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Seilziehen um Ammler Seilpark zieht sich hin

Das Freizeitangebot in Amden soll um einen Seilpark erweitert werden. Pro Natura stellt aber Bedingungen, deren Erfüllung mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant. Und auch das Geld ist noch nicht beisammen.

Daniel
Graf
Donnerstag, 14. Februar 2019, 14:49 Uhr Amden

Der Schnee wird in Amden immer weniger – und das Freizeitangebot im Sommer deshalb für den Tourismus immer wichtiger. Aus diesem Grund würde Amden Weesen Tourismus im Arvenbüel gerne einen Seilpark bauen: Auf acht Routen sollen Touristen und Ausflügler in luftiger Höhe zwischen den Bäumen herumkraxeln können. Das Projekt sollte 2012 ursprünglich in einem anderen Waldstück realisiert werden. Doch ein Sturm zerstörte den dafür vorgesehenen Wald (diese Zeitung berichtete).

Alte Forderungen bleiben

Also wurde das Projekt leicht nach Südwesten verlegt, direkt hinter den Tennisplatz. Wie schon 2012 meldete der Naturschutzverein Pro Natura aber auch hier Bedenken an: Das Gebiet ist geschützt, nahe des geplanten Seilparks befindet sich ein Hochmoor von nationaler Bedeutung.

Die Auflagen sind dieselben wie beim ersten Projekt: «Zwischen dem Seilpark und dem Hochmoor muss eine Pufferzone von 15 Metern eingerichtet werden. Diese ist ausserdem in der Schutzverordnung zu verankern», fordert Christian Meienberger von Pro Natura St. Gallen-Appenzell.

Noch im Sommer kündigte Amdens Gemeinderatsschreiber Roman Gmür an, im Herbst über das Baugesuch zu entscheiden. Daraus wurde nichts: «Die Baubewilligung liegt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor», sagt Thomas Exposito, Geschäftsführer von Amden Weesen Tourismus.

Die Forderung nach der Pufferzone könne zwar eingehalten werden: «Wir haben die Anlage so umgeplant, dass sämtliche benötigten Bäume sich mindestens 15 Meter vom Hochmoor entfernt befinden», sagt Exposito.

Wenige Monate bis einige Jahre

Mehr Zeit nimmt aber offenbar die Überarbeitung der Schutzordnung in Anspruch: «Das Anliegen ist beim Gemeinderat deponiert, er zeigte sich offen, die notwendigen Ergänzungen anzubringen», sagt Exposito. Konkrete Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

Gemeindeschreiber Gmür bestätigt: «Die Tourismusorganisation hat den Antrag, die Pufferzone in die Schutzverordnung aufzunehmen, beim Gemeinderat deponiert.» Dieser stehe allerdings «noch ganz am Anfang» der Abklärungen.

Die Änderung bringe einen nicht zu unterschätzenden Aufwand mit sich: «Als Erstes müssen wir jetzt abklären, was es alles braucht, damit wir die nötigen Änderungen in der Verordnung vornehmen können.» Entsprechende Abklärungen seien derzeit im Gang. «Auf Basis dieser Abklärungen kann der Gemeinderat nachher einen Beschluss fällen», erklärt Gmür.

«Es ist bereits ein Riesenkompromiss, dass wir überhaupt über das Projekt diskutieren.»
Christian Meienberger, Pro Natura St. Gallen-Appenzell

Eine allfällige Ergänzung der Schutzverordnung unterliege daraufhin der öffentlichen Auflage, es können Einsprachen eingehen. Sobald alle Einsprachen bereinigt – oder rechtskräftig entschieden – sind, muss das kantonale Baudepartement die Reglementsergänzung genehmigen, damit diese in Kraft tritt. Kann sich die Gemeinde nicht mit allen Einsprechern einigen, droht im schlimmsten Fall der Gang durch alle Instanzen. «Deshalb kann das Bewilligungsverfahren nur wenige Monate oder aber auch ein paar Jahre dauern», sagt Gmür.

Meienberger von Pro Natura kündigte bereits an: «Ohne abgeänderte Schutzverordnung hat das Projekt bei einem Rekurs keine Chance.» Für ihn ist es bereits «ein Riesenkompromiss, dass wir in einer geschützten Naturlandschaft überhaupt über einen Seilpark diskutieren».

Ein weiterer Knackpunkt ist die Finanzierung des 400 000 Franken teuren Projekts. Der Tourismusverein kann die Kosten nicht allein stemmen und setzt deshalb auf sogenanntes Crowdlending: «Die Idee ist, dass uns viele Interessierte Kredite in Höhe von je 500 Franken geben», erklärt Exposito. Diese Darlehen würden über fünf oder zehn Jahre laufen. Als Zins erhielten die Kreditgeber jedes Jahr einen Gratis-Eintritt in den Seilpark.

Etwas gar optimistisch

Wie viele Personen sich bisher auf dieses Finanzierungsmodell eingelassen haben, will Exposito nicht verraten. «Wir haben den Aufruf in der ‘Ammlerzeitung’ platziert und waren auch am Advents- und am Thomasmarkt präsent. Die Rückmeldungen waren sehr positiv», sagt er. Das Crowdlending soll nur einen Teil des Geldes bringen. «Den Rest finanzieren wir mit anderen Mitteln, etwa über den Fonds Tourismusförderungsabgabe.»

Trotzdem: Dass bis im nächsten Sommer die Schutzverordnung abgeändert, die Baubewilligung erteilt, das Geld beschaffen, der Seilpark gebaut und auch bereits in Betrieb genommen werden kann, scheint angesichts der aufwendigen Prozesse und der klaren Ansage von Pro Natura sehr sportlich. Exposito: «Anfang Juli war noch nicht klar, dass wir die Schutzverordnung anpassen müssen. Dies verzögert die Planung natürlich.» Er bleibt aber optimistisch, eine Realisierung 2019 oder 2020 sei nach wie vor möglich. «Die Erfahrung zeigt, dass ein sportlicher Zeitplan mit Offenheit für Verzögerungen mehr Sinn macht.»

Amden und Weesen Tourismus bleibt vorerst unabhängig
Mit Braunwald, Elm, Glarus und Glarus Nord haben sich kürzlich vier grosse Tourismusorganisationen zur «Visit Glarnerland AG» zusammengeschlossen. Auch Amden und Weesen Tourismus hat von Anfang an Interesse gezeigt, sich dieser Organisation anzuschliessen. Vorläufig winkt Geschäftsführer Thomas Exposito ab: «Wir finden die Idee nach wie vor spannend, lassen uns mit der Entscheidung aber noch Zeit.» Dass es grundsätzlich jederzeit möglich ist, der Organisation beizutreten, bestätigt Manuel Rickenbach von der Firma Consulat AG, einem Büro für Unternehmensentwicklung, das den Prozess begleitet: «Bislang ist noch nicht einmal klar, ob wir den Zuschlag des Kantons Glarus erhalten. Die Ausschreibung für die von Landrat und Gemeinden beschlossenen Aufträge ist öffentlich.» Insofern verstehe er gut, dass Amden und Weesen Tourismus als ausserkantonale Tourismusdestination vorerst ein wenig auf Distanz bleibe.

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