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Davos ist vom Kokainhandel nicht verschont

Anfang Januar sorgte ein Artikel der «Schweiz am Wochenende» für Aufsehen im Landwassertal. Wie die Zeitung berichtete, habe sich der ’Ndrangheta-Clan in Bündner Tälern und Ortschaften mit seinem Kokain-Geschäft ausgebreitet.

Andri
Dürst
30.01.22 - 08:00 Uhr
Politik
Davos scheint ein Handelsort für Kokain geworden zu sein (Symbolbild).
Davos scheint ein Handelsort für Kokain geworden zu sein (Symbolbild).
SO-Archiv

Mit einem recht ausführlichen Artikel sowie mit einer informativen Grafik berichtete die «Schweiz am Wochenende» unter dem Titel «Die Mafiabosse lieben Bagger und Schnee» über mafiöse Machenschaften in helvetischen Gefilden. Betroffen sei unter anderem Davos – «eine Drehscheibe im Kokain-Geschäft», wie es die Zeitung – die zu CH-Media gehört – nannte. Offenbar sind verschiedene in mafiöse Geschäfte verwickelte Mitglieder einer bestimmten Familie im Landwassertal aktiv. Der CH-Media-Journalist schreibt dazu Folgendes: «Offiziell sind die Brüder als Angestellte im Bereich Gastronomie und Baugewerbe tätig. Einer der Brüder gründete 2019 eine Importfirma in Davos, die noch im gleichen Jahr wieder gelöscht wurde. Danach gründete er in Winterthur eine Firma für Transporte aller Art.» Diese Person sei auch schon einige Male mit Kokain-Geschäften aufgeflogen, heisst es weiter. (Es gilt die Unschuldsvermutung.)

Bekämpfung durch Bern, nicht durch Chur

Die DZ wollte mehr zur Mafia-Situation im Ort erfahren. Doch detaillierte Auskünfte konnten bei der Staatsanwaltschaft Graubünden (STA) nicht eingeholt werden. «Grundsätzlich fallen mafiöse Aktivitäten in die Zuständigkeit der Bundesbehörden (Bundeskriminalpolizei und Bundesanwaltschaft)», heisst es von deren Medienstelle. Dennoch sei die STA involviert, wenn es zu gewissen Delikten komme: «Liegen konkrete Hinweise auf eine strafbare Handlung, namentlich Betäubungsmittelhandel vor, werden von uns und der Kantonspolizei die nötigen Ermittlungen aufgenommen. Zu konkreten Handlungen geben wir aus taktischen Gründen keine Auskunft.» Weiter betont man den Austausch zwischen den verschiedenen Behörden: «Liegen Hinweise auf eine strafbare Aktivität vor, leiten wir die nötigen Ermittlungshandlungen ein. Eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Behörden von Bund und Kanton stellt ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung dieses Phänomens dar». Auf die Frage, gegen wie viele Personen mit Wohnort Davos derzeit Verfahren wegen Kokainhandels laufen, konnte die STA-Medienstelle aus taktischen Gründen keine Angaben machen. «Ausserdem ist in unserem Registratur-System schwierig, bestimmte Verfahren nach Kokain zu finden». Auch bei der Frage, seit wann bezüglich Kokain und Mafia eine Problematik in Davos bestehe, hielt sich die STA bedeckt und verwies an die Bundesbehörden. Abschliessend schreibt die STA-Medienstelle auf eine Anfrage der DZ Folgendes: «Als Tourismusort ist Davos – wie im Übrigen auch andere Tourismusregionen – vom Phänomen des Betäubungsmittelhandels und -konsums nicht verschont.»

Wenn man Kokain in der ARA suchen würde …

Keine eigentlichen Informationen über den Drogenhandel, sondern vielmehr über den Konsum wollte die DZ zusätzlich bei der Davoser Abwasserentsorgung in Erfahrung bringen. Deren Betriebsleiter Markus Wendler winkt jedoch ab. «Kokain ist kein Parameter, den wir kontrollieren», erklärt er auf Anfrage. Es gehöre nicht zu der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Kontrolle der Einleitbedingungen. Wendler betont jedoch: «Solange Kokain konsumiert wird, ist es in jeder ARA auf der Welt nachweisbar. Abwasser lügt nicht». Wie der ARA-Leiter anmerkt, wittern Journalisten während des WEFs jeweils eine gute Story mit dem Kokain im Abwasser. Doch diese bekämen die gleiche Antwort.

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