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Nicht alle «kleinen» Skigebiete leiden

Nach wie vor lässt der grosse Schnee in Graubünden auf sich warten. Neben den grossen Wintersportgebieten im Kantons kämpfen auch kleinere Bergbahnen mit Wetter und Klima. Wir haben in Tschiertschen, Hochwang und Tschappina nachgefragt, wie die (Stimmungs-)Lage derzeit so ist.

Philipp
Wyss
Sonntag, 09. Februar 2020, 04:30 Uhr Schneekanonen helfen
In Tschiertschen fehlt aktuell der Schnee. ARCHIV

Von den angefragten drei Gebieten ist Tschiertschen das einzige, das nicht über Schneekanonen verfügt – und dies vorweg: Deshalb auch am stärksten leidet, wie Martin Weilenmann, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Tschiertschen, auf Anfrage sagt. Schneekanonen würden helfen, seien aber aus finanziellen Überlegungen kein Thema, sagt Weilenmann. Er spricht nach wie vor von einer schwierigen Situation am Berg. Nach dem Kauf des Berggasthauses’ «Furgglis» durch die Gemeinde Ende des vergangenen Jahres habe man zwar wieder etwas Luft bekommen. «Aktuell liegen aber lediglich 20 bis 40 Zentimeter Schnee. Deshalb sind wir am Zaubern und leben von einem Mikroschneefall bis zum nächsten.» Normal wären laut Weilenmann 50 Zentimeter.

Entsprechend würden auch die bisherigen Besucherzahlen unter jenen des Vorjahres liegen. «16 Prozent hinken wir dem Vorjahr hinterher», so Weilenmann. Und mit einer Besserung rechnet der Chef nicht mehr. «In Zürich ist es derzeit so warm und es blühen die Blumen, so dass unsere Tagesgäste, die grösstenteils aus dem Unterland kommen, nicht mehr die Skier auf den Autodachträger montieren und zu uns kommen.»

Von Klimaveränderung stark betroffen

Als ein Fass ohne Boden will Weilenmann die Wintersportsituation in Tschiertschen nicht bezeichnen. Es komme auf das Klima drauf an. Die Unterstützung der Gemeinde, der Einwohner und der Zweitwohnungsbesitzer sei vorhanden, sagt Weilenmann. Aber persönlich glaubt er nicht, dass es mit dem Klima und damit mit Schnee in tiefen Lagen besser werden wird. «Ich glaube, dass Klimaveränderungen kommen.» Und auch wenn Tschiertschen nicht das tiefstgelegene Wintersportgebiet in Graubünden sei, so sei es doch ein Gebiet, dass von Klimaveränderungen stark betroffen sei. «Diesbezüglich habe ich meine Meinung geändert. Die Frage sei aber stets, ist das Glas halb voll oder halb leer.»

Grundsätzliche Sorgen um die Bergbahnen Tschiertschen macht sich Weilenmann dennoch nicht. Und man kämpfe auch um jeden Gast. Das überspiele aber die Klimaveränderungen nicht. So oder so: Abgerechnet wird in Tschiertschen Ende Saison, Mitte März.

Im Skigebiet Hochwang herrscht derzeit Hochbetrieb. ARCHIV OLIVIA AEBLI-ITEM

Anders sieht die Situation derzeit in Hochwang aus, wie Matthias Kappeler, Kommunikationsverantwortlicher bei den Sportbahnen, sagt. «Es geht uns gut, wir haben Schnee in Hülle und Fülle. Und genügend Schnee heisst bei uns auch genügend Gäste, so Kappeler. Der Gästezulauf sei vergleichbar mit dem vergangenen, guten Jahr. Entsprechend zufrieden zeigt sich Kappeler. Zwar hätte er sich im Januar mehr Schnee gewünscht, dieser kam bislang aber stets zur rechten Zeit; zum Beispiel für die Eröffnung im Dezember. Und im Januar habe man kritische Stellen mit Kunstschnee ausbessern können.

Aktuell ist nach dem grossen Regen der grosse Schnee gekommen, sagt Kappeler. Schnee bedeute Leute und Einnahmen. Jammern könne man immer, das wäre aktuell aber auf einem hohen Niveau, so Kappeler. Für den finanziellen Abschluss sind jedoch die nächsten drei Wochen entscheidend. So sind laut dem Mediensprecher die Monate Dezember und Februar die einnahmestarken Monate. und entsprechend hofft Kappeler auf schöne Wochenenden. Das alleine wären gute Aussichten bis zum Saisonende am 22. März.

Auch Tschappina ist die aktuelle Situation nicht besorgniserregend. ARCHIV OLIVIA AEBLI-ITEM

Ebenfalls nicht unglücklich mit der aktuellen Situation ist Markus Hemmi. Im Gegenteil gibt sich der Betriebsleiter und Rettungschef der Skilifte Tschappina-Lüsch-Urmein AG mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden. «Wir konnten früh beschneien und entsprechend den Schneesportbetrieb früh aufnehmen», sagt Hemmi. Im Gebiet gebe es einen grossen Anteil Kunstschnee. «Im Vergleich mit dem Vorjahr sei bisher eine leichte Steigerung festgestellt worden», so Hemmi weiter. Ob es ein durchschnittlichenr oder ein guter Winter wird, würden die bevorstehenden Ferienwochen sowie das Wochenendwetter entscheiden. Denn laut Hemmi kommt der Tagesgast nur an schönen Wochenendtagen auf die Pisten. Geplanter Saisonschluss der Anlagen Tschappina-Lüsch-Urmein ist Ende März.

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