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Fotografier-Verbot hat unschöne Folgen

Fotografier-Verbot hat unschöne Folgen

Das umstrittene Fotografier-Verbot, mit dem die Gemeinde Bergün im Mai kurzzeitig Schlagzeilen produzierte, ist zwar offiziell abgeschafft. Ein Nachspiel hat die Episode trotzdem.

Agentur
sda
vor 3 Jahren in
Tourismus
Das "herzliche Fotografier-Verbot" der Gemeinde Bergün: Ob es etwas gebracht hat, weiss die Tourismusabteilung nicht zu sagen.
Das "herzliche Fotografier-Verbot" der Gemeinde Bergün: Ob es etwas gebracht hat, weiss die Tourismusabteilung nicht zu sagen.
KEYSTONE/GEMEINDE BERGUEN

Drei Beschwerden wurden gegen das von der Bergüner Gemeindeversammlung Ende Mai erlassene Gesetz für ein Fotografier-Verbot eingereicht. Zwei wurden inzwischen zurückgezogen, wie Georg Aliesch, Leiter der Gemeindeaufsicht im Bündner Amt für Gemeinden, am Mittwoch auf Anfrage erklärte.

Eine Beschwerde blieb zurück. Sie will abgeklärt haben, ob mit dem Fotografier-Verbot auf dem Terrain der Kommune Bergün übergeordnetes Recht verletzt worden ist. Wer die Eingabe bearbeitet, ist noch unklar. Laut Aliesch in Frage kommen entweder die Kantonsregierung oder das Verwaltungsgericht. Entsprechende Abklärungen seien im Gange.

Unterdessen schaffte die Mittelbündner Gemeinde das Gesetz über das Fotografier-Verbot offiziell ab. Die Werbeaktion sei nun abgeschlossen, und die Gemeindeversammlung habe der Aufhebung des Gesetzes klar zugestimmt, teilten die Bergüner Behörden den regionalen Medien mit.

Mehr Übernachtungen?

Die schönen Bilder von Bergün seien innerhalb von ein paar Tagen um die ganze Welt gegangen. Das Verbot habe in kürzester Zeit «weltweit für Aufsehen gesorgt», bilanziert die Gemeinde.

Ob sich die Aktion tatsächlich ausbezahlt hat, steht in den Sternen. Marc-Andrea Barandun, Geschäftsführer von Bergün Filisur Tourismus, konnte am Donnerstag auf Anfrage nicht sagen, ob sich die Werbeaktion in zusätzlichen Logiernächten niedergeschlagen habe. Das sei schwierig zu sagen, Zahlen lägen noch keine vor.

Mit dem Fotografier-Verbot unter Bussandrohung wollte die Gemeinde die Leute dazu animieren, die Gemeinde selber zu besuchen, statt nur Bilder anzuschauen. Die Aufhebung des Verbots war von Anfang an geplant.

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In JEDEM Zeitungsbericht und Online-News lese ich, dass immer "noch nicht" abschätzbar sei, ob sich diese in meinen Augen unsägliche Werbeaktion (welche von GRF war jemals besser?) nun ein Erfolg oder Misserfolg für Bergün gewesen sei, ob es mehr oder weniger Logiernächte gäbe seither. Ich finde, bei diesen Kosten müsste sogar ein sehr markantes Plus resultieren, damit es sich unter dem Strich lohnt, wobei: das zahlt ja praktisch eh der Kanton (und zudem: GRF hat Zürcher Werbeagentur, kürzlich stand gross in der Zeitung, man solle GR-Firmen bevorzugen), spielt ja dann keine Rolle, scheint mir leider.
Die Behauptung, dass "noch immer keine Daten über Erfolg bzw. Logiernächte vorliegen" - was soll man daraus schliessen? Dass Bergün keine Monatsstatistiken fähig ist zu erstellen? Lernt man das nicht im ersten Grundbasisanfängerkurs für Hilfsbuchhalter?
Ausserdem forderte damals in der SO ein Tourismusprofessor aus St. Gallen (gemäss meinem Gedächtnis, müsste nochmal nachschauen) die Quellenangabe für die Behauptung, die dieser Werbeaktion angeblich die Legitimation geben sollte: Das Betrachten von schönen Fotos sei quasi zu schmerzhaft für die, die nicht dort anwesend sein könnten", deshalb müsse man das verbieten (eine Bevormundung ists so oder so, oder?).
Wurden diese Quellenangaben je präsentiert - oder war das nur eine unseriöse Behauptung, Fake News?
Meine Meinung: "Marketing" ist für mich inzwischen sehr negativ besetzt, eher ein Schimpfwort.
Von der SO erwarte ich (auch wenn es kein eigentlicher Investigativjournalismus ist), dass die Aufklärung über die Gretchenfrage, ob das Fotoverbot Bergün ein Erfolg oder Misserfolg war, "irgendwann" bald mal in der Zeitung steht.
Dem Beschwerdeführer, der "bestehen bleibt", danke ich. Eine positive Ausnahme der Regel muss man eigentlich sagen.

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