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Pflegeheim-Leitung äussert sich zu Personal-Chaos

Das Pflegezentrum Linthgebiet hat eine turbulente Zeit hinter sich. In kurzer Zeit wurden der Geschäftsführer und die Pflegeleiterin entlassen. Zuvor hatten Dutzende Mitarbeitende gekündigt. Im Interview äussert sich der neue Verwaltungsratspräsident Félix Brunschwiler zu den Hintergründen.

Christine
Schibschid
Dienstag, 04. Dezember 2018, 09:09 Uhr Pflegeheim Linthgebiet
Neue Spitze: Félix Brunschwiler und Werner Amport (rechts)
BILD CHRISTINE SCHIBSCHID

Der Posten des Geschäftsführers und der Pflegeleiterin sind beim Pflegezentrum Linthgebiet derzeit nur vorübergehend besetzt. Auch einen neuen Verwaltungsratspräsidenten gibt es. Schmerikons Gemeindepräsident Félix Brunschwiler hat den Job nach dem Rücktritt seines Uzner Amtskollegen Christian Holderegger übernommen. Brunschwiler erklärt nun, was los war in letzter Zeit beim Pflegezentrum. Auch der neue Interims-Geschäftsführer Werner Amport schaute während des Gesprächs vorbei.

Wann haben Sie bemerkt, dass beim Pflegezentrum etwas falsch läuft?

Es war seit vielen Monaten Thema im Verwaltungsrat, dass die Fluktuation beim Personal sehr hoch ist. Wir hatten die Pflegedienstleitung vor etwa zwei Jahren neu besetzt. Seitdem ist es nicht ganz rund gelaufen, es war eine wahrnehmbare Unruhe drin. Wir haben einerseits den Erklärungen des Geschäftsführers vertraut, der mit Veränderungen im Pflegeumfeld oder persönlichen Motiven der Austretenden argumentierte. Andererseits dachten wir, dass die Pflegedienstleiterin vielleicht zurecht gewisse Änderungen und auch Leistungen aufgrund der gestiegenen Anforderungen eingefordert hatte. Erste Massnahmen leitete der Verwaltungsrat im Herbst 2017 mit dem Einsatz eines externen Coachs, Mediators und Organisationsentwicklers ein. Das Problem blieb aber auch in diesem Jahr akut und wurde sogar bei der Bürgerversammlung in Schmerikon angesprochen. Hierauf hat sich der Verwaltungsrat der Sache vertiefter angenommen. Das hat letztendlich auch dazu geführt, dass wir uns vom Geschäftsführer getrennt haben. Letztendlich lag die Personalverantwortung bei ihm.

Etwas später musste die Pflegeleiterin gehen. Wurde mit dem Geschäftsführer die falsche Person entlassen?

Mit dem Geschäftsführer wurde eine Trennung einvernehmlich vereinbart. Er war der Verantwortliche für die Personalführung, trug also die Verantwortung, auch wenn er selbst nicht die Quelle des Problems war.

In der offiziellen Mitteilung hiess es, man habe sich wegen unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Ausrichtung des Heims vom Geschäftsführer getrennt...

Das habe ich schon angesprochen: Letztendlich haben die Personaldiskussionen ihren Ursprung auch in dem ganzen Umfeld der Orientierung dieses Heims, das extrem belastend ist. Da haben wir eine proaktivere Haltung erwartet und dass man sich mit den Herausforderungen auseinandersetzt, die der neue Gesundheitsmarkt für das Heim bringt. Da waren wir unterschiedlicher Auffassung.

Was ist an der Situation im Pflegezentrum Linth so belastend fürs Personal?

Sowohl die Veränderungen im Pflegeumfeld als auch die Rahmenbedingungen im Haus haben dazu geführt, dass im Vergleich zu den umliegenden Institutionen die Zahl der Ein- und Austritte bei den Bewohnern sehr hoch ist. In den letzten Jahren stieg sie auf je 70 bis hundert. Das ist mehr als einer pro Woche. Das Haus ist ein ehemaliges Spital und nicht besonders attraktiv. Es gibt zum Beispiel nur Doppelzimmer. Auch deshalb ist der Wechsel bei den Patienten gross. Manche kommen nur, weil sie dringend einen Platz brauchen, und suchen dann auch von hier aus nach etwas anderem. Andere brauchen vorübergehend Hilfe nach einem Spitalaufenthalt. Für die Pfleger bedeutet jeder Wechsel grossen Aufwand, weil sie sich jedes Mal neu auf die Personen einstellen müssen. Auch ein hoher administrativer Aufwand fällt durch die Wechsel an.

Es hiess, der ehemalige Geschäftsführer habe teils etwas Mühe mit der Auslastung gehabt..

Die grosse Problematik ist, das Heim immer wieder möglichst voll zu haben. Leerstand generiert Kosten. Das klingt zwar absurd, denn wir wollen gesunde Menschen, aber die Einrichtung selbst muss aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich voll sein.

Die Pflegeleiterin musste wie erwähnt auch gehen. Was hat sie falsch gemacht?

Personaldiskussionen in der Öffentlichkeit zu führen, ist schwierig. Da geht es auch um Persönlichkeitsschutz, daher kann ich nicht viel dazu sagen. Es ging, anders als beim Geschäftsführer, nicht um die strategische Ausrichtung, sondern um die Führungskultur. Eine Führungskraft muss mit ihren Mitarbeitern gewisse Leistungen erbringen und muss hierzu die Leute auch motivieren und wertschätzend führen können. Da gab es wohl Differenzen.

Es stand offenbar Spitz auf Knopf: Soweit ich weiss gab es einen Brief von Mitarbeitenden, die gesagt haben: Wenn sich nichts ändert, kündigen wir.

Es ist korrekt, dass die Mitarbeitenden um Gespräche ersucht haben und diese geführt wurden. Den Brief habe ich nicht gesehen.

Interims-Geschäftsführer Amport fügt hinzu, dass er den Brief gesehen und mit den Verfassern darüber gesprochen hat.

Blicken wir nach vorn: Wie soll es weitergehen mit dem Pflegeheim Linth?

Wir haben nun die Beratungsfirma «Vitalba» hinzugezogen und einen Prozess zur Strategieentwicklung gestartet. Der wird von einer Projektgruppe begleitet, in der Verwaltungsratsmitglieder und Kadermitglieder des Pflegezentrums sitzen. Wir werden beim Spital Linth anfragen, ob jemand Einsitz nehmen möchte. Dabei sein werden auch die Gemeinden Uznach und Rappers-wil-Jona – sie sind stark betroffen von der Weiterentwicklung. Ich denke, im August sollten Ergebnisse vorliegen.

Warum sind die beiden Gemeinden besonders betroffen?

Jede Gemeinde muss nachweisen, dass sie für ihre Einwohner ausreichend stationäre Pflegeplätze bereithält. Rappers-wil-Jona und Uznach setzen dabei auch auf das Pflegeheim Linthgebiet. Alle anderen Gemeinden haben den Bedarf mit eigenen Einrichtungen schon gedeckt.

Neue Leute und neue Strategie benötigt
Das Pflegeheim Linthgebiet wurde im Jahr 2007 gründlich renoviert, dennoch will die Infrastruktur des ehemaligen Spitals zu der neuen Funktion des Gebäudes nicht so recht passen. «Es gibt zum Beispiel keinen Speisesaal», sagt Interims-Geschäftsführer Werner Amport. Bei einem Augenschein nehmen einige Bewohner ihr Mittagessen im Gang ein. «Unpraktisch sind auch die weiten Wege, die das Personal zurücklegen muss», so Amport.
Derzeit würden in der Pflege 50 Stellenprozente fehlen. Dies sei aber ein relativer Wert, da der Bedarf abhängig von den Pflegeeinstufungen der Bewohner und den Ein- und Austritten sei. Die Qualität der Pflege leide angesichts der vielen Kündigungen in letzter Zeit nicht. «Wir müssen aber Leute einstellen, sonst wird es eng. Und die sind nicht leicht zu finden», sagt Amport. Auf der Internetseite des Pflegezentrums sind derzeit fünf Stellen ausgeschrieben. «Für die neue Pflegeleitung läuft das Bewerbungsverfahren, es stehen Gespräche an», sagt der Interims-Chef. Bis der Posten des Geschäftsführers neu besetzt werde, dauere es wohl noch etwas länger. Das sei auch abhängig von der künftigen Strategie. Träger des Pflegezentrums sind die Gemeinden Benken, Eschenbach, Gommiswald, Kaltbrunn, Rapperswil-Jona, Schmerikon und Uznach. (sch)

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