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Ausreden sind für Verlierer

05.10.17 - 07:06 Uhr
Eishockey
Kommentar
SCHWEIZ EISHOCKEY BERN DAVOS
Der konsternierte HCD hat sich seinen durchzogenen Saisonstart selbst zuzuschreiben.
KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Der HC Davos hat am Dienstag das entscheidende Spiel in der Champions Hockey League gegen die «Weissen Tiger» aus Liberec verloren. Damit ist für den Schweizer Rekordmeister erstmals in der Gruppenphase des Wettbewerbs Schluss. Ein Kantersieg zu Hause gegen Cardiff steht vor dem letzten Spiel vier Niederlagen gegenüber.

Ein wenig besser läuft es den Bündnern mit fünf Siegen und vier Niederlagen in der Meisterschaft. Der HCD befindet sich zurzeit auf Rang 7, hat aber einen sicheren Abstand auf den Strich. Dennoch: Berauschend ist auch dieses Ergebnis nicht. Als Grund für die derzeitige Lage führt man seitens des Vereins immer wieder die grosse Anzahl verletzter Spieler ins Feld.

Zu abhängig von den Leistungsträgern

Überraschend kommen das Aus in der Champions Hockey League und der verhaltene Start in die Meisterschaft indes nicht. Der HC Davos will einfach auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Man wollte in der Champions League weit kommen, möchte zum 32. Mal Meister werden und möglichst auch am Spengler Cup um den Titel mitspielen.

Dafür reicht der vorhandene Kader aber schlicht nicht aus. Dessen ist sich Arno Del Curto bewusst. Anders ist es nicht zu erklären, dass Perttu Lindgren nach seiner schweren Hüftverletzung offenbar zu früh wieder eingesetzt wurde. Die Hüfte hat sich nun wieder bemerkbar gemacht und Lindgren fällt für zwei weitere Monate aus.

Ohne seine Leader wäre der HCD kein konkurrenzfähiges Team. Die besten Spieler machten bisher glücklicherweise aber ihren Job. Andres Ambühl, Magnus Nygren, Felicien Du Bois, Broc Little sowie Marc Wieser sammeln viele Skorerpunkte. Auch Mauro Jörg und Samuel Walser tragen sich erfreulich oft in die Skorerliste ein.

Training HCD Andres Ambühl
Captain Andres Ambühl hat bereits 13 Skorerpunkte gesammelt. Trotzdem läuft es dem HCD nicht wie gewünscht.
YANIK BUERKLI

Auf der anderen Seite fallen aber wichtige Spieler ab. Spieler, deren Offensivproduktion für den Erfolg mitentscheidend ist. Aus der Tiefe des Teams kommt praktisch nichts. Dario Simion beispielsweise scheint sein Torriecher komplett abhandengekommen zu sein. In den bisherigen neun Ligaspielen hat der Tessiner nur einen einzigen Treffer vorbereitet.

Abgesehen davon sieht es in der Defensive lange nicht so gut aus wie in der Offensive. Über beide Wettbewerbe gesehen, kassiert der HCD im Schnitt 2,86 Tore pro Spiel. National kann der HCD seine defensiven Schwächen mit dem starken Angriff überspielen. Aber international kann man sich Aussetzer in der eigenen Zone einfach nicht leisten.

Mangelhafte Disziplin einzelner

Zusätzlich schwächt sich der HCD immer wieder selber. Dino Wieser hat in den bisherigen 14 Spielen bereits 16 Strafen verbüssen müssen. Der Routinier hat sich auf dem Eis einfach nicht im Griff. Dass die Schiedsrichter sofort genauer hinsehen, wenn sie die Rückennummer 56 sehen, ist ihnen nicht vorzuwerfen. Nur Dino Wieser selber wundert sich noch jedes Mal, wieso er wohl schon wieder in die Davoser Badewanne muss.

Einer mit der Erfahrung Dino Wiesers muss sich einfach cleverer verhalten. Wenn das Team in fünf Champions-League-Spielen nur gerade 68,75 Prozent der Unterzahlsituationen schadlos übersteht, kann man sich keine blöden Strafen leisten. Der Kübliser alleine war aber für sieben verantwortlich. Das sind im Schnitt 1,4 pro Spiel. Von der einstigen Teamstütze ist nicht viel übrig geblieben. Nach 14 Pflichtspielen hat Dino Wieser genau einen Skorerpunkt auf dem Konto.

Beim HC Davos gibt es ganz offensichtliche Baustellen: die eigenen Ansprüche, die Tiefe im Kader, das viel zu schwache Unterzahlspiel sowie die Disziplin.

Oder anders gesagt: Wer die Gesundheit seiner besten Spieler mit deren zu früher Rückkehr nach Verletzungen riskiert, kann nicht mit einer langen Verletztenliste argumentieren. Wer ein schlechtes Unterzahlspiel hat und trotzdem weiterhin sinnlose Strafen nimmt, kann nicht mit einer langen Verletztenliste argumentieren. Wer sich mit ständigen defensiven Aussetzern selbst um alle Chancen bringt, kann nicht mit einer langen Verletztenliste argumentieren. Wer sich notorisch ins eigene Bein schiesst, kann nicht mit einer langen Verletztenliste argumentieren.

Stattdessen gilt es, sich die eigenen Fehler schnellstmöglich bewusst zu machen und diese zu beheben. Sieger finden Wege. Verlierer nur Ausreden.

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