×

Der Verein will solche Schützen nicht

In den vergangenen fünf Jahren wurden 50 Prozent mehr Waffen verkauft. Die grösste Schützengesellschaft im Kanton verzeichnet aber nicht mehr Mitglieder.

Ursina
Straub
15.06.17 - 05:00 Uhr
Politik
Griff zur Faustfeuerwaffe: Mehr Bündnerinnen und Bündner wollen Pistole schiessen lernen. Bild Keystone
Griff zur Faustfeuerwaffe: Mehr Bündnerinnen und Bündner wollen Pistole schiessen lernen. Bild Keystone

Wir wollen Mitglieder, die aktiv im Verein mitmachen und sich an den Vereinsanlässen engagieren», sagt Florin Gruber, Präsident der Schützengesellschaft der Stadt Chur. Sie ist oft die erste Adresse für Interessierte. Denn die Churer Schützengesellschaft ist der grösste Verein im Kanton.

Viele würden aber nach zwei, drei Schnuppertagen abspringen, berichtet Gruber. «Spätestens, wenn sie das Anmeldeformular und den Ehrenkodex sehen», sagt er.

Nur ein paar Schüsse abgeben

Er bestätigt, dass sich in den letzten Jahren immer wieder Interessenten gemeldet hätten, die mit Pistole schiessen lernen wollten. Solche Anfragen hätten klar zugenommen. «Allerdings sind diese Anwärter nicht am Sportschiessen interessiert. Sie wollen ein paar Schüsse auf eine Scheibe abgeben und die Waffe im Griff haben», bedauert Gruber.

Laut Statistik würden in den Verbänden rund 20 Prozent mit der Pistole schiessen, weiss Gruber, und rund 80 Prozent mit dem Gewehr. Bis man schiessen könne, brauche man ungefähr fünf Stunden, schätzt er. «Bis man die Waffe aber aus dem Effeff beherrscht und alle Sicherheitsaspekte kennt, dauert es mindestens ein Jahr.»

50 Prozent mehr Waffen verkauft

Die Waffengeschäfte Sonderegger und Vasella in Chur sowie Angerer Waffen in Davos geben an, nur minim mehr Faustfeuerwaffen verkauft zu haben.

Zwischen 2012 und 2016 wurden aber im Kanton rund 50 Prozent mehr Waffen erworben, wie die Regierung auf eine Anfrage von SP-Grossrat Conradin Caviezel erläuterte. Dabei sind Jagdwaffen ausgenommen. Und auch die Anzahl Personen, die Waffen erworben haben, hat um 50 Prozent zugenommen.

Überraschender Anstieg

Für den zuständigen Regierungsrat Christian Rathgeb ist dieser Anstieg überraschend, wie er gestern im Grossen Rat argumentierte. Man müsse die Entwicklung deshalb genau beobachten. Gemäss dem Vorsteher des Departementes für Justiz, Sicherheit und Gesundheit haben die Bündnerinnen und Bündner aber auch Erfahrung im Umgang mit Waffen. «Sie sind stark im Schützenwesen engagiert und wir haben ein aktives Jagdwesen», so Rathgeb. Über die weiteren Gründe für die Zunahme von Waffenkäufen, meint Rathgeb, könne man nur mutmassen.

858 Waffen abgegeben

Alle drei Jahre bietet der Kanton Waffensammelaktionen an. Laut Waffengesetz ist sie seit 2008 verpflichtet, Waffen gebührenfrei entgegenzunehmen. 2009 etwa gaben 460 Personen 858 Waffen ab. Regierungsrat Rathgeb kann sich durchaus vorstellen, dass solche Waffensammelaktionen künftig auch über die Sozialen Medien angekündigt werden, um möglichst viele Personen zu erreichen. Er unterstreicht aber auch, dass jederzeit Waffen abgegeben werden könnten. Entsprechende Auskünfte gibt die Bündner Kantonspolizei. Die abgegebenen Waffen werden vernichtet.

30000 unregistrierte Waffen

28 415 Waffen hat die Kantonspolizei am 10. März dieses Jahres registriert; Jagdwaffen mitgezählt. Sie schätzt, dass im Kanton Graubünden noch einmal so viele unregistrierte Waffen vorhanden sein könnten.

Ursina Straub schreibt als Redaktorin der «Südostschweiz» für den Regionalteil der Zeitung und für Online. Ihre Themenschwerpunkte sind Landwirtschaft, Alp, Jagd, Grossraubtiere, Natur; zudem berichtet sie regelmässig aus dem Grossen Rat. Die gelernte Journalistin, diplomierte Landwirtin und Korrektorin EFA ist auch Leiterin Qualität. Mehr Infos

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Politik MEHR