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Auch Orgelmusik kann für Ohrwürmer sorgen

Andri
Dürst
12.06.22 - 17:00 Uhr
Graubünden
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In St. Theodul befindet sich die Orgel im Chorraum.

Eine Kirche ohne Orgel wäre wohl wie eine Rhätische Bahn ohne rote Züge. Um die Vielfalt der Instrumente aufzuzeigen, fand am Montag eine ökumenische Veranstaltung statt, bei der die Kirchen St. Theodul (reformiert, Dorf), Herz-Jesu (katholisch, Dorf) und St. Johann (reformiert, Platz) besucht wurden.

Ulrich Weissert begrüsst die Gäste.

Beim Start im ersten der drei Gotteshäuser liess Susi Teufen-Prader die Besuchenden in die Geschichte der St. Thodul-Kirche eintauchen. Schon beim Bau des ältesten Teils der Kirche – vor rund 600 Jahren – sei das Element «Musik» aufgetaucht. Im heutigen Freskenraum liessen sich bei der Darstellung der Marienkrönung Engel erkennen, die Instrumente spielten. Eine erste Orgel gab es dann 1776, die von Arthur Herkules von Sprecher gestiftet worden war. Die heutige Orgel mit 15 Registern im Chorraum wurde 1970 erbaut. Wie das schmucke Stück klingt, zeigte Sabine Hess. Auch Ulrich Weissert, Kirchenmusiker der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Platz, durfte noch einige Stücke zum Besten geben.

In der Herz-Jesu-Kirche passt sich die Orgel formschön der Architektur an.

Für neue Töne sorgte Daniel Wioland, der der Orgel in der Herz-Jesu-Kirche wohltuende Klänge entlockte. Er wusste zudem einiges über die bewegte Geschichte des verhältnismässig jungen Gotteshauses zu berichten. Jung ist auch die Orgel, welche 17 Register besitzt: Sie ersetzte 1995 ihre Vorgängerin, die 1951 als Occasion angeschafft worden war.

Daniel Wioland sorgte nicht nur mit kirchlicher, sondern auch mit weltlicher Musik für Begeisterung.

Es zeigte sich während des Orgelspaziergangs, dass sich die Einrichtung in der Herz-Jesu vorzüglich für Veranstaltungen dieser Art eignet. Auf der Empore konnten direkt hinter dem Organisten Stühle aufgestellt werden, sodass man ihn hautnah beim Musizieren beobachten konnte. Grösster Höhepunkt war aber zweifelsfrei die Möglichkeit, in die Orgel hineinzugehen. Durch einen schmalen Gang erreichte man das Innere des Ins-trumentes und konnte beispielsweise das Schwellwerk in Aktion erleben. Die beweglichen Lamellen können durch den Organisten auf- oder zugemacht werden, um die Lautstärke zu regeln.

Die Orgel in St. Johann soll 2024 revidiert werden.

Nach einem etwas ausgedehnteren Marsch erreichte die Zuhörerschaft dann die Kirche St. Johann. Mesmerin Margret Disch erteilte einige spannende Informationen über die Kirche. Erstmals sei 1719 eine Orgel in St. Johann ertönt. Diese habe sich damals noch im Chorraum befunden. 1909 – im Zuge des grossen Umbaus – sei dann eine Orgel auf der Nordempore errichtet worden, die 1961 durch das heutige Instrument – es zählt 31 Register – ersetzt worden sei. Auf ebendiese Empore verschlug es anschliessend auch die Anwesenden, wo sie dem Kurzkonzert von Ulrich Weissert lauschten. Er verriet, was das Orgelbüchlein von Bach mit geheimen Zahlen zu tun hat und welcher sein Lieblingskomponist ist. Wer nach den vielen Klängen noch mochte, konnte sich beim Apéro stärken. Doch nicht nur im Magen nahm man etwas vom Anlass mit nach Hause – auch im Ohr blieb die eine oder andere Melodie hängen.

Ulrich Weissert an seiner Heimstätte, der Orgel in St. Johann.
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