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«Wir versuchen, uns auf den schlimmsten Fall vorzubereiten»

«Wir versuchen, uns auf den schlimmsten Fall vorzubereiten»

Der Bundesrat hat entschieden, die Quarantänedauer zu verkürzen. Das sagt der Bündner Regierungspräsident Marcus Caduff zum Entscheid und zur aktuellen Coronalage.

Nicole
Nett
12.01.22 - 17:19 Uhr
Politik
Marcus Caduff beurteilt den heutigen Bundesratsentscheid im Interview.
Bild Olivia Aebli-Item

Mit Marcus Caduff sprach Martin Deplazes.

Herr Caduff, der Bundesrat verzichtet auf eine Verschärfung der Massnahmen gegen Covid-19. Ist der Bundesratsentscheid im Sinne der Bündner Regierung?

Er ist im Sinne der Bündner Regierung. Es ist verständlich, dass die Massnahmen, welche bis am 24. Januar gelten, verlängert werden. Ob es bis Ende März sein wird, muss man schauen. Wir erhoffen uns eine gewisse Flexibilität – nicht nur für Verschärfungen, sondern auch für allfällige Lockerungen. Ist die Situation zum Beispiel bis Ende Februar besser, dann sollte man entsprechend reagieren können.

Ebenfalls gibt es eine Änderung in der Isolation- und Quarantäneregelung. Ab morgen sollen die Quarantäne und Isolation nämlich nur noch fünf Tage gehen. Hat die Wirtschaft auf diesen Entscheid gewartet?

Das entspricht dem, was wir gefordert haben. Wir begrüssen deshalb den Entscheid.

Marcus Caduff im Interview. Video TV Südostschweiz

Gar keine Quarantäne soll es für Menschen geben, die ihre letzte Impfung vor weniger als vier Monaten bekommen haben oder vor weniger als vier Monaten genesen sind. Ist dieser Entscheid auf die drohenden Personalausfälle zurückzuführen?

Ja, das ist nachvollziehbar. Wir haben allein im Kanton Graubünden etwa 10’000 Personen, die entweder in Isolation oder in Quarantäne sind. Es kann also sein, dass gewisse Betriebe schliessen müssen, weil ein grosser Teil des Personals fehlt.

10’000 Personen, die nicht am Arbeitsplatz sind. Ist der Kanton Graubünden gewappnet?

Wir machen das, was möglich ist. Deshalb haben wir die Betriebstests auch auf diese Bereiche fokussiert. Zudem haben wir den Aufruf gestartet, dass sich das Gesundheitspersonal meldet, welches momentan nicht im Dienst ist. Wir versuchen, uns auf den schlimmsten Fall vorzubereiten. 

Wir versuchen, uns auf den schlimmsten Fall vorzubereiten. 

Marcus Cauff, Regierungspräsident

Wenn man mit dem Ausland vergleicht, ähnelt die Schweiz einer Insel. Der Bundesrat schlägt eine eigene pragmatische Strategie ein. Ist dieser Weg der richtige?

Der gewählte Weg bringt gewisse Risiken mit sich. Es findet derzeit eine Immunisierung der Bevölkerung statt – das ist die Realität. Sei dies durch eine Impfung oder Infektion. Die Herausforderung ist zu versuchen, dass nicht alle gleichzeitig krank werden und die Spitalinfrastruktur überlasten. 

Ich hoffe, dass wir im Verlauf vom Frühling in dieser endemischen Phase sind und einen Schritt in das normale Leben machen können.

Marcus Cauff, Regierungspräsident

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