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Hotel «Furtschellas» wird endlich konkret

An der Talstation Furtschellas in Sils Maria könnte ein innovatives Hotel gebaut werden. Für einmal haben die Initianten auch die Naturschützer ins Boot geholt.

Fadrina
Hofmann
Mittwoch, 07. März 2018, 08:00 Uhr Neubau
Auf der grünen Wiese: Bei der Talstation Furtschellas soll ein komplett neues Hotel entstehen.Pressebild

Ein Lifestyle-Hotel mit Restaurants, Bar, Lounge, Wellness und Spa soll auf dem Areal der Furtschellas-Talstation erstellt werden. «Es soll ein ganz neues Hotel entstehen, wo das Gästeerlebnis konsequent im Zentrum stehen wird», verkünden die Corvatsch AG und die Gastgeber 3.0 AG in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Qualität und Innovation, moderne Gastgeber-Teams und New Marketing, das seien die Zutaten für das neue Hotel.

Für sportlich-urbane Gäste

Die Gastgeber 3.0 AG übernimmt die Konzeption und später das Management des Hotels «Furtschellas». «Man kann sicher ein Konzept erwarten, welches von den Technologien her schweizweit führend sein wird», sagt Michael Stutz von Gastgeber 3.0. Die Rede ist vor allem von automatisierten Abläufen im Buchungs- und Zahlungsbereich, beim Check-in oder Check-out und so weiter. «Diese standardisierten Abläufe sollen künftig einfach und unkompliziert übers Handy gehen», erklärt Stutz. Das neue Hotelangebot wird gemäss seinen Auskünften vor allem eine aktive, outdoor-affine, sportlich-urbane Zielgruppe ansprechen. Geplant ist ein Hotel im 3-Stern-Bereich.

«Es braucht Angebote, um die Saison gemeinsam mit den Bergbahnen verlängern zu können.»

Die Gastgeber 3.0 AG verfügt laut Stutz über langjährige Erfahrung im Markt Engadin St. Moritz. Sie betreibt das Hotel «Chesa Rosatsch» in Celerina als Ganzjahresbetrieb. Stutz war von 2011 bis 2016 als Hoteldirektor in der «Chesa Rosatsch» tätig und kennt die Region daher auch persönlich bestens. «Uns liegt das Engadin am Herzen, und es braucht Angebote, um die Saison gemeinsam mit den Bergbahnen verlängern zu können», meint Stutz. Potenzial sieht er in einer attraktiven Vermarktung des Herbstes.

Investition in die Zukunft

In den vergangenen Jahren hat das Oberengadin viele Hotelbetten verloren. Für das Skigebiet Corvatsch und speziell für Furtschellas ist es gemäss Medienmitteilung wichtig, diese verlorenen Betten mit den 116 geplanten Zimmern beziehungsweise rund 230 Betten kompensieren zu können. Die Corvatsch AG hat in den letzten Jahren in neue Bahnanlagen, in die Beschneiung und den Ausbau der Infrastruktur investiert. Neue Angebote schaffen, um die Infrastruktur aufrechterhalten und weiter ausbauen zu können, das ist das Ziel. «Das neue Hotel wird hoffentlich mehr Leute auf den Berg bringen», sagt der Verwaltungsrat der Corvatsch AG, Christoph Klemm.

Die Finanzierung des Hotelprojekts steht laut Klemm noch nicht. Diese soll nach dem Architekturwettbewerb im April angegangen werden. Aus den eingereichten Projekten wird eine Jury ein Siegerprojekt bestimmen. Die Jury besteht bewusst nicht nur aus Vertretern der Fachbereiche Architektur, Hotellerie, Gemeinde und Betreiber, sondern auch ein Mitglied von Pro Lej da Segl wird mitentscheiden.

Die Fachgruppe wird bei ihrer Arbeit zudem vom Amt für Raumentwicklung, vom Amt für Natur und Umwelt und der Pro Natura sowie von der Stiftung Landschaftsschutz beraten. «Damit ist auch die optimale Integration in die Oberengadiner Seenlandschaft gewährleistet», meint Klemm. Er ist davon überzeugt, dass das Hotelprojekt nur erfolgreich sein kann, wenn alle Interessensgruppen ins Boot geholt werden.

Alle ziehen am gleichen Strick

Die momentan anstehenden Projektschritte werden von der Corvatsch AG finanziert. Vonseiten der Gemeinde und des Kantons erwartet Klemm keine Hindernisse, im Gegenteil. «Die Gemeinde ist ein aktiver Planer und hat die ganze Vorarbeit mit dem Kanton geleistet», sagt er. «Es ist ein gemeinsames Projekt, um zu versuchen, diese Region wieder mehr zu beleben», meint der Verwaltungsrat.

In Graubünden ein Hotelprojekt zu realisieren, ist eine grosse Herausforderung. In jüngster Zeit sind mehrere vielversprechende Hotelprojekte entweder an der Urne gescheitert oder wurden von Einsprechern bis vor Bundesgericht gebracht. Auf die Frage, wie das Projekt Hotel «Furtschellas» vorangetrieben werden soll, ohne in eine solche Sackgasse zu gelangen, meint Stutz: «Das Kapital des Engadins ist die Landschaft, und trotzdem muss es vorwärtsgehen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Das geht aber nur, wenn wir das Projekt im Einklang mit dem Ort gestalten.»

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