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Wolf, Luchs und Biber verlieren ihren Schutz

Künftig sollen die Bestände von Wolf, Luchs und Biber reguliert werden können. Das will der Ständerat. Für die Akzeptanz der Grossraubtiere in der Bevölkerung sei dies wichtig, sagt der Bündner Ständerat Stefan Engler.

Ursina
Straub
Mittwoch, 06. Juni 2018, 04:30 Uhr Teilrevision des Jagdgesetzes
Macht sich für mehr Kompetenzen für den Kanton stark: der Ständerat Martin Schmid.
KEYSTONE

Über viereinhalb Stunden hat der Ständerat gestern über die Teilrevision des Jagdgesetzes beraten. Und dabei dem Wolf den absoluten Schutzstatus aberkannt. Die Bestände von Wölfen sollen nämlich künftig reguliert werden können. Und zwar in einem Zeitraum von sieben Monaten: vom 1. September bis zum 31. März. Dabei weitete der Ständerat das Zeitfenster für eine Bestandesregulierung noch etwas aus. Der Entwurf des Bundesrates sah nämlich vor, dass Wölfe zwischen dem 16. September und dem 31. Januar reguliert werden dürfen.

In Wolfsbestände eingreifen dürfen die Kantone aber nur, um einen grossen Schaden zu verhüten und wenn die Wolfspopulation nicht gefährdet ist. Das ist in Artikel 7a des eidgenössischen Jagdgesetzes geregelt. Dieser behandelt die Regulierung der geschützten Arten und ist quasi das Kernstück des Gesetzes.

Gleich zu Beginn der Debatte meinte Bundesrätin Doris Leuthard: Im vergangenen Jahr habe man in Graubünden 18 Wölfe gezählt und 90 Risse an Nutztieren. Schweizweit seien es im Schnitt 353 Risse an Nutztieren. Die Entschädigungen für Wildschäden hätten die Bundeskasse nicht übermässig belastet: 141 000 Franken zahle der Bund dafür pro Jahr. Leuthard bilanzierte: «Wenn man die Stunden zusammenzählt, in denen sich die Kommissionen und der Ständerat mit dem Thema befasst haben, so ist dies unangemessen.» Die Schweiz habe in der Tat grössere Probleme. «Aber es geht halt auch um die Frage, wie wir mit Grossraubtieren umgehen.»

Mit dem Wolf geraten nun auch Luchse und Biber ins Visier. Der Ständerat sprach sich nämlich dafür aus, dass auch die Bestände von Luchs und Biber – allerdings während eines kürzeren Zeitraums – reguliert werden dürfen. Und schliesslich soll der Bundesrat weitere geschützte Tierarten als regulierbar bezeichnen können.

Mehr Kompetenzen für Kantone

Die Kantone erhalten mit dem revidierten Jagdgesetz mehr Kompetenzen. Ein Anliegen, für das sich der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler einsetzte. Seine Motion «Zusammen- leben von Wolf und Bergbevölkerung» war Hauptauslöser für die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes. «Es ist wichtig, dass die Kantone für die Regulierung der Grossraubtiere zuständig sind», sagte Engler nach der Debatte. «Das erhöht die Akzeptanz der Grossraubtiere in der Bevölkerung.» Die Gesetzgebung werde glaubwürdiger, wenn die Entscheidungen von den Betroffenen in den Kantonen gefällt würden, so Engler weiter.

Auch der zweite Bündner Ständerat, FDP-Politiker Martin Schmid, unterstrich, es sei wichtig, dass die lokalen Behörden handeln könnten: «Wenn ein Bär über einen Golfplatz spaziert oder an einer Poststelle vorbeitrabt, dann erwartet die Bevölkerung, dass Behörden und Politiker das Problem ernst nehmen.» Künftig können etwa die Kantone die Schonzeiten von jagdbaren Arten vorübergehend verkürzen, ohne dass sie dafür die Zustimmung des Bundes einholen müssen.

Keine gegenseitige Anerkennung

Keine Änderung will die kleine Kammer hingegen bei den Jagdprüfungen. Der Bundesrat schlug nämlich vor, dass die Kantone die Jagdprüfungen gegenseitig anerkennen. «Wenn man einen Fähigkeitsausweis hat, sollte er eigentlich auch in anderen Kantonen gelten», führte Bundesrätin Leuthard aus. Der Ständerat sprach sich jedoch dafür aus, bei der bestehenden Regelung zu bleiben. «Es gibt keinen Handlungsbedarf und keine Probleme», so Ständerat Engler.

Es gilt somit bei der Jagdberechtigung das Gleiche wie bisher: Die Kantone können Personen, die sich auf die Jagdprüfung vorbereiten, eine auf einzelne Tage beschränkte Jagdberechtigung erteilen. Dies gilt auch für Jagdgäste. Schliesslich stimmte der Ständerat dafür, die Jagdbanngebiete umzubenennen: Sie heissen künftig Wildtierschutzgebiete.

Gruppe Wolf für Referendum

Die Umweltverbände sehen mit der Revision des Jagdgesetzes den Artenschutz gefährdet. So sprechen Pro Natura, Birdlife Schweiz, WWF Schweiz und der Schweizer Tierschutz STS von einem «Abschussgesetz» und prüfen das Referendum.

Auch die Gruppe Wolf Schweiz will das Referendum unterstützen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. «Die Revision ist einseitig auf den Abbau des Artenschutzes ausgerichtet», so David Gerke von Gruppe Wolf Schweiz. Die gestrigen Beschlüsse des Ständerates führten zu einer markanten Schwächung des Schutzes von einheimischen Wildtieren wie Wölfen, Luchsen und Biber. «Das ist nicht akzeptierbar.» Konflikte mit Wildtieren liessen sich nachweislich am effizientesten mit Präventionsmassnahmen verhindern und nicht mit Abschüssen. «Deshalb dürfen Abschüsse von geschützten Arten auch in Zukunft nur als letztes Mittel zum Zug kommen.»

Debatte wird fortgesetzt

Der Ständerat hat das Jagdgesetz gestern noch nicht abschliessend beraten. Er wird die Debatte voraussichtlich kommenden Mittwoch oder Donnerstag fortsetzen.

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