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Nun ist es offiziell – Federer zieht nach Rapperswil-Jona

Während Roger Federer noch seiner verpassten Chance in Wimbledon nachtrauert, freut sich Rapperswil-Jona offiziell auf den prominenten Neuzuzüger – zuvorderst «Stapi» Martin Stöckling. Er musste lange zum offenen Geheimnis schweigen. Nun hofft er auf eine Pizza mit Federer.

Ramona
Nock
Freitag, 19. Juli 2019, 11:40 Uhr Die Katze ist aus dem Sack!

Er würde wohl am liebsten gleich die Champagnerkorken knallen lassen: Die Freude in der Stimme von Martin Stöckling ist unüberhörbar. Der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona darf nun endlich das bestätigen, was in den letzten Wochen und Monaten so viele von ihm wissen wollten: «Ja, es ist wahr – Roger Federer zieht nach Rapperswil-Jona. Freude herrscht!»

Das Geheimnis so lange für sich zu behalten, sei nicht immer einfach gewesen, sagt Stöckling schmunzelnd. Sicher hundert mal sei er von verschiedenster Seite gefragt worden, ob das denn nun stimme mit Tennisstar Federer. «Ich musste jedoch Stillschweigen bewahren», sagt er. Nun aber breite sich die Info im ganzen Stadthaus aus.

Was die «Linth-Zeitung» schon im März ankündigte und was national für Wirbel sorgte, ist seit gestern von offizieller Seite bestätigt. Wie aus den Handänderungen der Stadt hervorgeht, gehört das rund 18 000 Quadratmeter grosse Grundstück mit direktem Seeanstoss in der Kempratner Bucht nun dem Tennis-Ass.

Experten schätzen den Wert auf 40 bis 50 Millionen. Nach Monaten der Geheimniskrämerei ist das Bauprojekt nun bewilligt, der Deal mit den bisherigen Landbesitzern, einer Erbengemeinschaft, unter Dach und Fach.

Federers Grundstück liegt direkt am See.

Ein Kompliment für die Stadt

Er selber sei zwar kein speziell grosser Tennisfan, jedoch könne sich wohl kaum einer der Faszination Roger Federer entziehen, sagt Stöckling. Beim epischen Wimbledon-Final vom vergangenen Sonntag habe darum auch er entsprechend mit Federer mitgefiebert, mitgebibbert, mitgelitten.

«Dass nun mit Roger Federer ein Weltstar beschlossen hat, die Seeseite zu wechseln, zeugt von der hohen Lebensqualität hier in Rapperswil-Jona.»
Stadtpräsident Martin Stöckling

Dass der Tennisprofi sich Rapperswil-Jona als Wohnort ausgesucht habe, sei schmeichelhaft – und eine Bestätigung für die Stadt, findet Stöckling: «Wir freuen uns grundsätzlich über jeden Zuzüger. Dass nun aber mit Roger Federer ein Weltstar beschlossen hat, die Seeseite zu wechseln, zeugt von der hohen Lebensqualität hier in Rapperswil-Jona.»

Erst müssen Rohre verlegt werden

Bevor aber Federers Luxus-Anwesen in der Kempratner Bucht gebaut werden kann, müssen erst noch Rohre verlegt werden. Eine Kanalisations- und Meteorwasserleitung verlaufe mittig durch das Grundstück, sagt Bauchef Thomas Furrer. Im August werde mit der Umleitung begonnen. Dies daure rund zwei bis drei Monate. «Danach könnten theoretisch die Bauarbeiten beginnen.» Wann aber genau auf dem Grundstück am See die Bagger auffahren werden, weiss auch Furrer nicht.

Gemäss zuverlässigen Quellen steht hinter der geplanten Luxusvilla ein internationales Architektenteam.

Bedeckt halten sich auch die zuständigen Architekten: Bei BGS & Partner Architekten in Rapperswil, die das Projekt vor Ort koordinieren, heisst es, man könne dazu keine Angaben machen. Gemäss zuverlässigen Quellen steht hinter der geplanten Luxusvilla ein internationales Architektenteam.

Das Team von Saota Architecture in Kapstadt hat diverse luxuriöse Bauten designt, darunter Hotels und Villen in Spanien, Florida und Indonesien. Auf die Frage, bis wann das Anwesen Federer gebaut werde, hiess es gestern, man könne das Projekt nicht kommentieren. Allerdings liessen die Verantwortlichen durchblicken, dass für ein Projekt wie die Federer-Residenz seitens der Architekten bis zu 60 Angestellte involviert seien.

Wie sieht der Tennisplatz aus?

Immerhin so viel ist klar: Federer wird in der Kempratner Bucht definitiv seinen eigenen Tennisplatz haben. Ein solcher sei in den Bauplänen ersichtlich, bestätigt Stöckling. Ob ein Rasen- oder ein Hartplatz gebaut werde, dazu waren laut Bauchef Furrer noch keine Details ersichtlich.

Rasenplätze scheint der Tennis-Superstar zu bevorzugen: 2003 gewann er den ersten Grand-Slam-Titel in Wimbledon auf Rasen, seither hat er kein anderes Turnier häufiger gewonnen. «Auf dem Rasenplatz kann er ja bei seinem Nachbarn Jorge Paulo Leemann trainieren», sagt Furrer schmunzelnd. Auf dem Rasenfeld des drittreichsten Schweizers direkt am Zürichsee hat Federer gemäss informierten Kreisen in der Vergangenheit immer wieder mal trainiert.

«Wir wissen nur, dass das Anwesen mehrere Gebäudekomplexe umfasst»
Rapperswil-Jonas Bauchef Thomas Furrer

Offen bleibt, ob in der Federer-Residenz auch Schulräume geplant sind. Gemäss diversen Medienberichten plant das Tennis-Ass, seine vier Kinder im Heimunterricht zu beschulen. Die älteren Zwillinge werden schon jetzt privat unterrichtet. «Wir wissen nur, dass das Anwesen mehrere Gebäudekomplexe umfasst», sagt Furrer dazu.

Wo die Kinder zur Schule gehen, sei letztlich der Entscheid von Roger Federer, sagt Stadtpräsident Stöckling. «Wir müssen jedem Einwohner die Möglichkeit geben, die öffentliche Schule zu besuchen – unabhängig davon, wie er heisst.» In puncto Heimunterricht dürfte dem Tenniscrack im Kanton St. Gallen aber ein rauer Wind entgegenwehen. Die Hürden sind hoch, kantonsweit wird aktuell kein einziges Kind zuhause beschult, äusserten sich Verantwortliche des Volksschulamtes kürzlich gegenüber dem «Blick».

Einfluss auf Steuerfuss ungewiss

Was der prominente Zuzüger steuertechnisch für die Stadt bedeute, darüber mag Stadtpräsident Stöckling nicht spekulieren. Nur so viel: Die Steuerpolitik von Rapperswil-Jona richte sich nicht nach den Zu- und Wegzügen von einzelnen Personen, auch wenn sie gut betucht seien. Klar ist: Eine Pauschalbesteuerung ist nicht möglich. Dafür müsste Federer Ausländer sein.

Einen «Promi-Bonus» hat Federer auch in anderer Hinsicht nicht. So muss er sich bei der Stadt regulär innert zwei Wochen nach Einzug in seine Luxusvilla anmelden. «Das Gesetz ist für alle gleich», sagt Werner Berchtold, Leiter des städtischen Einwohneramtes. Ob seine Mitarbeiter den Tennisstar zu Gesicht bekommen, ist aber ungewiss: «Es gibt kein Gesetz für die persönliche Vorsprache», sagt Berchtold. Neuzuzüger könnten sich auch online anmelden. Dieser Service, der sogenannte E-Umzug, werde häufig genutzt.

Für Federer-Fans heisst es nun: warten. Wann der 37-Jährige in der Stadt auftauchen wird, darauf ist auch Stöckling gespannt. Würde der Tennisstar ihn zur Begrüssung zum Pizzaessen einladen, wie der russische Oligarch Michail Chodorkowski es einst mit Stöcklings Vorgänger Erich Zoller machte, könne Federer «selbstverständlich mit einer Zusage rechnen».

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Schön, wenn man sich so etwas leisten kann. Ihm als so erfolgreichen und sympatischen Sportler gönne ich das. Ich hoffe nur, dass der Villenkomplex auch so fortschrittlich ist, dass er seine Energie 100% aus eigener Solarenergie und/oder Erdwärme bezieht. Schliesslich wird die Willa wohl auch noch 2030 stehen und bis dahin sollten wir mit dem CO2-Ausstoss auf Null sein. So ein Nullenergiehaus kostet anfangs etwas mehr, zahlt sich aber in kurzer Zeit zurück. Wenn Roger Federer dahingehend Beratung braucht, bin ich jederzeit dazu bereit.

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