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Bluetooth schützt vor Strafe nicht

Kürzlich hat in Graubünden der Fall eines Lastwagenfahrers für Aufsehen gesorgt, der wegen eines Videos mit streitbarem Inhalt entlassen wurde. Ob es zu einem Fahrausweisentzug kommt, ist derzeit hängig. Lassen wir den Fall also kurz ruhen und gehen der Frage nach, was das Gesetz und dessen Hüter zur Benutzung von Handys während der Fahrt meinen.

Marco
Hartmann
Donnerstag, 06. Juni 2019, 04:30 Uhr Handy am Steuer
Natel, Handy, Steuer, Auto, Verkehr, telefonieren, Steuer
Sowohl für alte «Knochen» wie hier als auch für zeitgemässe Smartphones gilt: So nicht!
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Nur schnell Mama anrufen, man komme später zum Mittagessen. Oder via Spracheingabe auf dem Smartphone eine Kurzmitteilung diktieren, dass man es nicht goutiert, dass der Autositz schon wieder nicht in die Ursprungsposition zurück gestellt wurde. Oder im Firmenbüssli dem Gruppenleiter anrufen, man müsse zurückfahren, weil der Ersatz-Akkuschlagbohrer vergessen ging. Alles legal, wenn man sich ans Gesetz hält. Als Basis für diese Thematik weist Roman Rüegg, Mediensprecher bei der Kantonspolizei Graubünden, auf den Artikel 3 Absatz 1 aus der Verkehrsregelnverordnung (VRV) hin:

«Der Fahrzeugführer muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden. Er darf beim Fahren keine Verrichtung vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Er hat ferner dafür zu sorgen, dass seine Aufmerksamkeit insbesondere durch Tonwiedergabegeräte sowie Kommunikations- und Informationssysteme nicht beeinträchtigt wird».

Freisprecheinrichtungen sinnvoll nutzen

Auch wenn das Handy während dem Telefonieren nicht in der Hand liegt, ist man nicht fein raus. Rüegg meint dazu: «Telefonieren mit einer Freisprecheinrichtung während der Fahrt ist zwar erlaubt, kann aber dann gebüsst werden, wenn es die Aufmerksamkeit der fahrenden Person beeinträchtigt.» Dies könne dann der Fall sein, wenn jemand quasi in Schlangenlinie fahre und dadurch die Verkehrssicherheit beeinträchtige, führt der Mediensprecher weiter aus. «Etliche Fahrzeuge sind bereits serienmässig mit Freisprechanlagen ausgerüstet, die es mittels sprachlicher Eingabe zulassen, Anrufe zu tätigen. Voraussetzung, diese Funktion zu nutzen, ist natürlich, dass man sich damit vertraut macht».

Lenken statt ablenken

Ferner rät die Kantonspolizei Graubünden, die Rüegg unter anderem bei Medienanfragen repräsentiert, heikle oder komplizierte Gespräche nicht während der Fahrt zu führen: «Dies ist sicher ein Unterschied dazu, wenn man solche Gespräche mit Mitfahrenden führt. Diese nehmen meist am Verkehrsgeschehen so teil, dass sie sich darauf einstellen können, die lenkende Person nicht abzulenken.» Ein Beispiel hierzu seien eine Kreuzung oder weitere Situationen, in welchen sich die lenkende Person verstärkt auf den Verkehr konzentrieren müsse.

Firmen sparen bei Fahrzeugaustattungen

Laut einer Quelle, die «suedostschweiz.ch» bekannt ist, sparen Firmen immer wieder an der Ausstattung ihrer Fahrzeuge. Sprich: Die Firmen verzichten darauf, ihre Flotte mit Freisprechanlagen auszurüsten. Dabei seien die Kosten für eine solche im Verhältnis zum Neupreis eines Autos tief.

Die fehlenden Freisprechanlagen haben zur Folge, dass die Autolenker verbotenerweise mit dem Handy am Ohr telefonieren. Laut Kantonspolizei Graubünden wird diese Verkehrsregelverletzung quasi «durchs Band» begangen, wie Roman Rüegg festhält. «Es gibt sicherlich Arbeitgeber, die ihre Fahrzeuge oder Mitarbeitenden mit Freisprecheinrichtungen ausstatten, leider jedoch nicht alle. Was wir feststellen, ist Folgendes: Lenker, welche ohne Freisprecheinrichtung während der Fahrt telefonieren, obwohl eine solche vorhanden ist.»

Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung wird nicht separat in der Verkehrsunfallstatistik ausgewiesen. Es ist Teil der Kategorie «Unaufmerksamkeit und Ablenkung». Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2012-2016 (129 Fälle) ist der Anteil «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» bis ins 2017 um 56% (über 200 Fälle) angestiegen. Im 2018 nahm diese Zahl zwar ab, ist aber immer noch zu hoch. Solche Unfälle sind mit sehr wenig Aufwand vermeidbar.

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