden, auf Unverständnis. Jetzt interveniert das BAG.

Südostschweiz
Sonntag, 15. März 2020, 04:30 Uhr Corona-Massnahme
Neujahrsapero GRF
Beim Neujahrsapéro von Graubünden Ferien im Churer Marsöl war die Welt von Martin Hug (r.) und seiner Bergbahnen noch in Ordnung.
YANIK BÜRKLI

Der Bundesrat kommunizierte am Freitag, dass alle Veranstaltungen mit über 100 Personen untersagt sind. Das gilt von Sport-, über Konzert- bis hin zu allen anderen Veranstaltungen. Darunter zählen auch Freizeitaktivitäten in den Skigebieten. Auf Anordnung des Kantons haben alle Skianlagen in Graubünden ihren Betrieb eingestellt. Eine Massnahme, die sich angekündigt hatte, so Martin Hug, Präsident der Bergbahnen Graubünden, gegenüber Radio Südostschweiz: «Man musste nur nach Deutschland, Österreich oder Italien schauen. Es war eine Sache, womit man rechnen konnte.» Und so war es für den Präsidenten der Bergbahnen Graubünden, der unter anderem für Weisse Arena tätig ist, kein Schock, sondern mehr ein Frust, der bis heute anhält. Vor dem Entscheid hat man mit dem Kanton alles vorbereitet, um bis am Sonntag einen geordneten Umstieg zu machen, so Hug. Da der Betrieb nun nicht am kommenden Montag eingestellt wird, sondern bereits kurz nach der Bekanntgabe der Massnahme eingestellt wurde, sind seine Erwartungen an die Behörde «riesengross».

Denn die Bergbahnen in Graubünden beschäftigen unzählige Leute - einen Grossteil von ihnen hat Saisonverträge. Man habe ganz klare Forderungen, die man auch mit der Seilbahn Schweiz und anderen Regionalverbände abgemacht hat, dass man sofort nach dem Shutdown die Kurzarbeit ausdehnt. Das soll für Mitarbeiter der Bergbahnen gelten, auch für die, die befristete Verträge haben, sagt Hug und fügt hinzu: «Jetzt braucht es neue Regeln und pragmatische Ansätze. Wenn man solche einschneidende Massnahmen verfügt, dann darf man auch erwarten, dass Seco, Kanton und Bund bis Mitte nächste Woche glasklare und unkomplizierte Aussagen machen.» 

«Wenn der Bund verfügt, dann halten wir uns auch daran»

Auch wenn beim Präsidenten der Bergbahnen Graubünden viele Fragen offen stehen, hält er sich diskussionslos an die Verfügung des Bundes und kann über das Verhalten anderen Bergbahnen, die sich nicht daran gehalten haben oder immer noch nicht daran halten, nur den Kopf schütteln: «Als Präsident habe ich dafür kein Verständnis, kann aber auch keine Auskunft geben, was die Beweggründe von Engelberg und Berner Oberland sind.» Gemeint sind die Skigebiete Jungfrau, Gstaad und Engelberg, die von einem vorzeitigen Saisonende nichts wissen wollten. Bis am Samstagnachmittag dann eine deutliche Forderung des BAG kam: «Das Bundesamt für Gesundheit fordert jene Skigebiete, die noch immer offen sind, dazu auf, den Betrieb umgehend zu schliessen.» Es dauerte nicht lange, bis die drei eben erwähnten Skigebiete der Verfügung nachgekommen sind. (huj)

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