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Walter «Wädel» Dürst: Die Legende ohne Titel

Walter «Wädel» Dürst: Die Legende ohne Titel

«Wädel» Dürst, Sohn des grossen «Watschga» Dürst, ist trotz lukrativer Angebote anderer Teams in Davos geblieben. Ein Wechsel hätte die Vater-Sohn-Beziehung wacker auf die Probe gestellt.

Rinaldo
Krättli
vor 4 Monaten in
Eishockey

Es kommt selten vor, dass der Sohn einer grossen Legende selbst zur Legende wird. Walter «Wädel» Dürst hatte das Zeug, ein ebenso Grosser zu werden wie sein Vater. Doch der HCD erlebte zu seiner aktiven Zeit als Hockeyspieler eine Schwächephase und spielte lange Zeit in der Nationalliga B. Hinzu kam eine Schwächephase des Schweizer Eishockeys generell. Die Nationalmannschaft stieg kurzzeitig in die dritthöchste internationale Klasse ab. Die Erfolge seines Vaters liessen sich damit nicht wiederholen. Dass «Wädel» Dürst trotz seines Nati-B-Daseins für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde, zeigt, was für eine Klasse der heute 70-Jährige aufs Eis brachte. Eine HCD-Legende ist «Wädel» Dürst deshalb ohne Zweifel.

Die Erfolge des Vaters

Sein Vater Walter Paul «Watschga» Dürst (1927–2016) spielte 23 Jahre lang ununterbrochen in der ersten Mannschaft des HCD und gewann in dieser Zeit zehnmal die Meisterschaft und fünfmal den Spengler Cup. Weitere Erfolge feierte Vater «Watschga» mit der Schweizer Nationalmannschaft:

  • 1948: Bronzegewinn an den Olympischen Spielen in St. Moritz
  • 1950: Gold an den Europameisterschaften
  • 1950, 1951 und 1953: Bronzegewinn an den Weltmeisterschaften

Ein Beispiel in Sachen Klubtreue

Im Jahr 1966 absolvierte Sohn Walter «Wädel» Dürst seine erste Saison mit dem HCD, der damals noch in der Nationalliga A spielte. Ende der 60er Jahre schlitterte der Verein dann in die zweithöchste Spielklasse ab. Die B-Liga-Zeit dauerte fast die ganzen 70er Jahre an.

Bedeutungslos war die B-Liga indes keineswegs. Weder für den HCD, noch für Dürst junior. Duelle gegen Zürich, Bern und insbesondere den Kantonsrivalen Arosa sorgten für Emotionen und hochstehende Affichen mit grossem Zuschaueraufkommen.

1979 stieg der Rekordmeister - mit «Wädel» Dürst als Captain - wieder auf. Dürst hielt dem Verein all die Jahre die Treue, obwohl er immer wieder lukrative Angebote anderer Vereine erhalten hatte. Dass er diese ausschlug, hatte insbesondere mit seinem Vater zu tun, der ihm klarmachte, dass er nicht viel davon halten würde, wenn sein Sohn nicht mehr für «Gelb-Blau» auflaufen würde.

Dürst junior erinnert sich an diese Gespräche:

Dürst spielte zuletzt also wieder in der Nati A. Ein Titel blieb ihm aber verwehrt.

Heute sei er froh, dass er in Davos geblieben ist und wie sein Vater ein Geschäft in Davos eröffnet hat, nämlich eine Auto Garage. Und nicht zuletzt aufgrund der Klubtreue zählt er zu einer der bedeutendsten HCD-Legenden.

Dürst ersetzt Star-Trainer

1981 beendete «Wädel» seine Spielerkarriere. Der HCD war nach dem Wiederaufstieg in Aufbruchstimmung. Das neue Stadion wurde 1981 eingeweiht. Mehr Zuschauer kamen, das Stadion zog die Massen an.

Ein Jahr zuvor gelang dem HCD ein vermeintlicher Coup als man mit dem Amerikaner Herb Brooks den wahrscheinlich gefragtesten Eishockeytrainer zu dieser Zeit nach Davos holte. An den Olympischen Spielen gelang den Amerikanern mit Brooks an der Bande einer der geschichtsträchtigsten Siege in der Eishockeygeschichte. Die USA gewannen gegen die als unschlagbar geltende Sowjetunion mit 4:3. NHL-Angebote konnten Brooks danach nicht daran hindern das Abenteuer im Landwassertal zu starten.

Grandios waren dann aber nicht die Erfolge unter Brooks, sondern dessen Scheitern. Und so kam es, dass «Wädel» Dürst völlig unverhofft zum Trainer wurde.

Dürst über seinen überraschenden Trainer-Einstieg:

«Wädel» schaffte als Trainer notabene ohne Diplom und Erfahrung in dieser Position  den Klassenerhalt. Der HCD musste dazu zusammen mit dem anderen A-Klub Lausanne die Auf- und Abstiegsspiele gegen vier NLB-Teams bestreiten. Diese Relegation gewann man schliesslich, Lausanne stieg in die Nationalliga B ab.

Walter «Wädel» Dürst ist eine der wenigen Legenden, die ohne Titel in die HCD-Geschichte eingegangen ist. Ein grandioser Spieler, der dem Verein in schwierigen Zeiten treu blieb.

 

Hier gehts zum ersten Teil der Legendenserie des HCD

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