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«Du dreckshuara Rotsocka, gang usem Weg»

Immer wieder kommt es auch in unserer Bergwelt zu unschönen Begegnungen zwischen Wanderern und Bikern. Beide Seiten bieten und erwarten Toleranz.

Philipp
Wyss
Mittwoch, 24. Juli 2019, 04:30 Uhr Wanderer gegen Biker
In den Bündner Bergen wird entlang von Wanderwegen und Biketrails um Verständnis geworben.
PRESSEBILD MOUNTAIN HOTELS DAVOS KLOSTERS

Kürzlich hörte ein Biker auf einer Bündner Strecke einen anderen Biker fluchen: «Du dreckshuara Rotsocka, gang usem Weg», schrie dieser einen Wanderer an.

Der Biker, der uns diese Episode erzählt, bezeichnet viele Wanderer als unfreundlich. Sie grüssten nicht und seien schon «hässig», wenn sie Biker erblickten, sagt er. Er sei auch schon handgreiflich angegangen worden. Im Gespräch konnte die Situation dann aber friedlich geklärt werden. Allerdings, so der Biker weiter, werde es besser, je höher man auf einen Berg hochfahre. Kürzlich sei er gar mit Wanderern ins Gespräch gekommen, man habe über die Wege und die Rückkehr ins Tal gesprochen, so der Biker.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten und beleidigende Aussagen würden dem gegenseitigen Verständnis schaden. Der Biker selbst plädiert für ein Miteinander. Die Wanderer seien wohl zuerst Berge rauf und wieder runter gelaufen. «Also können doch wir Biker uns anpassen». Die Co-Existenz solle gross geschrieben werden.

Von Gesetzes wegen ist die Sache klar: Biker dürfen in Graubünden auf Wanderwegen fahren, sagt Peter Oberholzer. Er ist Projektleiter Langsamverkehr beim Tiefbauamt Graubünden.

Auf der Lenzerheide wird Biken und Wandern gross geschrieben. PRESSEBILD

Dennoch stellt sich die Problematik zwischen Wanderern und Bikern. Zum Beispiel im Engadin. Aus diesem Grund wird in St. Moritz ein Wochenende im Zeichen der gegenseitigen Toleranz organisiert. An der Seepromenade bei der Kunsteisbahn Ludains erhalten Gäste und Passanten die Möglichkeit, Bikes und Wander-Equipment zu testen. Die IG Bündner Bikeguides bietet Bike-Kurse an und die Bündner Wanderwege betreiben einen Fussparcours. Denn das Miteinander verlaufe nicht immer ohne Probleme.

Laut einer Mitteilung der Gemeinde St. Moritz komme es immer wieder zu Beschwerden von Wanderern und Bikern. Wir wollten es genau wissen und haben bei der Fachstelle für Langsamverkehr beim Tiefbauamt Graubünden nachgefragt.

Schilder an Wanderwegtafeln werben für Toleranz zwischen Wandern und Bikern. PRESSEBILD

Anfang Jahr veröffentlichte die Fachstelle für Langsamverkehr die «Reklamationsanalyse Wandern». Sie wurde im Auftrag des Projekts Graubünden Hike durch die HTW Chur zusammengetragen und evaluiert, wie Projektleiter Peter Oberholzer auf Anfrage erklärte. Die Daten stammen aus dem Sommer und Herbst 2018. Darin sind 204 Reklamationen aus 15 Organisationen zusammengetragen. Im Jahr zuvor waren es noch 166 Reklamationen.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die wichtigsten Kategorien weiterhin die Signalisation (65 Nennungen), der Konflikt zwischen Bikern und Wanderern (54 Nennungen) und die Kategorie Wegnetz/Infrastruktur (50 Nennungen). Auffällig dabei ist, dass im Vergleich zum Vorjahr im Verhältnis (Zunahme der Reklamationen insgesamt) das Thema Signalisation wichtiger geworden und das Thema Konflikt zwischen Bikern und Wanderern leicht wichtiger geworden ist.

Insgesamt wurden 204 Reklamationen aus 15 Organisationen gesammelt und ausgewertet. Die gesammelten Reklamationen verteilen sich über den gesamten Kanton, wobei es zu einer Häufung in einigen Regionen kommt. Zurückzuführen ist dies laut Oberholzer auf die unterschiedlichen Systematiken der Datensammlung in den einzelnen Destinationen.

Velo
Ein Bikeweg im Albulatal. ARCHIV

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Die 56 Reklamationen zum Thema «Konflikt mit Bikern und anderen Nutzern» gehören zu den drei Hauptkategorien. 54 dieser Nennungen betreffen das Verhältnis Biker und Wanderer. Hier gibt eine leichte Zunahme zu 2017 und eine eindeutige Verbindung zu den Untersuchungen aus früheren Studien von Graubünden Bike, schreibt das Amt.

Die Themen, welche Wanderer hier nennen, teilen sich dabei auf: Einerseits beklagt sich ein Grossteil der Wanderer in diesen Reklamationen über Biker auf den Wegen, von welchen sie sich gestört fühlen. Andererseits bemängeln einige wenige Wanderer nicht direkt das Zusammentreffen mit Bikern, machen diese aber für den schlechten Zustand der Wanderwege verantwortlich, da die Wege von den Bikern teilweise in Mitleidenschaft gezogen werden.

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In der Analyse fordern einige Wanderer getrennte Wegstrecken für Biker und Wanderer. Insbesondere fällt auf, dass die Reklamationen häufig in bekannten Bike-Destinationen geäussert wurden.

Diesbezüglich läuft in Graubünden etwas: So werden Bike- und Wanderwege derzeit vielerorts entflechtet. Ein diesbezüglicher Vorreiter ist die Region Lenzerheide/Arosa.

Und hier noch etwas für die Nostalgiker unter Euch:

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War eine Frage der Zeit bis es so kommt, die Biker nehmen keine Rücksicht auf die Wanderer, das gefährliche daran ist, die Biker kommen so schnell und recht ruhig zu eim. Um ein Zusammenpralen zu verhindern muss der Wandererr oder die Gruppe richtig Wegspringen, Auf Wanderwegen sollten Biker nichts zu suchen haben, die Biker denken sie haben immer Recht.

Runter bike ich jeweils ausschliesslich auf Wanderwegen. Seit gut zweieinhalb Jahren vorwiegend im Prättigau. In dieser Zeit (ca. 600'000 Höhenmeter rauf/runter, knapp 9000 km, über 900 Std. Fahrt) hatte ich kein einziges wirklich negatives Zusammentreffen mit Wanderern. Klar gibt's unfreundliche Zeitgenossen, die kaum ein Wort über ihre verbiesterten Lippen bringen, obschon ich ihnen immer den Vortritt gewähre, jeweils vom Bike steige, Platz mache und freundlich grüsse. Aber die freundlichen Begegnungen überwiegen. Haushoch! Immer mal wieder ergeben sich freundliche Gespräche, wenn man sich Zeit nimmt. Viele bedanken sich sogar, dass ich – auf Singletrails immer – anhalte oder – auf breiteren Wegen ins Schritttempo abbremse. Und fast jeder Wortwechsel beginnt mit einem positiven "Aha! Noch ohne Motörchen unterwegs!" ...

Die Fragestellung "stört ihr euch an Wanderern und Bikern" ist definitiv nicht zielführend. Es ist doch so, dass sich Wanderer an Bikern und Bikern an Wanderern stören, das ist der heutige Egoismus der uns auch auf den Strassen verfolgt. Es wäre doch ein Einfaches die Wege zu teilen, Wanderwege sind Wanderwege, Biketrails sind Biktrails und schon hätten alle was davon ohne Stress zu verursachen. Selbstverständlich sind für Biker Wanderer unfreundlich und umgekehrt, grüssen tun alle nicht sehr gerne den Anderen.

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