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Verletzliches Gut lagert in der Gepäckausgabe

Ein Raum mit gestapelten Paletten samt eindrücklicher Performance: Das Blind Date von Claudine Ulrich und Gianin Conrad in der Gepäckausgabe gefällt.

Claudia
Kock Marti
Montag, 08. Juli 2019, 04:30 Uhr Bündner-Glarner Co-Produktion
Ein fragiles, bewegliches Gut: Der vor dem Paletten-Haus verpackte Mensch löst viele Assoziationen aus.
CLAUDIA KOCK MARTI

In der ehemaligen Gepäckausgabe des Bahnhofs Glarus ist heute wieder ein kompakt gestapelter Haufen Paletten zu sehen. Zwei Kinder gehen sofort durch eine Öffnung, Erwachsene folgen gebückt nach, um den Raum im Raum zu erkunden. Das Gebilde, aus anscheinend obsolet gewordenen Transporteinheiten eröffnet beim genaueren Betrachten ein eigenwilliges Innenleben.

«Das ist eine Labyrinth-Hütte», ruft ein Knirps begeistert. Die Erwachsenen bewegen sich weniger flink in der starren Konstruktion aus dem groben Material, an dem man mit dem schönen Sommerkleid nicht hängen bleiben will. Da scheint auch irgendetwas ausgepackt worden zu sein. Reste von Plastik liegen da und dort noch herum.

Ein Körper hinter Plastik

Das Vernissagepublikum stellt sich eng im Raum vor der Palettenwand auf. Eine Palette liegt am Boden. Claudine Ulrich, Tänzerin und Choreografin aus Schwyz, wird sich darauf legen. Und Gianin Conrad, Bildhauer aus Chur, wird sie langsam verpacken. Verletzlich sieht der menschliche Körper aus, der da zusammengekrümmt liegt und langsam hinter dem Plastik verschwindet. Dann wird die Fracht aufgestellt und im Raum verschoben. Ein spezieller Moment, das fragile Paket hält. Und das vom Bildhauer aufgerichtete Frachtgut sieht plötzlich wie ein Bild aus. Die Kinder stehen staunend davor. Die Erwachsenen haben ihre Assoziationen zu dem menschlichen Frachtgut.

Im Künstlergespräch mit Hannah Marti und Johanna Burger erzählt das Künstler-Duo, wie ihre Arbeit entstanden ist. Beide hatten sich für ein «Blind Date» in Glarus beworben. Zusammengewürfelt wurden sie vom Kuratorenteam. Die Zusammenarbeit hat gut funktioniert. Klar war beiden, dass sie etwas mit dem Körper und eine Raumarbeit machen würden. Die Idee haben sie dann in den zwei Wochen vor Ort mit Bezug zur Geschichte des Kunstraums im Güterschuppen entwickelt.

Die Plastik-Überreste in der Installation stammen von Gianin Conrad, der sich im Probelauf verpacken liess, wie er erzählt. «Physisch war es sehr anstrengend», sagt die Tänzerin. Das Publikum klatscht. Mit den Bildern der Performance hat sich der Blick auf die Raumkonstruktion nochmals vollends verändert. Die Ausstellung ist bis zum 21. Juli zu sehen. Den Schlüssel gibt es am Schalter im Bahnhof. Verletzlich sieht der menschliche Körper aus, der da zusammen- gekrümmt liegt und langsam hinter dem Plastik verschwindet.

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