Ein Bündner im Grab des Pharao
An der Antiquariatsmesse in Zürich wird morgen ein «Goldenes Buch» angeboten. Es erzählt ein spezielles Kapitel Bündner Hotelgeschichte.
An der Antiquariatsmesse in Zürich wird morgen ein «Goldenes Buch» angeboten. Es erzählt ein spezielles Kapitel Bündner Hotelgeschichte.
Es ist eine wahre Trouvaille, die da im Katalog der Antiquariatsmesse zu finden ist, die morgen Freitag, 23. Februar, bis Sonntag, 25. Februar, im Kunsthaus Zürich stattfindet. Besonders Kenner der Bündner Tourismusgeschichte staunen. Zum Verkauf steht ein Gästebuch aus den Jahren 1920 bis 1935 – allerdings nicht aus einem der hiesigen Grandhotels, sondern aus dem legendären «Winter Palace» in Luxor. Angelegt, annotiert und mit Fotos ergänzt wurde das Journal von Anton R. Badrutt. Dieser Name ist natürlich mehr als klingend.
Von St. Moritz nach Luxor
Doch warum verschlägt es ein Mitglied der grossen Engadiner Hoteldynastie in den Zwischenkriegsjahren an den Nil, und warum kann er dort nahezu alle Berühmtheiten der damaligen Zeit als seine Gäste begrüssen? Neben vielen gekrönten Häuptern haben sich Staatsmänner, Nobelpreisträger, Milliardäre, Dirigenten und Hollywoodstars in das Buch eingetragen – mehr als 250 Mitglieder der internationalen Hautevolee. Besonders ausführlich und literarisch verewigte sich etwa der Schriftsteller Thomas Mann.
Anton war ein Enkel des grossen St. Moritzer Hotelpioniers Johannes Badrutt. Auf jenen gehen das «Kulm Hotel» sowie das von dessen Sohn Caspar gegründete «Badrutt’s Palace» zurück. Anton Badrutt sollte später selbst das «Kulm» führen, doch als Jugendlicher wurde er erst einmal auf Wanderschaft durch renommierte Häuser geschickt. So gelangte er schliesslich nach Ägypten, wo ihm ein Schweizer, der zahlreiche Hotels in ganz Ägypten besass, die Leitung des «Cataract» in Assuan sowie des «Winter Palace» in Luxor übertrug.
Eines der bemerkenswerten Fotos, die Badrutt in seinem Gästebuch eingeklebt hat, zeigt ihn mit Howard Carter, seinem wohl wichtigsten Gast. Zwar war Oberägypten als milde Winterferiendestination schon vorher in Mode, aber als der britische Archäologe das Grab des Tutanchamun entdeckte, setzte ein unvergleichlicher Ansturm ein. Badrutt schreibt, dass er als einer der Ersten von Carter mit in das nahezu unberührte Pharaonengrab mitgenommen wurde. Doch diesbezüglich sind Fachleute skeptisch. Der Hotelier hat später auch in seinen 1964 erschienenen Erinnerungen die Fakten munter zurechtgebogen, wie später Lokalhistoriker feststellten. Ihm gebührt auch das Verdienst, die berühmte Wette seines Grossvaters zur Lancierung der ersten Wintersaison der Welt bekanntgemacht und datiert zu haben.
Für 22 000 Franken
Zum Verkauf für 22 000 Franken angeboten wird das Gästebuch jetzt von der Basler Händlerin Sabine Koitka, die es selbst vor zwei Jahren als Geschenk erhalten hatte. Aus Altersgründen will sie sich jetzt von einem Teil ihrer privaten Schätze trennen. Vorher ist das Buch lange im Besitz einer Tochter Badrutts gewesen und von da auf den Markt gekommen. Laut Koitka gibt es schon etliche Interessenten. Die Regeln der Messe besagen, dass damit ein Losentscheid nötig wird. Dafür kann man sich am Stand Koitkas bis morgen Freitag um 16 Uhr bewerben.
Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen. Mehr Infos
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