Badrutt – die Geschichte einer grossen Hoteldynastie
Das Luxushotel «Badrutt’s Palace» in St. Moritz ist weltbekannt. Im Buch «Fünf Generationen Badrutt» wird der Weg einer Familie aufgezeigt, die massgeblich den Mythos von St. Moritz mitgestaltet hat.
Das Luxushotel «Badrutt’s Palace» in St. Moritz ist weltbekannt. Im Buch «Fünf Generationen Badrutt» wird der Weg einer Familie aufgezeigt, die massgeblich den Mythos von St. Moritz mitgestaltet hat.
Von Fadrina Hofmann
St. Moritz. – St. Moritz steht für Glanz und Glamour, für internationalen Luxustourismus und spektakuläre Veranstaltungen. Kaum zu glauben, dass diese schillernde Destination einst nur ein Bauerndörfchen in einem abgelegenen Bergtal war. Dass dem nicht mehr so ist, verdankt St. Moritz innovativen Hoteliers vor Ort. Insbesondere die Familie Badrutt hat mit den Gründungen der Hotels «Engadiner Kulm» und «Badrutt’s Palace» bei der Entwicklung des Orts eine grosse Rolle gespielt.
Wie ein spannender Roman
Zum 80. Geburtstag des Besitzerehepaars Anikò und Hansjürg Badrutt schildert die Autorin Susanna Ruf in der Reihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik», wie fünf Generationen Badrutt über beinahe zwei Jahrhunderte die Entwicklung von St. Moritz mitgeprägt haben. Mit dem Band 91 über die «Hotelpioniere und Erfinder der Wintersaison» ist allerdings mehr als ein rein wissenschaftlich fundiertes Werk in einer Schriftenreihe entstanden. Das handliche Buch ist zugleich Familienchronik, wirtschaftshistorischer Zeitzeuge, und es liest sich wie ein spannender Roman.
Vom Gästezimmer zum «Palace»
Angefangen hatte alles mit dem Baumeister Johannes Badrutt (1791–1855) aus Pagig. Im Tal zugezogen hatte er im Jahr 1830 als Erster die Idee, mit privat vermieteten Zimmern eine einfache Unterkunft für Reisende zu schaffen. Sein Sohn Johannes junior Badrutt (1819–1889) führte diesen Gedanken fort und expandierte in das damals vom Bädertourismus beherrschte St. Moritz. Seine Vision war, das milde Winterklima im Oberengadin nicht nur für Kranke, sondern auch für Wintertouristen zu nutzen.
Gemäss Ruf gehörte die Familie Badrutt somit zu «den Erfindern der touristischen Wintersaison in der Schweiz, vermutlich sogar Europa». Mit dem Bau des «Engadiner Kulm» wurde der Grundstein für die Luxushotellerie in St. Moritz gelegt.
Der glamouröse Teil der Familiengeschichte beginnt allerdings erst mit Caspar Badrutt (1848–1904), dem Sohn von Johannes junior Badrutt. Er liess das «Palace» erbauen und schaffte als «weitblickender Stratege» damit einen Anziehungspunkt für die Reichen und Schönen. Auch adliges Geblüt sowie Mitglieder von Königshäusern gehörten zu den Gästen im «Palace».
Zwei Weltkriege und viele Stars
Vor grossen Herausforderungen stand die nächste Generation. Hans Badrutt (1876–1953) führte das Hotel durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Er schaffte es als «starke Führungspersönlichkeit», in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Konkurs des «Palace» abzuwenden. Auch war er massgeblich am Erfolg der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 beteiligt. In der Nachkriegszeit führten seine Söhne Andrea und Hansjürg Badrutt das weltbekannte Hotel trotz Aufkommen des Massentourismus im Sinne des Vaters erfolgreich weiter. Als neue Zielgruppe kam der Jetset hinzu. Hollywood-Stars wie Marlene Dietrich oder Alfred Hitchcock waren Stammgäste in St. Moritz. Seit 2004 hat Hans Wiedemann aus Basel als Hoteldirektor das Erbe der Familie Badrutt angetreten.
Faszinierende Erfolgsgeschichte
Autorin Ruf erzählt in fliessendem Schreibstil über gewagte und innovative Geschäftsideen, persönliche Schicksalsschläge und eine innige Familienbande. Sie gewährt dem Leser Einblicke in die Welt des Luxus und spannt dabei wie beiläufig einen Bogen über die geschichtlichen Ereignisse der vergangenen 200 Jahre. Illustriert ist das knapp 100-seitige Buch mit Fotografien, Bildern, Dokumenten und Plakaten. Zahlreiche Detailinformationen zur Entwicklung der Region bilden zusammen mit der Familienchronik ein umfassendes Bild einer faszinierenden Erfolgsgeschichte.
Fünf Generationen Badrutt: Hotelpioniere und Begründer der Wintersaison. Susanna Ruf. Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik hrsg. vom Verein für wirtschaftshistorische Studien. Band 91, Zürich 2010. 104 Seiten, 25 Franken, bestellbar unter www.pioniere.ch oder beim Verein für wirtschaftshistorische Studien, Vogelsangstr. 52, 8006 Zürich.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.