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Richard «Bibi» Torriani – Mit Eiercognac zu 19 Meistertiteln

Richard «Bibi» Torriani – Mit Eiercognac zu 19 Meistertiteln

Er gilt für viele als die grösste HCD-Legende. Richard «Bibi» Torriani führte den weltbekannten «ni-Sturm» an und war der erste Schweizer, der in die Hall of Fame aufgenommen wurde.

Rinaldo
Krättli
vor 5 Monaten in
Eishockey

Richard «Bibi» Torriani’s Erfolge zusammenzufassen sei schwierig, meint dessen Sohn Marco Torriani. Es seien schlicht zu viele. Man glaubt kaum, dass ein Mann alleine auf ein solches Palmarès kommen kann. Dazu nur ein Vergleich. Alle Spieler des heutigen HCD-Kaders kommen auf knapp über 20 Meistertitel. Bibi Torriani holte alleine deren 19.

Die Eishockey-Erfolge von Richard «Bibi» Torriani

  • 1x Schweizer Meister mit EHC St. Moritz
  • 18x Schweizer Meister mit Davos in den Jahren 1930 bis 1950
  • 1x Schweizer Meister als Trainer mit Visp im Jahr 1962
  • 2x Bronze an den Olympischen Spielen 1928 und 1948 jeweils in St. Moritz
  • 1x Silber und 5x Bronze an Weltmeisterschaften
  • 2x Gold, 5x Silber und 2x Bronze an Europameisterschaften
  • 105 Tore in 111 Länderspielen mit der Schweiz

Der «ni-Sturm»

Die meisten seiner Erfolge holte «Bibi» mit den Cattini-Brüdern. Hans «Joe» CattiNI, Ferdinand «Pic» CattiNI und Richard «Bibi» TorriaNI. Die drei Davoser bildeten ab 1933 den legendären «ni-Sturm»: Bis heute ein Begriff, den man in der Eishockeywelt kennt. Er wurde gar als bester Sturm ausserhalb der NHL bezeichnet und hatte über eineinhalb Jahrzehnte bestand – sowohl beim HCD als auch in der Schweizer Nationalmannschaft.

Sein Sohn Marco Torriani, der selbst beim HCD wenige Jahre gespielt hat, erinnert sich noch an die Erzählungen seines Vaters. «Bibi» sei stolz gewesen auf die unglaubliche Kameradschaft in seiner Sturmlinie und die für die damalige Zeit unglaubliche Opferbereitschaft der drei Stürmer: «Damals gab es noch kein Sommertraining, aber sie haben zusammen trainiert, das war brutal. Mit dem Militärvelo sind sie über die Pässe gefahren», erzählt Marco Torriani.

Marco Torriani über den «ni-Sturm»:

Marco Torriani über den «ni-Sturm»

«Bibi» Torriani, der Eiskunstläufer

Als Sohn Marco Torriani und dessen Bruder Romano den Wunsch hegte, ebenfalls mit Hockey anzufangen, meinte Vater «Bibi»: «Wenn ihr Hockey spielen wollt, dann müsst ihr richtig Schlittschuh laufen können», erzählt Marco Torriani. Danach habe er mit den Mädchen zum Eiskunstlauf gehen müssen. «Als wir es einigermassen im Griff hatten, sagte er `ok, jetzt könnt ihr Hockey spielen`.»

Bis in die heutige Zeit gibt es immer wieder Eishockeyspieler, die dank Eiskunsttraining den nötigen schlittschuhläuferischen Schliff fürs Eishockeyspielen holen. Ein Beispiel der jüngeren Zeit ist Marcel Jenni, der dank seiner flinken Art die Gegner schwindlig spielen konnte.

Und «Bibi» Torriani machte dies nicht anders. Er fing mit Eiskunstlauf an. Seine schlittschuhläuferischen Fähigkeiten waren auch die Grundlage für seine Überlegenheit, wie Marco Torriani erzählt.

Marco Torriani über die schlittschuläuferischen Fähigkeiten seines Vaters:

Marco Torriani über die schlittschuläuferischen Fähigkeiten seines Vaters

Frühe und späte Ehrungen

Was Torriani und die Cattini-Brüder auf dem Eis zeigten, suchte europaweit seinesgleichen. Doch es sind nicht nur die Momente auf dem Eis, die Torriani‘s Geschichte so besonders machen. In der Tat fing die Besonderheit schon mit seinem ersten Länderspiel an. Als 1928 die Olympischen Spielen in seinem Heimatdorf St. Moritz stattfanden, war Bibi Torriani 16 Jahre alt. Die Schweizer Nationalmannschaft selektionierte das Talent kurzerhand für das Team. In vier Spielen gelang dem Engadiner ein Tor. Die Schweiz holte damals die Bronzemedaille.

Seine nächste Olympiateilnahme bestritt Torriani genau 20 Jahre später wieder in St. Moritz. 1948 war Torriani bereits ein gefeierter Schweizer Sportstar. Er wurde als Fahnenträger auserkoren und durfte für die Schweiz den Olympischen Eid leisten. Darauf sei er neben der Kameradschaft des «ni-Sturms» besonders stolz gewesen, erzählt sein Sohn.

Erst neun Jahre nach «Bibi» Torriani’s Tod, erreichte er einen weiteren Meilenstein. 1997 wurde er in die Hall of Fame des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) aufgenommen. Erst in diesem Jahr startete der IIHF überdies mit der Aufnahme der ersten Ehrungen. Dass Torriani in dieser ersten Runde aufgenommen wurde, ist ein weiteres Zeugnis seiner bedeutungsvollen Karriere. Er war damals der erste und einzige Schweizer, dem diese Ehre zuteilwurde. 1998 folgten ihm Hans und Ferdinand Cattini. Der «ni-Sturm» ist seither post mortem in der Hall of Fame verewigt und wieder vereint.

Kuriositäten aus seiner Karriere

Dass sich «Bibi» Torriani auch als Trainer versuchte, war ist nichts Aussergewöhnliches. Dass er aber nach seiner Aktivzeit als Spieler im Schlitteln eine WM-Silbermedaille gewann, ist schon um einiges kurioser.

Marco Torriani über «Bibi»'s Erfolg im Schlitteln:

Marco Torrianis über «Bibi»'s Erfolg im Schlitteln

Vieles habe Marco Torriani erst nach der Spielerkarriere seines Vaters erfahren, da er zuvor schlicht zu jung war. Eine Szene hat er aber noch immer in Erinnerung. Diese passt irgendwie so gar nicht ins Bild des professionellen Sportlers «Bibi» Torriani.

Marco Torriani über Vaters Ritual vor dem Spiel:

Marco Torriani über Vaters Ritual vor dem Spiel

Marco Torrianis wurde später selbst zur Legende

Marco Torriani eiferte seinem Vater nach und wurde ebenfalls Eishockeyspieler. Dies aber nur für kurze Zeit, vier Jahre spielte er in der ersten Mannschaft. Seine persönlichen Höhepunkte seien die Teilnahmen am Spengler Cup gewesen. Dass er in seinen Zwanzigern entschied mit Eishockey aufzuhören, habe damit zu tun gehabt, dass mit diesem Sport zu dieser Zeit kaum Geld verdient werden konnte. Marco Torriani entschied sich für die Hotelfachschule.

Marco Torriani über die Entscheidung gegen eine Spielerlaufbahn:

Marco Torriani über die Entscheidung gegen eine Spielerlaufbahn

Torriani arbeitete unter anderem in der Hotellerie in Südafrika, Kanada und den USA. In den 90er-Jahren kehrte er zurück in die Schweiz an den Genfersee. Dort war er als General Manager des 5-Sterne-Hotels «Mandarin Oriental Geneva» tätig. Und er trat nebenbei den Senioren des HC Genf-Servette bei. Dabei traf er ehemalige Kollegen: «Hier hatte ich früher mit Davos in einer der ersten Hallen der Schweiz vor 10'000 bis 11'000 Leuten gespielt. Jetzt fand ich nur noch einen Scherbenhaufen vor», erzählte Torriani vor zehn Jahren in einem Interview mit der Südostschweiz. Er wollte dies nicht hinnehmen und wurde schliesslich Präsident. Torriani stand dem Verein während 15 Jahren vor und brachte ihn von der 1. Liga bis in die Nationalliga A. Die Basis zum Aufstieg bildete vor allem eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, wie er im damaligen Interview weiter ausführte. «Mein Einsatz als Funktionär war ein Dienst am Sport, den ich so gerne mag», so Torriani.

Auch Marco Torriani hat mit diesem Erfolg – im fernen Genf – Legendenstatus erreicht. Mit seinem Einsatz für den Eishockeysport hat er ein nachhaltiges Hockeyunternehmen geschaffen, das sich bis heute in der höchsten Liga festgesetzt hat. Zu Recht ist er heute Ehrenpräsident des HC Genf-Servette.

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Wenn ich mich nicht täusche, habe ich mit den Eishockey Junioren des HC Niederurnen gegen Marco einmal ein Match gespielt in Davos auf der Natur Eisbahn .Es müsste ende der 1950er Jahren gewesen sein .Wir Glarner haben damals den Match verloren .Weiss aber Resultat nicht mehr.
W Grämer Jahrgang 1942 Niederurnen

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